17.12.2018 - 17:55 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Das ewige Weihnachtslied

Vor 200 Jahren komponierte der Dorfschullehrer und Organist Franz Xaver Gruber den Weihnachtslied-Klassiker „Stille Nacht, heilige Nacht“. Dabei sollte er eigentlich Leinenweber werden.

Franz Xaver Gruber – hier auf einem Gemälde von Sebastian Stift.
von Rainer ChristophProfil

1818 – vor genau 200 Jahren also – erklang das Weihnachtslied „Stille Nacht, heilige Nacht“ zum ersten Mal in der Stiftskirche St. Nikola in Oberndorf bei Salzburg. Der Liedtext entstand bereits zwei Jahre vorher, nämlich 1816. Zu verdanken haben wir das weltweit bekannte Weihnachtslied dem Texter und damaligen Hilfspriester Joseph Mohr sowie dem Dorfschullehrer, Chorregenten und Komponisten Franz Xaver Gruber.

Gruber, geboren als dritter Sohn eines Leinenwebers am 25. November 1787 in Unterweitzberg im Innviertel, zeigte bereits als Kind großes Interesse am Orgelspiel. Begeistert war der Vater nicht, er wollte, dass sein Sohn den Beruf des Leinenwebers erlernt. Franz Xaver wurde im Orgelspiel von seinem Lehrer Andreas Peterlechner unterrichtet, der die Begabung des Knaben erkannte. Als Peterlechner einmal wegen Krankheit die Orgel nicht spielen konnte, schlug er dem Pfarrer vor, dass Gruber an seiner Stelle spielen sollte.

„Besser eine schlechte als gar keine Musik“, meinte der Pfarrer und erklärte sich einverstanden. Das Experiment schlug ein, die Kirchenbesucher staunten und waren begeistert über die Orgelkünste des Knaben. Da blieb auch sein Vater nicht ungerührt, als ihm alle zu seinem Buben gratulierten. Im nah gelegenen Burghausen kaufte er ihm voll Stolz für fünf Gulden ein gebrauchtes Spinett.

Die Berufsausbildung eines Leinwebers war ad acta gelegt, 1806 legte Gruber in Ried im Innkreis seine Lehramtsprüfung ab. Ein Jahr später trat er dann seine erste Stelle in Arnsdorf, Gemeinde Lamprechtshausen in der Flachau, an. Da aber die Wohnung im ersten Stock des Schulgebäudes des Lehrers noch von der Witwe des vorigen Lehrers und Mesners mit ihren Kindern bewohnt war, heiratete Franz Xaver kurzerhand die 18 Jahre ältere Witwe – mit dem Nebeneffekt, dass er ein zusätzliches Einkommen als Mesner hatte. Diese Hochzeiten waren in den Zeiten eines „armen Dorfschulmeisterleins“ auch in Deutschland durchaus üblich, es war nicht selten eine Überlebensfrage.

Gruber war, wie viele seiner Lehrerkollegen, zu dieser Zeit nicht nur Organist in Arnsdorf (nördlich von Oberndorf bei Salzburg – seit 1807), er fungierte auch als Mesner und Organist in der Pfarrkirche im nahen Oberndorf. 1818 entstand die Melodie zum weltberühmten Weihnachtslied „Stille Nacht, heilige Nacht“. Den „Gedichttext“ bekam er von seinem Freund, dem Hilfspriester Joseph Mohr.

Gruber konnte Mohrs Text gut ins Notenbild integrieren, musikalisch wurde das Lied für Chor und zwei Solostimmen mit Gitarrenbegleitung geschrieben. Die Besucher der Christmette waren gerührt und begeistert. Gruber schrieb in seiner Chronik: „Meine einfache Composition wurde zugleich in der heiligen Nacht mit allem Beifall producirt.“ Die Originalgitarre wird im Museum Hallein gezeigt.

Nach dem Tod seiner ersten Frau 1825 heiratete Gruber ein Jahr später die Arnsdorferin Maria Breitfuß, die in den Jahren des Wiener Kongresses, als die östlichen und südlichen Salzburger Gebiete an Österreich fielen, seine Schülerin war. Mit ihr hatte Gruber zehn Kinder. 1829 wurde er Lehrer in Berndorf, wo er bis 1835 blieb. Dann wirkte er 28 Jahre, von 1835 bis 1863, als Chorregent und Organist in der Stadtpfarrkirche Hallein.

Vor seinem Wohn- und Sterbehaus direkt neben der Stadtpfarrkirche in Hallein befindet sich auch ein Ehrengrab, vor dem alljährlich am 24. Dezember um 17 Uhr ein Gedenksingen stattfindet. Sein Grab am ehemaligen Kirchhof war nach dessen Auflösung nicht mehr zu finden. Im Haus wurde ein Museum über sein Leben und Wirken eingerichtet. Gruber schrieb Kirchenmusik und starb im Alter von 76 Jahren im Juni 1863 als angesehener Bürger in Hallein.

Weitere Informationen gibt es auf www.hallein.com/sehenswertes/stille-nacht-museum

Das Wohnhaus von Franz Xaver Gruber in Hallein.
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