20.11.2019 - 11:48 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Für "Van Holzen" regnet es Applaus in der "Sünde"

Während die deutsche Nationalelf Nordirland abfertigt, punktet in der "Sünde" die U21 des deutschen Alternative-Rock. Das Trio "Van Holzen" glänzt mit herzerfrischender Offensive.

von Ralph Gammanick Kontakt Profil

An Special Effects haben sie offenbar nicht gespart. Respekt! Wie auf Kommando plätschert auf dem Weg zur "Sünde" der Regen. Im Live-Club selbst prasselt's dann akustisch aus den Boxen - als Intro zu "Regen", dem Titelstück von "Van Holzens" aktuellem Album. Es könnte ja alles so trist sein bei diesen drei jungen Herren mit schwarzen T-Shirts und dunklen Texten. Stattdessen entfachen sie am Dienstagabend akustische Herbststürme, die sich mehr und mehr zum heftigen, reinigenden Donnerwetter steigern. Doch am Horizont blitzt immer wieder kurz ein Regenbogen auf.

So hart, so düster - und so wahnsinnig nett: Sänger/Gitarrist Florian Kiesling bedankt sich überschwänglich, dass diesmal "ein bisschen mehr" Leute in die "Sünde" gekommen sind als bei "Van Holzens" Weiden-Premiere vor zwei Jahren. Damals waren es etwa 50, diesmal sind es vielleicht 70. Kiesling erzählt ihnen von den vielen Stunden, die seine Combo seitdem im Proberaum und im Studio zugebracht hat. Nun seien sie endlich zurück auf den Bühne. "Und wir genießen wirklich jede Sekunde."

Das darf man ihnen getrost abnehmen. "Van Holzen" beginnen mit überwiegend neuen Liedern, die mit vergleichsweise gedrosseltem Tempo und einfachen Strukturen daherkommen - sowas wie die reifen "Tocotronic" auf Hardrock. Und wenn Daniel Kotitschke monoton treibende Drum-Computer-Beats simuliert, wirkt es fast wie Electro-Pop mit anderen Mitteln. Spätestens mit dem Hardcore von "Herr der Welt", dem Über-Song ihres Debütalbums, lösen sie die Bremsen. Auf und vor der Bühne (wo eine Gruppe tanzender Fans jede Textzeile mitsingt) gibt es kein Halten mehr. Kotitschke drischt wie ein Wahnsinniger in die Felle, Bassist ‎Jonas Schramm wird zum Dauer-Headbanger, und Kiesling übt sich in klassisch breitbeinigen Rock-Posen.

Weniger klassisch sind manche Themen, die "Van Holzen" mutig in ihren Texten verarbeiten. Zum Beispiel die Furcht von Heranwachsenden, dass für sie kein Platz in der Gesellschaft sein könnte. Nach ihrem Abitur vor zwei Jahren hätten sie den Druck gespürt, sich für einen Lebensweg entscheiden zu müssen, berichtet Jonas Kiesling freimütig. Sie hätten sich dann erstmal aufs Musikmachen konzentriert. Das Lied "Alle meine Freunde", eines der stärksten des neuen Albums, sei eine Reaktion auf diesen Druck. Textauszug: "Ich und meine Freunde haben Angst,/weil jeder von uns alles haben kann./Ich glaube nicht daran."

Als Zugabe servieren sie leckeren "Honig", einen Riff-Rocker von der ersten EP, und es kommt zu einer "Sünde"-Premiere: Einer aus der ersten Reihe lässt sich zum Crowd-Surfing hinreißen, was in Ermangelung einer flächendeckenden Crowd ein ebenso waghalsiges wie wackeliges Unterfangen ist. Überraschenderweise geht es gut. Am Ende dringt nochmals Plätschern aus den Lautsprechern, und selig lächelnde Musiker umtost warmer Applaus. Draußen wartet die Ruhe nach dem Sturm. Der Regen hat aufgehört.

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