10.07.2020 - 17:19 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Europaberufsschule: Ja zu Neubau

Die Europaberufsschule ist die größte Schule der Stadt. Aber nicht mehr die jüngste. Das Beste wäre mit Blick auf die aktuelle Machbarkeitsstudie, sie neu zu bauen. Darüber ist sich der Bauausschuss einig. Nur wo? Und wovon wird's bezahlt?

Auch die Europaberufsschule muss dringend generalsaniert werden. Eine Machbarkeitsstudie schließt dabei einen Neubau auf einem fiktiven Grundstück nicht aus. Im Gegenteil. Das scheint die günstigste und zeitlich schnellste Lösung zu sein.
von Simone Baumgärtner Kontakt Profil

Für die seit Jahren heiß diskutierte Zukunft der Realschulen werden erst im Herbst die Pläne vorgestellt. Für die Europaberufsschule konnte Baudezernent Oliver Seidel die Ergebnisse für die vom Stadtrat in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie schon jetzt im Bauausschuss präsentieren.

Drei Varianten werden gezeigt. Der Favorit des Gremiums steht schnell fest, Variante drei: Der Neubau auf einem fiktiven, etwa drei Hektar großen Grundstück ist dem Neubau mit Sanierung oder dem auf bestehendem Gelände vorzuziehen. Er geht schneller, ist günstiger. "Und Bau sowie Betrieb sind unabhängig voneinander möglich", so Seidel. Er wünscht sich zur Verwirklichung ein städtisches Grundstück, später wird deutlich, Seidel visiert das SV-Gelände gegenüber der Schule an. "Auf allen anderen bauen wir Luftschlösser." Doch er stößt auf deutlichen Widerspruch. Zudem zeigt sich das Gremium angesichts der Zahlen geschockt.

Europaberufsschule: Generalsanierung liegt mehr als 30 Jahre zurück

67,5 Millionen Euro für Neubau

So braucht es für die günstigste Variante, eben den Neubau der Berufsschule samt Umzug, gut 7 Jahre und mehr als 67,5 Millionen Euro. Die Sanierungs- und Erweiterungsvarianten ziehen sich gar über etwa 11 Jahre und kosten um die 76 Millionen, fast 10 Millionen Euro mehr.

Stefan Rank von der Bürgerliste fühlt sich von diesen Beträgen erschlagen. "Die Summen lassen einen erst mal verstummen", stellt Hildegard Ziegler (SPD) fest. Dafür findet Sitzungsleiter und Bürgermeister Lothar Höher schnell Worte: "Für mich ist es Variante drei. Die Pläne gefallen mir sehr gut. Aber nicht auf dem SV-Gelände. Wenn wir ein Grundstück finden, das die Stadt auch erst kaufen könnte, gibt es viele Möglichkeiten." Nur Grundstücksspekulationen dürften jetzt nicht betrieben werden. "Dann steigt der Preis schnell um das Zehnfache."

Realschulen weiter Priorität eins

Für Ziegler stellen sich andere Fragen. Freilich wisse die Fraktion um den schlechten Zustand der Schule: "Aber wie ist dieses Projekt im Vergleich zu den Realschulen zu sehen? Wie kann man beiden Schulen gerecht werden? Die SPD will mehrheitlich den Neubau, aber nicht zulasten eines anderen Projekts."

Die Realschule bleibt weiter Priorität eins, versichert Höher. "Aber auch die Albert-Schweitzer-Schule und das Kepler-Gymnasium müssen wir weiter auf der Liste haben", erinnert Alois Lukas (CSU). Für Gisela Helgath "kommen gefühlt alle Schulen auf einen Schlag". Selbstkritisch stellt sie fest: "Weil wir's zu lange vor uns hergeschoben haben."

"Aber wenn wir's finanziell stemmen können, sind wir für den Neubau", spricht Lukas für die CSU. Laut Hans Sperrer (CSU) könne man ja auch anderen Grund und Boden zu städtischen Grundstücken machen. Die Schule solle aber nicht auf das SV-Gelände: "Denn dort wollen wir lieber die dringend nötige Wohnbebauung." Rank von der Bürgerliste sagt: "Und ich möchte keine zweite Pestalozzischule." Er spielt auf die nun 40 Millionen Euro an Kosten an, die einst auf 20 geschätzt wurden. Trotzdem wünscht sich Rank, dass die Maßnahme Berufsschule möglichst bald angepackt wird. "Genau", sagt Gisela Helgath: "Es soll nichts kosten und wir sollten sofort anfangen."

Alles nur Luftschlösser?

"Von der Vorverurteilung der Finanzierbarkeit möchte ich abraten", sagt Baudezernent Seidel. Und die Entscheidung darüber, welche Schule Priorität genießt, könne er den Stadträten nicht abnehmen, zumal alles stets ein laufender Prozess sei. Worauf Seidel aber pocht: "Das Grundstück muss in städtischer Verfügbarkeit liegen, sonst bauen wir Luftschlösser." Nur besitze die Stadt nur zwei Grundstücke in dieser Größe: das SV-Gelände sowie Grund in den Naabwiesen. "Und ich plane nicht mehr auf Grundstücken, deren Besitzer dies gar nicht wünschen", sagt Seidel bestimmt.

Bei Europaberufsschule Schlagabtausch der Dezernenten

Weiden in der Oberpfalz

Berufsschule auch im Landkreis?

Beim SV-Gelände würde die Schule auf die andere Straßenseite wechseln, die Verkehrsproblematik mit zig parkenden Berufsschülern sei durch die Planung auszumerzen. Trotzdem findet die Idee keinen Zuspruch. Gerald Bolleininger (SPD) wirft gar die Frage auf: "Warum muss eine Berufsschule unbedingt in Weiden stehen?" Ein Drittel der 3500 Schüler kämen zwar aus Weiden, ein Drittel aber auch aus dem Landkreis Neustadt/WN, das letzte Drittel von überall her.

Ja, um Grundstück und Finanzierbarkeit des Projekts entbrennt schließlich eine heftige Debatte, die zur Grundsatzdiskussion mutiert. Wohlgemerkt nicht unter den Bauausschussmitgliedern, sondern zwischen Baudezernent und Stadtkämmerin (siehe unten). Entschieden wurde trotzdem: Der Ausschuss will dem Stadtrat zum Neubau der Europaberufsschule raten. Und zwar auf einem geeigneten, nicht unbedingt städtischen Grundstück. Über Finanzierung und Planungsleistungen soll später diskutiert werden.

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