FOS/BOS gewinnt vor 7000 Zuschauern das Seifenkistenrennen in Weiden

Weiden in der Oberpfalz
24.07.2022 - 21:06 Uhr

Das Seifenkistenrennen in Weiden war ein voller Erfolg. 7000 Zuschauer standen an der Bande, während 47 Teams mit ihren – meist selbstgebauten Kisten – über die Strecke sausten. Dass das nicht ungefährlich ist, zeigten mehrere Unfälle.

Wenn es etwas gibt, das Nico Erhardt genauso sehr am Herzen liegt, wie das „Weiden-ist-bunt“-Projekt, dann ist es das Seifenkistenrennen, das er seit Jahren gemeinsam mit Florian Graf und Julia Zimmermann im Auftrag des Stadtjugendrings organisiert. Sieger wurden am Sonntag "Die Olchis" von der FOS/BOS mit ihrem "Müllmobil" und Bernhard Planner als Pilot.

„Wir haben diesmal von den 47 Teams im Starterfeld ein Drittel an Neuen dabei." Kurzentschlossen wollten in den letzten Tagen noch drei weitere Mannschaften mitmachen, die aber aus logistischen Gründen abgelehnt werden mussten.

Das Herzklopfen der Fahrer beginnt meist oben an der Startrampe. Und dauert solange, bis das Holzbrett, das die Fahrzeuge sichert, auf den Boden knallt und die Seifenkiste sich über ein Gefälle von 14 Prozent in Richtung Rennpiste in Bewegung setzt. Das ist der Augenblick, in dem das Adrenalin blitzartig steigt.

Die Seifenkisten hoch zur Rampe zu schieben, ist bei diesen hohen Temperaturen Schwerstarbeit. "Wir schaffen das aber schon". betont Fabian Graf und zeigt auf seine Muskeln, die er im Fitnessstudio trainiert: "Ich bin ja auch Eishockeyspieler."

Viele der Kistenlenker haben jedoch bereits oben beim Start schon Probleme. Dort ist es sehr steil, und dann kommt auch gleich die erste Kurve. Fahrer wie der des "DGB-Kistl", das mit Doppelachsbruch von der Rennstrecke entfernt werden muss, können ein Lied davon singen: Sein Gefährt muss in der Boxenstraße wieder zusammengeflickt werden, wird danach aber zurück auf die Strecke geschickt.

Unfall geht glimpflich aus

Noch gefährlicher ist die "Todeskurve", wenige Meter weiter, unterhalb des Towers. Hier können die meisten Unfälle passieren, weil die Rechtskurve von den Fahrern oft unterschätzt wird. So geht es auch der Fahrerin des "Weiden-ist-bunt"-Teams, die ihre "Schwarze Biene" überlenkt und mit ihr gegen die Reifen prallt.

Der Unfall geht jedoch glimpflich aus. Erstversorgung und Abtransport der Pilotin mit Prellungen ins Klinikum verzögern das weitere Rennen und auch die Siegerehrung um 45 Minuten.

Die Weidener Polizei lässt die Strafzettel an diesem Tag beim Seifenkistenrennen stecken: Schließlich fährt sie selber mit. "Bei uns werden die Verkehrsregeln mit Sicherheit eingehalten", lacht Carina Kaiser von der Polizeiinspektion, die am Ende auf Platz drei landet. Dies gelingt ihr ohne Blaulicht und Sirene – und ohne Angstschrei. "Schnelligkeit liegt uns einfach."

Wie oft sie für das Rennen trainiert hat? "Soll ich ehrlich sein? Kein einziges Mal. "Jahrzehntealt sei die "Kiste", erklärt ihr Kollege Thomas Hupfauf. "Kommt aus Waldsassen und nur beim Weidener Seifenkistenrennen zum Einsatz."

Für die kreativste Seifenkiste wird die "Schabernakl Crew" mit ihrem "Adventsfranz" ausgezeichnet. Den Pokal bekommt Franziska Glaser. "Das Grundgerüst war da. Alles andere wurde fleißig gebaut." Dauer der Schrauberei: vier Wochenenden. Das Ergebnis ist ein Nikolausschlitten, der es sogar schneien lassen kann.

Oberbürgermeister Jens Meyer spricht von einem großartigen Event. Viele der Vereine und Verbände hätten schon eine Woche zuvor das Kinderbürgerfest mitgestaltet.

Mit 4000 Autoreifen Strecke präpariert

Die Vorbereitungen für das Rennen laufen seit einem halben Jahr, erläutert Nico Erhardt. "Die heiße Phase läuft seit zwei Wochen. Gestern haben wir von 14.30 bis 22 Uhr mit 4000 Autoreifen die Strecke präpariert." Geholfen hätten ihm 25 Jugendliche vom Jugendzentrum (JuZ): "Ist der Wahnsinn, was die leisten."

Auch die Anwohner im Weidener Osten spielten alle mit, würden die Unannehmlichkeiten und Verkehrsbehinderungen billigend in Kauf nehmen: "Wir haben ein Superverhältnis."

Stadtjugendpfleger Ewald Zenger spricht von einem großen Geschenk. Seit 7 Uhr früh sei das Orga-Team schon wieder auf den Beinen. "Ich persönlich hab so ein große Freude daran, wenn erst die Bundeswehr die Strecke runterfährt, dann die Polizei und hinterher meinetwegen die sozialistische Jugend."

Jeder gönne dem anderen den Erfolg. Alle feuerten sich gegenseitig an. "Man hilft sich aus, wenn ein Werkzeug fehlt. Man fiebert miteinander. Das ist für mich der Inbegriff einer bunten Gesellschaft."

Hintergrund:

Die Sieger

  • Die fünf schnellsten Teams:
    1. "Die Olchis" (FOS/BOS Weiden),
    "Müllmobil", Fahrer Bernhard Planner/Max Litau; 23.13 Sekunden
    2. "d´Spitzboum", "Pfitscherpfaal 2.0", Norbert Kick/Thomas Wild;
    23.18 Sekunden
    3. Polizei Weiden, "Streifenkiste", Corina Kaiser; 23.27 Sekunden
    4. "Broken Head", "Bone Crusher", Jonas Baunoch/Stefan Mädl;
    23.74 Sekunden
    5. "Games Café", "Rosa Einhorn IV", Wolfgang Kraus/Tobias Stadler; 23.99 Sekunden
  • Sieger der Herzen:
    finofamilia Jugendhilfe mit der Kiste "Grashüpfer"
  • Schönste Boxengasse:
    "Schabernackl Crew" mit der Kiste "Adventsfranz"
  • Kreativste Seifenkiste: 1. "Schabernackl Crew" mit "Adventsfranz", 2. finofamilia Jugendhilfe mit "Grashüpfer",
    3. "Lucky Lukis" mit "U-Wa-Tüt",
    4. "d´Spitzboum" mit "Pfitscherpfaal 2.0", 5. FOS/BOS Weiden mit "Müllmobil", 6. Jugendtreff PlanB mit "Katzenbus"
 
 

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.