22.01.2019 - 14:49 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Flucht nach tödlichem Unfall: Bewährung für Autofahrer

Bei einem Unfall bei Weiherhammer stirbt ein Radler. Der Autofahrer sucht nicht nur das Weite, sondern versucht auch, die Tat zu verschleiern. Vor Gericht kommt er dennoch mit einem blauen Auge davon.

Eine Bewährungsstrafe erhält der 31-jährige Autofahrer, der nach einem tödlichen Unfall geflohen ist.
von Autor hczProfil

Für Richter Alexander Wedlich war es "ein Augenblicksversagen, wie es jedem von uns passieren könnte“. Dieses kostete Ende August 2017 einem 64-Jährigen das Leben. Ein 31-Jähriger übersah den Familienvater, der mit seinem Fahrrad auf der Gemeindeverbindungsstraße von Etzenricht nach Weiherhammer nach Hause fuhr. Die „Sauerei“, so Wedlich, passierte danach: Der Mann, der mit seinem VW-Transporter den Radler von hinten erfasst hatte, fuhr einfach weiter.

Am Tag darauf versuchte er, die beim Aufprall geborstene Windschutzscheibe dadurch zu erklären, dass ein Anderer ihn angefahren habe und geflüchtet sei. Der 31-Jährige erstattete Anzeige bei der Polizei gegen Unbekannt und bot sogar Zeugen auf. Diese bekamen aber schnell „kalte Füße“ als sie hörten, dass es um einen getöteten Menschen ging. So kam die Wahrheit ans Licht. Denn die Polizei hatte durch sichergestellte Teile am Unfallort den Fahrzeugtyp des Unfallflüchtigen ermittelt. Der Verheiratete gestand schließlich. Auch „Kommissar Zufall“ habe eine Rolle bei der Aufklärung gespielt, berichtete ein Neustädter Polizeioberkommissar in der Verhandlung am Dienstag. Bei der Vorbeifahrt an einem Café in Weiherhammer war das Auto mit der kaputten Windschutzscheibe gesehen worden.

86 Meter nach der Abzweigung nach Weiherhammer hatte der VW T5 den 64- Jährigen mit einer Geschwindigkeit zwischen 75 und 90 km/h erfasst, berichtete Dipl.- Ing. Josef Führnrohr von der Dekra Bayreuth. Zur Untersuchung hatte ihn die Polizei am Tag danach hinzugezogen. Bei 6,60 Meter Straßenbreite wäre es ein Leichtes gewesen, dem am äußersten rechten Fahrbahnrand fahrenden Radler auszuweichen. Zwei intakte Rückstrahler, Pedalreflektoren und dazu eine batteriebetriebene Rückleuchte hätten ihn, trotz eingetretener Dunkelheit, sichtbar machen müssen. Der Unfall war gegen 20.30 Uhr passiert. Gemeindemitarbeiter hatten den Toten am Morgen gefunden.

Der völlig nüchterne Mann aus dem Landkreis sei auf der Stelle tot gewesen, sagte Professor Peter Betz vom Rechtsmedizinischen Institut der Uni Erlangen. Durch den Aufprall auf die Windschutzscheibe sei er meterweit weggeschleudert worden und habe diverse Brüche am Rumpf und Schädel erlitten. Durch einen Riss der Aorta und innere Verletzungen habe er „keine Chance“ gehabt. Selbst wenn ein Dutzend Notärzte sofort da gewesen wäre, wäre nichts zu retten gewesen, betonte Betz.

Staatsanwältin Franziska Paintner prangerte die Dreistigkeit des Verschleierungsversuchs des Angeklagten an. Für die fahrlässige Tötung und die Unfallflucht forderte sie eine Freiheitsstrafe von zweieinviertel Jahren. Rechtsanwalt Engelbert Schedl erinnerte daran, dass der Sachverständige schlechte Sichtverhältnisse zum Unfallzeitpunkt festgestellt hatte. Sein Mandant, den seither „schlaflose Nächte wegen seiner Schuld“ quälten, habe den Radfahrer einfach übersehen und sei danach in Panik verfallen. Dem Verunglückten hätte niemand mehr helfen können. Man möge dem verheirateten Familienvater, der Arbeit habe und sozial eingeordnet lebe, nicht sein künftiges Leben verbauen. Verteidiger Schedl plädierte auf eine Bewährungsstrafe von maximal zwei Jahren.

Angesichts dessen, dass der Angeklagte bisher unbescholten gelebt hatte, kam Richter Wedlich dem Antrag Schedls nach und verurteilte den mittlerweile 33-Jährigen zu zwei Jahren. Als Bewährungsauflage muss er 6000 Euro in Raten à 100 Euro an den Förderverein für Schwerkranke zahlen. Sein Führerschein, der gleich nach der Tat eingezogen wurde, ist für weitere drei Jahre weg.

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