Uli Narr hat jeden Pfennig, den er als Knirps ergattern konnte, im Papierladen Weber ausgegeben. "Ich war ab 1981 dort. Es gab immer die große Auswahl an Comics." Das kleine Geschäft an der Ecke Luitpold-/Landgerichtsstraße war in den 1960er, 1970er und 1980er Jahren der größte Comic-Umschlagplatz in Weiden. Ein beliebter Treffpunkt für Kinder, Jugendliche und für Erwachsene. Beim großen Jahrestreffen des Hansrudi-Wäscher-Fanclubs, zu dem der Weidener Comic-Club unter Narrs Vorsitz nach Amberg geladen hatte, beschäftigten sich 50 Experten, Autoren und Zeichner mit Nostalgie. Unter anderem stand eine Neuauflage der "Bessy"-Reihe im Fokus.
"Wir sind eine Generation, die Comics gelesen hat. Diese Heftchen haben viel bewirkt, haben verinnerlicht, dass wir unsere Meinung zwar schon mit Nachdruck vertreten sollten, nie aber auf Kosten oder zum Schaden anderer", erklärte Clubmitglied Jürgen Metzger vom Fürther Comic-Archiv die Wertevermittlung, die hinter diesen früher von Paukern beschimpften Hefte steckten. Es sind Lehrer, Juristen, Architekten, Handwerker, Landwirte, die Narrs Leidenschaft in Comic-Clubs teilen und die zum Treffen aus ganz Deutschland angereist waren.
Narr erinnerte sich noch genau. "15 Pfennig kostete ein Romanheft und 50 Pfennig ein Großband. Wenn du's gelesen hast, bist du wieder hin und hast es wieder für ein Zehnerl an Weber verkauft." Leider hatte "Frau Weber" wenig Gespür für spätere Sammler gezeigt. Sie hatte nämlich die Angewohnheit, auf die angekauften Hefte ein Papier-Weber-Papperl zu kleben, weshalb ein Großteil der damals erworbenen Schätze heute eher wertlos sei. "Sammler möchten das nicht so gern", erzählte Narr. Aber eine gute Zeit sei das schon gewesen. "Das Ladl war immer voll. Auch Erwachsene waren da. Was hast du für zwei Mark nicht alles bekommen?" Heute sei solch ein Geschäftsmodell mit minimalster Gewinnspanne eher undenkbar. Früher hatten die Comics nicht den gleichen Stellenwert, den sie heute für Sammler haben. "Die kamen ins Altpapier." Narr zählt jede Menge Comic-Helden zu seinen Favoriten.
Die Collie-Hündin "Bessy" mit ihrem Freund Andy ist allerdings nicht darunter. Aber Bernd Götz aus Kirchheim bei Stuttgart hat die treue Hündin und ihr Herrchen ins Herz geschlossen. Sechs Jahre war er alt, als ihm seine Mutter 1966 das erste Heft kaufte. Längst ist die Serie eingestellt. Jetzt versucht Götz, die Abenteuer neu aufzulegen. Als Privatmann. Er koloriert alte Hefte am Computer und füllt Sprechblasen mit den holländischen Originaltexten auf, die er ins Deutsche übersetzt. Die neuen Hefte erscheinen in einer Auflage von jeweils 500 Stück je Folge. In Sammlerkreisen sind die Heftchen jetzt schon heiß begehrt.
Einer Interessent ist Mitglied Thomas Muroni aus dem Großraum Hamburg. Sein 220 Quadratmeter großes Haus scheint aus allen Nähten zu platzen. Das komplette Obergeschoss, das immerhin 100 Quadratmetern zählt, gehöre seiner Sammlung, sagte er. "Unten leben wir und oben spiele ich." Inmitten von 30.000 Comics und 80.000 utopischen Romanen verbringt Muroni einen Großteil seiner Freizeit. Hinzu kommt noch eine riesige Musiksammlung. "Überwiegend CDs. Meine Plattensammlung habe ich aus Platzgründen verkauft."













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