29.08.2018 - 15:06 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Fichten sterben

Der Borkenkäfer-Befall ist im Vergleich zum Vorjahr stark angestiegen - die Zahl der Befallsherde hat sich verdoppelt. Eine Ursache dafür ist das heiße und trockene Wetter der vergangenen Monate. Worauf müssen Waldbesitzer nun achten?

Borkenkäfer: 32 größere Befallsherde hat die Bayerische Forstverwaltung bei ihrer Befliegung der Wälder des östlichen Landkreises entdeckt.
von Wolfgang Fuchs Kontakt Profil

Normalerweise gibt es zwei Borkenkäfer-Generationen pro Jahr, erklärt Moritz Neumann, Forstdirektor des Bereichs Forsten in Pressath. "Mittlerweile sind wir bei drei Generationen. Bis Oktober werden noch zahlreiche Bäume absterben."

Vergangene Woche hat sich die Bayerische Forstverwaltung bei einer Befliegung der Fichtenwälder des östlichen Landkreises einen Überblick über den Borkenkäferbefall verschafft (wir berichteten). Eineinhalb Stunden sind Neumann und Revierförster Sebastian Höllerer dafür entlang der Naablinie von Luhe bis Windischeschenbach über Wäldern gekreist, haben Befallsherde ausgemacht, fotografiert und die Ergebnisse in Karten eingetragen. Die Bilanz ist ernüchternd.

Im Vergleich zum selben Zeitraum des vergangenen Jahres, also von April bis Mitte August, wurde die doppelte Anzahl an Befallsherden entdeckt. 32 größere habe das Team insgesamt gezählt. Kleinere und einzelne nicht mitgerechnet. Eine "Klumpung" sei westlich von Waldthurn festgestellt worden.

Die Hauptursache für dieses Phänomen sei das heiße und trockene Wetter der vergangenen Monate, betont Neumann. Der Borkenkäfer beginne nämlich "ab einer Tagesdurchschnittstemperatur von cirka 14 Grad am Tag" zu nisten. In diesem Jahr also schon im April. Auch Waldgebiete, die nicht in privatem, sondern in staatlichem Besitz stehen und "garantiert ordentlich gepflegt" werden, haben starke Probleme. Das bestätigt Stefan Bösl vom Forstbetrieb Flossenbürg: Vor allem in den vergangenen 14 Tagen sei die Lage "massiv schlimmer geworden".

Um eine größere Ausbreitung des Befalls zu verhindern, sind Waldbesitzer durch das Forstrecht dazu verpflichtet, befallenes Holz einzuschlagen und "in einen Abstand von mindestens 500 Metern wegzubringen", betont Neumann. Alternativ dazu können sie die gefällten Bäume entrinden und die Rinde dann verbrennen. Diese Methode sei bei der aktuellen Trockenheit jedoch sehr gefährlich. Eine weitere Möglichkeit bestehe darin, die Rindenhaufen zu sammeln und unter Planen abzudecken oder sie in verschlossenen Säcken zu sammeln. Durch die "Stauwärme" gehe der Käfer kaputt. Das Verwenden von Insektiziden sei nicht gerne gesehen, da diese Methode sehr belastend für die Umwelt sein kann.

Wird nicht rechtzeitig abgeholzt, fliegt der Käfer nach sechs bis acht Wochen aus und sucht sich den nächsten umstehenden Baum. Dadurch vergrößern sich die befallenen Flächen, die dann abgeholzt werden müssen. Große "Kahlflächen" entstehen. Der Stickstoff, den der auf dem Waldboden befindliche Humus erzeugt, "eigentlich gutes Nährmaterial für Bäume", sickert ins Grundwasser beziehungsweise geht in die Atmosphäre. Die "normale natürliche Waldwirtschaft" wird gestört. Aus diesen Gründen komme es jetzt darauf an, schnell zu handeln, betont Neumann.

  • Befallenes Holz einschlagen
  • Holz fortschaffen (mindestens 500 Meter Entfernung zur Ausgangsstelle), oder:
  • Rinden sammeln und unter Planen abdecken, oder:
  • Rinden in verschlossenen Säcken sammeln, oder:
  • Verwendung von Insektiziden

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