Weiden in der Oberpfalz
11.09.2023 - 14:07 Uhr
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Ewald Zenger beendet nach 37 Jahren Einsatz für Jugendliche

37 Jahre lang ist Ewald Zenger Stadtjugendpfleger und Geschäftsführer des Stadtjugendrings in Weiden. In Kürze geht der 64-Jährige in Altersteilzeit. Ein Gespräch über den Wert von Streit und den Einsatz für eine Gesellschaft von unten.

Er habe Harmonie herstellen wollen, sagt Ewald Zenger über seine Berufsjahre. Friedhofsstille meine er damit aber nicht. Um Lösungen zu finden, müsse man den anderen anhören, sich streiten, manchmal zurückzustecken, sich ein- oder unterordnen. "Man muss auch dafür kämpfen, dass Menschen Unsinn von sich geben dürfen." Er habe immer versucht, auf diese Art die Mitte zu finden, für sich selbst und im Zusammenspiel mit anderen. Zenger sagt dies nach 37 Jahren als Stadtjugendpfleger, Geschäftsführer des Stadtjugendrings und Leiter des Jugendzentrums (Juz) und des "Plan B". Am 23. oder 24. September endet seine aktive Phase und beginnt für den 64-Jährigen die Altersteilzeit. So genau weiß er das Datum gar nicht auswendig. Vielleicht, weil es ihm noch ein wenig zu gruseln scheint vor dem, was danach kommt. "Ich hab' schon ein bissl Angst", gibt er zu. "Ich freue mich aber auch, wenn die Last abfällt. Ich will erstmal für nichts Verantwortung haben." Zengers Nachfolgerin ist seit 1. September Julia Zimmermann.

Für soziale Arbeit hat sich der Weidener schon mit zwölf Jahren interessiert. Nach dem Abi am Kepler-Gymnasium in Weiden studierte er in München aber zuerst ein Jahr lang Elektrotechnik, bevor er umsattelte auf ein Studium der Sozialen Arbeit in Coburg und Düsseldorf. Zehn Jahre verbrachte Zenger abseits der Heimat. "Ich würde allen Kindern und Jugendlichen raten, mal hinaus in die Welt zu gehen. Da kann man immer von profitieren. Und wenn man ein Herzensband zur Heimat hat, kommt man wieder zurück." Sein Herzensband führte ihn 1986 als Stadtjugendpfleger zurück nach Weiden. "Am Anfang hatte ich von nichts Ahnung", erinnert er sich. Personalführung und Sozialmanagement hätten während seiner Ausbildung keine Rolle gespielt, gehörten aber zu seinen Aufgaben. "Der Realitäts-Check fehlte."

Einsatz für Gesellschaft von unten

Zenger kennt das Juz aus seiner Jugendzeit, als es noch Jugendheim hieß und es draußen einen Bolzplatz und eine Eisbahn gab. Der junge Zenger verbrachte seine Freizeit regelmäßig im Juz und erinnert sich an eine Zeit des Wandels. Als es 1978 in Weiden einen Drogentoten gab, habe die Politik sofort eine Verbindung zum Jugendheim hergestellt. "Der damalige Bürgermeister Günter Zwack hat daraufhin entschieden: Das Haus wird zugemacht." Jugendliche und Erwachsene hätten gegen die Schließung demonstriert. "Zwack hat sich der Diskussion gestellt und sich mit den Jugendlichen getroffen." Davon ist Zenger noch heute beeindruckt. Sich für eine Gesellschaft von unten einzusetzen, sei auch für ihn ein prägender Grundsatz. "Ich habe eine riesige Vorliebe für Menschen, die scheitern oder aufgegeben werden. Ich wünschte, ich könnte deren Superkräfte entdecken."

