06.02.2019 - 09:22 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Forscherschmiede wächst und wächst

Gymnasien verändern sich, auch das Kepler-Gymnasium in Weiden. Immer mehr setzen die Pädagogen auf Praxisorientierung, Kreativität der Schüler und die Zusammenarbeit mit der örtlichen Wirtschaft.

Physiklehrer Jürgen Heiß bewundert die automatische Farbsortieranlage.
von Siegfried BühnerProfil

Was vor einem Jahr begonnen wurde, hat sich jetzt zum Erfolgsmodell entwickelt. Rund 150 Schüler, fast doppelt so viele wie zu Beginn, arbeiten derzeit am Kepler-Gymnasium in der Schülerforschungswerkstatt. Zehn Partner aus Wirtschaft und Hochschule fördern und unterstützen die Einrichtung. Einen einjährigen Geburtstag wollten Schulleitung und Lehrerkollegium zwar nicht feiern, doch an einem Schülerforschungswerkstatt-Tag wurde erste Bilanz gezogen. Im Mittelpunkt standen dabei nicht nur eine immer länger werdende Liste aktueller Forschungsprojekte, sondern auch grundsätzliche Fragen der Pädagogik und der Schulpolitik.

„In der Forschungswerkstatt können die Schüler sich frei entfalten und ihre Kreativität entwickeln“, sagte Schulleiterin Sigrid Bloch. Ohne Zeitdruck und ohne Lehrplan können Schüler dort ihren eigenen Interessen folgen und Begabungen entfalten. „Wir sind immer wieder überrascht von dem Potenzial, das die jungen Menschen selbstständig entwickeln“, sagte Bloch. „Individuelle Orientierung an der einzelnen Schülerpersönlichkeit“ spielt für Physiklehrer Jürgen Heiß dabei eine wichtige Rolle. Und sein Kollege Johann Schärtl sieht vor allem das Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten der Schüler gestärkt.

Neben den neuen kreativen Freiräumen für Schüler ist mit der Schülerwerkstatt auch die Öffnung des Gymnasiums für Wirtschaft und Wissenschaft verbunden. Während noch vor wenigen Jahrzehnten die Gymnasien sich weitestgehend auf ihren pädagogischen Auftrag beschränkten, gibt es heute eine Hinwendung zu Wirtschaft und Berufswelt. Dazu beigetragen hat laut Schärtl die zunehmende Zahl der Abiturienten, für die nicht ausschließlich ein Studium in Betracht komme. „Die Wirtschaft bewegt sich immer mehr auf uns zu“, bestätigt Bloch und bietet dafür auch „offene Türen“. Praktika, Firmenworkshops und Führungen und Arbeitsgemeinschaften werden von den Unternehmen angeboten. Allerdings wünscht sich die Schulleiterin, dass die Betriebe mit ihren Angeboten für Schüler stärker auf „angehende Abiturienten“ eingehen sollten.

Zum Informationstag der Schülerforschungswerkstatt waren auch Schüler der Clausnitzerschule in Weiden eingeladen. Physiklehrer Heiß und seine Kollegin Verena Hauke zeigten Beispiele der aktuellen Forschungsarbeiten. Dazu zählen Fahrzeuge, die Hindernisse erkennen, eine automatische Farbensortieranlage oder auch das Programmieren von Roboterarmen. Es geht um „Mathe-Olympiaden“, um die mikroskopische Untersuchung von Farben und sogar um einen „Mini-Bauernhof einschließlich dem Bau von Hochbeeten“. Im der Automationswerkstatt ist derzeit das neue Seifenkisten-Modell für das diesjährige Seifenkistenrennen im Bau. Es soll eine Carbon-Karosserie und „viel neue Elektronik“ erhalten. Daniel Scharl aus der 11. Klasse forscht derzeit an dem „Omega-Gleiter“, einem Modell-Segelflugzeug, das bis auf eine Höhe von 45 Kilometer fliegen kann. Dafür war er auch für eine Woche am Schulforschungszentrum der Universität Erlangen. Noch sei der Antrieb geheim, doch ein Prototyp soll baldmöglichst auch getestet werden. Längst ist Daniel auch beim Wettbewerb „Jugend forscht angemeldet. Mit „Roboter Pepper“ sowie dem „Running-Snail-Team“ gibt es auch eine enge Kooperation mit der OTH Amberg-Weiden.

Die Erfolge der Schülerforschungswerkstatt haben sich unter den Gymnasien herumgesprochen. Schulleiterin Bloch führt dies auf das besondere Engagement ihrer Lehrerschaft zurück. Es gelinge auch immer besser, Mädchen für Technik zu begeistern.

Im Bau ist die neue Version der Seifenkiste für das nächste Rennen.
Viele Mädchen begeistern sich für die Technik in der Schülerforschungswerkstatt des Kepler-Gymnasiums. Ganz vorne ein autonom fahrendes Fahrzeug. Es fällt nicht vom Tisch.
Robotertechnik in verschiedenster Form, alles selbstständig von den Schülern programmiert.
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