08.10.2018 - 17:02 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Förster trauert um jungen Wald

Früher war es der Manteler Forst, heute nennt man das Gebiet entlang der B 470 Altenstädter Wald. Teile davon sollen für das geplante Industriegebiet West IV gerodet werden. Zum Waldspaziergang hatte der Bund Naturschutz eingeladen.

Förster a.D. Ulrich Keltsch (Dritter von links) führt durch den Wald, der für West IV weichen soll.
von Siegfried BühnerProfil

"Ich will Ihnen heute die Schönheit des Waldes zeigen", sagte Förster a.D. Ulrich Keltsch und begrüßte rund 40 Teilnehmer zur Führung durch das Waldgebiet entlang der Bundesstraße 470. Der Grund für die Führung sei traurig, sagte er. Unter dem Motto "Ein Spaziergang im Erholungs- und Klimawald Weiden West - Vom Wert des Waldes" hatte die Kreisgruppe Neustadt/Waldnaab-Weiden eingeladen. Sprecherin Sonja Schuhmacher begrüßte die Teilnehmer. "Wir wollen, dass dieser Wald in Zeiten des Klimawandels als wichtiger CO2-Speicher nicht zerstört wird."

"Um den Wert des Waldes rüberzubringen" zeigte der ehemalige Förster Besonderheiten, die man als gewöhnlicher Spaziergänger nicht erkennt. Zum Beispiel eine große Torfmoosfläche. Für Keltsch deutet dies auf einen "gut durchfeuchteten Unterboden" hin. Dann lenkte er den Blick auf einen Eichenhain. "Eiche ist mein Lieblingsbaum. Er treibt tiefe Wurzeln und wird dadurch unabhängig vom Niederschlag." Der Weg führte die Gruppe an einer über 100 Jahre alten Fichte vorbei. "Die wächst auf gutem Boden, der von der Schweinnaab versorgt wird."

Lange bleibt die Gruppe an einem Ameisenhügel stehen. Es wurde erklärt, dass die kleine Rote Waldameise mit mehreren Königinnen dort lebe. Keltsch kennt sich aus im Wald, schließlich war er als Förster zwölf Jahre lang für dieses Gebiet zuständig. Er erzählt, dass in den letzten Kriegs- und Nachkriegszeiten viele Noteinschläge stattgefunden hätten. "Das Holz wurde bis nach Nürnberg transportiert." Der Boden hätte diese Eingriffe "übel genommen". Doch die häufigste Baumart, die Kiefer, vertrage auch magere Böden. Viel sei hier in diesem Staatswald gemacht worden, berichtete Keltsch. Ursprünglich sei hier ein "schlechter Kieferunterforst" vorhanden gewesen. Jetzt wachse ein junger Mischwald heran. Gezeigt wurden auch die Roteichen, die aus Amerika kommen und im Herbst weithin sichtbar sind. Aber im Wald müsste man in Baumgenerationen denken. Auch abgestorbene Bäume würden ihren Wert als Rückzugsgebiet für viele Tierarten besitzen, stellte Keltsch fest. Er zeigte auch Höhlenbäume, die der Specht angelegt hat.

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