28.09.2020 - 16:16 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Förderverein "Rettet St. Sebastian": Am Ziel und doch enttäuscht

Das selbst gesteckte Ziel ist erreicht: Weidens älteste katholische Kirche ist gerettet, die Außensanierung abgeschlossen. Nun will sich der Förderverein "Rettet St. Sebastian" auflösen.

St. Sebastian ist neben Schüler- und Hochzeitskirche vor allem auch die Handwerkerkirche in der Stadt. Davon zeugen die hier verwahrten Zunftstangen. Allerdings ist die Kirche derzeit meist verschlossen. Und an die nötige Innensanierung ist derzeit nicht zu denken. Die Außensanierung ist abgeschlossen.
von Josef-Johann Wieder Kontakt Profil

Eigentlich ist es nur ein Etappenziel, das der Förderverein "Rettet St. Sebastian" angepeilt hat. Mit der Sanierung von Dachstuhl und Fundament ist das Kirchlein gerettet. "St. Sebastian fällt uns nicht mehr so schnell auseinander", sagt Karl Arnold. Der ehemalige Kreishandwerksmeister ist der erste Vorsitzende des Fördervereins. Und er wird wohl der einzige bleiben.

Gemeinsam mit seinem Stellvertreter Falk Knies (Notar im Ruhestand), Schatzmeister Theo Spieß (Banker i. R.) und Ideengeber Egid Mühlbauer (Pfarrer i. R.) hätte er gerne der Außen- die nötige Innensanierung angehängt. Ein Grundstock von rund 40.000 Euro wäre dafür auch vorhanden.

Keine Innensanierung

Doch es kommt anders: In einem Brief vom 26. November zollt Stadtpfarrer und Kirchenverwaltungsvorstand Markus Schmid dem Förderverein zwar seinen persönlichen Respekt: "Ohne den engagierten, beharrlichen und kreativen Einsatz des Fördervereins wäre dieses Vorhaben nicht möglich gewesen." Zugleich macht er aber deutlich, dass für eine Innensanierung für die Kirchenverwaltung "innerhalb ihrer Amtsperiode weder eine Notwendigkeit, noch finanzielle Möglichkeiten und personelle Kapazitäten" bestehen. "Ob und wann eine Innensanierung erfolgt, obliegt damit der nächsten Kirchenverwaltung. Die aktuelle Kirchenverwaltung würde es begrüßen, wenn sich der Förderverein nicht auflöst", betont Schmid. "Aus dieser Empfehlung darf aber aus unserer Sicht keine Erwartungshaltung an die nächste Kirchenverwaltung erwachsen."

Diese Erwartungshaltung sei inzwischen gering, gesteht stellvertretender Fördervereinsvorsitzender Falk Knies. Der Verein habe mit der Kirchenverwaltung kämpfen müssen, damit die Standsicherheit des Kirchleins wieder hergestellt werden konnte. "Wir könnten mit der Sanierung innen weiter machen." Dies sei offenbar derzeit nicht gewollt. "Wir haben im Verein alle ein gewisses Lebensalter erreicht. Da fällt es schwer, auf die nächste Kirchenverwaltung in vier Jahren zu warten." Aber es sei nun mal so, "dass einer, der beschenkt werden soll, auch damit einverstanden sein muss, wenn er beschenkt wird", so der langjährige Notar.

Rettung reicht

Der gesamte Vorstand sei sich einig, dass das Ziel, St. Sebastian zu retten, erreicht sei. "Wir sind dankbar, dass wir mit rund 175.000 Euro etwa ein Viertel der Gesamtkosten von 695.330 Euro aufbringen und so die Kirchenstiftung St. Josef entlasten konnten." Die nicht verbrauchten Spenden von rund 40.000 Euro, so Knies, gingen nun an die Kirchenstiftung St. Josef, allerdings mit der strengen Auflage, dass sie nur für St. Sebastian verwandt werden dürften. "Wir haben ja nicht damit gerechnet, dass die Kostenvoranschläge so gut eingehalten werden."

Die Vereinsspitze dankt der Stadt Weiden, dem Landesamt für Denkmalpflege, der Landesstiftung, dem Bezirk und Kirchenpfleger Karl Süß für die Unterstützung und vor allem den vielen Spendern, die das Anliegen mitgetragen und mitfinanziert haben. Die hohe Bereitschaft, den Förderverein seit der Gründung am 24. April 2015 unter die Arme zu greifen, zeige, wie sehr St. Sebastian bei den Weidenern und vielen "Ehemaligen" am Herzen liege", betont Karl Arnold. "Und umso unverständlicher ist es jetzt, dass wir vor der Kirche nun fast immer vor verschlossenen Türen stehen", ergänzt Knies, der damit eine weitere Enttäuschung anführt. "Wir haben als Laien bei diesem Projekt viel Widersprüchliches erlebt."

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