21.10.2019 - 17:47 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Fake News Folge des Geschäftsmodells sozialer Netzwerke

5. Weidener Sozialtage: Michael Hälsig vom Chaos Computer Club München sieht Geschäftsmodelle von Facebook und Google kritisch.

Michael Hälsig vom Chaos Computer Club München erläutert den Zuhörern, wie sich Fake News über die Computer verbreiten.
von Helmut KunzProfil

"Alle politischen Bemühungen und Neutralitätsbekundungen sind sinnlos, solange das Geschäftsmodell von Google & Co. auf Aufmerksamkeit zielt, um Werbung zu verkaufen", sagt Michael Hälsig vom Chaos Computer Club München. Über die Einschätzung vieler User im lockeren Umgang mit ihren Daten, weil sie ja angeblich im Netz nichts zu verbergen hätten, sei er erstaunt: "Das entscheiden längst nicht mehr sie." Soziale Netzwerke und Suchmaschinen sammelten möglichst viele Informationen und achteten darauf, dass die Betroffenen das nicht merkten.

Der Computerexperte referierte bei den 5. Weidener Sozialtagen der KAB im Pfarrheim St. Josef darüber, wie man Fake News und Bilder im Internet erkennt. Wie Kreisvorsitzender Hermann Stadler eingangs erwähnte, habe die Mehrheit der Deutschen Probleme damit, korrekte Nachrichten von manipulierten Inhalten zu unterscheiden. Dies gehe aus einer repräsentativen Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Kandar im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung hervor. Für 61 Prozent der Befragten in Deutschland sei es schwierig, den Wahrheitsgehalt von Informationen zu unterscheiden. Der Chaos Computer Club habe sich zu einer maßgebenden Nichtregierungsorganisation in allen Fragen der Computersicherheit entwickelt.

"Fake News sind zum Teil Folge des Geschäftsmodells", erläuterte Hälsig. "Man sollte das auch bei Facebook nicht vergessen. Alles was Sie da so schreiben, dient einfach nur dazu, ein Geschäft damit zu machen." Facebook sei mittlerweile ein soziales Netzwerk für die ältere Generation. "Jugendliche werden faktisch nur noch über Bilder beeinflusst. Deren Hauptkommunikationsmedium ist Instagram. Bilder mit kurzen Bildunterschriften. Man kommuniziert nicht mehr mit Mails."

"Die sehen Bilder, klicken weiter und stoßen auf so manche Merkwürdigkeit." Die Urheberschaft dieser Bilder ließe sich leicht nachvollziehen. Man müsse nur wissen wie. Mit wenigen Mausklicks sein das möglich. "Eine einfache Google-Suche." Und oft bewahrheite sich, dass irgendjemand mit haarsträubenden Fotos nur auf sein Produkt aufmerksam machen wolle.

Fake News dienten hauptsächlich zwei Zwecken: Der Verbreitung von politischen und weltanschaulichen Botschaften durch bewusst falsche Interpretation, Manipulation und erfundenen Nachrichten. Und durch eine von Überraschungseffekten gelenkte Erhöhung der Klick- und Weiterverbreitungsrate. Fake News würden doppelt so schnell geteilt und weiterverfolgt, als echte Nachrichten. Sie erreichten 1500 User sechs Mal schneller als wahre Meldungen. Dies liege in der Natur des Menschen. Übers Netz werde heute auch die Politik beeinflusst. Wer was gelten wolle, kaufe Likes. Für etwas mehr als 800 Euro könne man 100 000 dieser begehrten Häkchen erwerben. Auf diese Weise könnten extreme Positionen in journalistische Berichterstattung einfließen. Denn: "Politiker richten sich heute gerne danach, was den Wähler gerade so umtreibt."

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