Nach einer dreijährigen Schließung mit großem Umbau öffnete das Jugendzentrum wieder, nun mit Diskothek, Fotostudio, Mehrzweckraum und Teestube. Die offene Jugendarbeit rückte in den Vordergrund, der Stadtjugendring wurde Träger des Juz. Fünf Jahre später kam Zenger ins Juz. "Es war mir ein großes Anliegen und eine Mission, dass Eltern das Gefühl haben, dass ihre Kinder hier sicher sind." Freilich habe es in 40 Jahren auch Tiefpunkte gegeben. "Jugendliche, die verstorben sind, mit denen es vorher viele Gespräche gegeben hat", sagt Zenger. Er erinnert sich an einen jungen Mann, nach dessen Tod sich auf Zengers Initiative zum ersten Mal Polizisten und Sozialarbeiter zusammengesetzt hätten. "Das war vorher undenkbar." Doch seitdem gebe es in Weiden einen Jugendkontaktbeamten als Ansprechpartner für junge Weidener.

Zenger sagt, die Jugendlichen hätten sich in seinen knapp 40 Dienstjahren nicht verändert. "Sie wollen anerkannt und geliebt werden und ihren Weg finden." Aber ihre Instrumente seien andere. "Statt Marionetten und Handpuppen gibt es heute Handys und VR-Brillen." Die mediale Welt sei eine Herausforderung. Beispielsweise hätten heute schon Kinder und junge Jugendliche Gewalt und Pornografie auf ihren Handys. Aber diese neuen Instrumente zu verteufeln, bringe nichts. "Sie müssen ja lernen, in dieser Gesellschaft zu leben." Nichtsdestotrotz sei er überzeugt, dass es in 100 Jahren noch Zelt- und Ferienlager geben werde.

Platz für etwas Neues

Ein großes Projekt hat Zenger noch auf seinem Schreibtisch liegen, bevor er kürzertreten wird. Zu seinen letzten Aufgaben gehört der Abschluss des Ferienprogramms mit Manöverkritik. 120 Veranstaltungen werden dieses Jahr angeboten, ein Mammut-Projekt für alle Beteiligten. Die Zukunft vieler Vereine sei ungewiss. "Kinder sind keine Mangelware. Aber es fehlt an Jüngeren, die Verantwortung übernehmen", so Zenger. Dabei machten vor allem die Vereine Weiden so lebens- und liebenswert. Es dürfte ihm schwer fallen, künftig weniger mit ihnen zu tun zu haben. Aber er weiß sie in seinem Team in guten Händen.

Zenger ist voll des Lobes für sein Team, darunter die Verwaltungsangestellte Katharina Glaser, die er extra namentlich erwähnt. "Sie ist überall dabei und vermittelt zwischen dem Team, der Geschäftsführung, dem Vorstand, kommt aus der Jugendarbeit und ist ein wunderbarer Gewinn." Julia Zimmermann, die bereits seit 20 Jahren im Team ist, war seine Wunschkandidatin als seine Nachfolgerin. Bei Veränderungen sei Platz für etwas Neues wichtig, sagt Zenger. Entsprechend gibt er seiner Nachfolgerin mit: "Finde deinen Platz, mach's dir bequem. An der Spitze kann es auch mal einsam werden, weil man Entscheidungen treffen muss. Schau, dass du dem Ganzen in der Geschwindigkeit, die dir passt, deinen eigenen Stempel aufdrückst." Er sei überzeugt, stolz zu sein auf das, was das Team im Juz und "Plan B" leisten werde.

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Weiden in der Oberpfalz03.08.2023
Zur Person:

Ewald Zenger

  • Alter: 64 Jahre
  • Schule: Abitur am Kepler-Gymnasium Weiden
  • Studium: 1 Jahr Elektrotechnik in München; Studium Soziale Arbeit in Coburg begonnen und in Düsseldorf beendet
  • Werdegang: Arbeit in Jugendzentrum bei Coburg; im Februar 1986 nach 10 Jahren Abwesenheit aus der Heimat als Stadtjugendpfleger in Weiden angefangen; Geschäftsführer des Stadtjugendrings und Leiter des Juz; ab Ende September Altersteilzeit
  • Familie: verheiratet mit Ulrike Weber, 1 Tochter und 1 Sohn, 2 Enkelinnen
  • Hobbys: Städteurlaub, Konzerte, Museumsbesuche, Rollenspiele auf der Playstation
  • Nachfolgerin: seit 1. September Diplom-Sozialpädagogin Julia Zimmermann, dienstältestes Mitglied im Juz-Team
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