15.01.2020 - 11:20 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Erinnerung an friedliche Revolution wach halten

Bald wird die Hälfte der Bevölkerung die Zeit des Eisernen Vorhangs überhaupt nicht oder nicht bewusst erlebt haben. Eine Ausstellung zeigt die damaligen Geschehnisse, um an den Wert der Demokratie zu erinnern.

Christoph Skutella (links) erläutert den Gästen beim Rundgang durch die Ausstellung die Bilder.
von Siegfried BühnerProfil

„Von der friedlichen Revolution zur deutschen Einheit“ lautet der Titel einer Ausstellung, die ab sofort in der Aula der Europaberufsschule zu sehen ist. In einer Feierstunde wurde die Bilderschau anlässlich des 30. Jahrestags der Wiedervereinigung Deutschlands vorgestellt. Landtagsabgeordneter Christoph Skutella hatte 20 Bild- und Texttafeln über die Geschehnisse in der damaligen DDR zwischen 1987 und 1990 zur Verfügung gestellt. Mit dabei war auch der Zeitzeuge Reinhold Balk, der bei der damaligen Grenzschutzabteilung Schwandorf für die Überwachung des Eisernen Vorhangs von 1982 bis 1992 zuständig war. Was in der Ausstellung gezeigt wird, erläuterte Balk genauer. „Im damaligen Ostblock, also auch in der DDR, herrschte ein totalitäres System.“ Der Staat habe versucht, alle Bereiche des Lebens, zum Beispiel Beruf, Familie, Erziehung und Freizeit, zu kontrollieren. Bürger wurden überall durch Geheimdienste mit mehr als 250000 hauptamtlichen und inoffiziellen Mitarbeitern überwacht, Fluchtversuche aus dem System wurden oft mit dem Leben bezahlt. Bilder und ausführliche Texte der Ausstellungstafeln schildern die Situation am Vorabend der friedlichen Revolution. Wirtschaft und Gesellschaft in der DDR befanden sich in einer ständig größer werdenden Krise. Kommunalwahlen wurden gefälscht, eine Bürgerbewegung formierte sich und die SED-Führung versuchte vergeblich, ihre Macht zu retten.

Gezeigt werden alle Vorgänge, die letztendlich auf friedlichem Wege zur deutschen Einheit führten. Die Ausstellung wendet sich vorwiegend an Schüler, aber auch an alle, die das damalige Geschehen nicht erlebt haben oder daran erinnert werden müssen. „Wir müssen die friedliche Revolution der jungen Generation immer wieder vortragen“, kommentierte Organisator Christoph Skutella. Niemand solle die aktuelle Situation mit demokratischen Freiheiten, offenen Grenzen und unbeschränkter Mobilität für selbstverständlich halten, ergänzte er. Zwangsumtausch, Benzingutscheine und Visa-Vorschriften kennzeichneten die Situation, wenn jemand in ein Ostblockland fahren wollte. Dass Menschen damals schneller als die Politiker waren, stellte Berufsschulleiter Josef Weilhammer fest. Bürgermeister Lothar Höher bewunderte: „Ohne Gewalt wurde so viel bewegt.“ Innerhalb von zwei Wochen habe er zweimal die deutsch-deutsche Grenze überquert. Beim ersten Mal „wurde mein Auto noch zerlegt“, beim zweiten Mal salutierte der Grenzpolizist „herzlich willkommen in der DDR“. Die Ausstellung ist bis Ende März zu besichtigen.

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