11.01.2021 - 16:27 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Für Weidener Bürger gilt: Finger weg vom Streusalz

So ein Sturz auf eisglatten Wegen kann böse Folgen haben. Deshalb sind die Bürger verpflichtet, Gehwege schnee- und eisfrei zu halten. Das ist bekannt. Was offenbar aber nicht allen bekannt ist: Nicht jedes Mittel ist in Weiden erlaubt.

Mühsam, aber entsprechend der Vorschriften hält diese Bürgerin ihren Gehweg frei: Der Schnee auf Weidener Bürgersteigen darf nach den Vorgaben der Stadt zum Beispiel mit dem Schneebesen oder dem Schneeschieber erfolgen. Nicht erlaubt ist dagegen der Einsatz von Streusalz.
von Jutta Porsche Kontakt Profil

Es sei immer wieder mal zu beobachten, dass die Bürger reines Salz auf den Gehweg streuen. Doch genau das sei verboten, erklärt Marc Badhorn. Der Sachgebietsleiter Straßenunterhalt und Winterdienst am Weidener Bauhof ist seit 20 Jahren in diesem Bereich tätig, mit der Materie also bestens vertraut. Dabei differenziert er genau: "Was der Bürger auf seinem privaten Grund verwendet, bleibt ihm überlassen. Wir geben nur vor, was auf öffentlichen Flächen eingesetzt werden darf." Pures Streusalz ist in Weiden tabu. Nur bei starken Steigungen und bei Glatteis infolge gefrierenden Regens sind Ausnahmen vorgesehen. "In diesen Fällen ist die Verwendung einer Mischung von höchstens 25 Prozent Auftausalz mit abstumpfenden Mitteln zulässig", sagt Badhorn. Anlieger sind in der Regel für den Winterdienst auf den angrenzenden Gehwegen zuständig. Falls kein Gehweg vorhanden ist, müssen sie einen Streifen von einem Meter Breite neben ihrem Grundstück schnee- und eisfrei halten.

Umwelt- und Tierschutz

Warum Streusalz quasi auf der "roten Liste" steht, ist laut Badhorn unter anderem auf Natur- und Tierschutzgründe zurückzuführen. "Salz ist zwar ein natürliches Mittel. Aber es reichert im Boden den Salzgehalt an." Das wirkt sich negativ auf Bäume und Sträucher aus, die im Stadtbild eigentlich für Grün sorgen sollen. "Der Regen wäscht das Salz in den Boden ein, und das ist für Pflanzen schädlich." Trotzdem halten sich nicht alle Bürger an die städtischen Vorgaben. Neben Nachbarn würden sich vor allem Hundebesitzer über "schwarze Schafe" beklagen. "Wer einen Hund hat, der weiß, dass die Pfoten wund werden können, wenn das Tier über Streusalz gelaufen ist." Nicht zuletzt entstünde der Stadt auf Dauer ein Schaden. Denn das Streusalz greife Betonpflaster und -fugen an.

Sehr alte Bürger würden manchmal noch Asche verwenden, um ihrer Sicherungspflicht nachzukommen. Doch auch das ist laut Badhorn verboten. Nicht nur, weil sich so eine Dreckschicht auf dem Gehweg bildet, sondern auch, weil sich in der Asche womöglich Schadstoffe befinden könnten. Erlaubt sei nur abgestumpftes Material, wie die Fachleute sagen. "Wir empfehlen Splitt, Sand oder Blähton." Die seien auch in einigen Supermärkten erhältlich, erklärt der Experte. Denn angesichts der wegen der Corona-Pandemie geschlossenen Baumärkte hatte er bereits einige Anfragen von Bürgern, die nicht wussten, wo sie entsprechende Materialien erhalten können.

Verstöße auch von Profis

Selbst unter Profis gibt es nach den Erfahrungen von Badhorn das ein oder andere "schwarze Schaf". Gemeint sind Hausmeisterdienste. Die würden seit einigen Jahren verstärkt mit dem Winterdienst beauftragt, zum Teil weil die Hauseigentümer inzwischen im Seniorenheim leben. Aber auch Ehepaare, bei denen beide Partner berufstätig sind, nutzten den Service inzwischen häufiger. "Mancher Hausmeisterdienst hat schon reines Streusalz ausgebracht." Wie in allen Fällen informiere die Stadt hier den Hauseigentümer, der die Beanstandung an die Firma oder an die Mieter weitergeben müsse, die er mit dem Winterdienst beauftragt habe. "Wir schreiben die Betroffenen sehr freundlich an, mit der Bitte, das in Zukunft zu unterlassen." Im Wiederholungsfall drohe ein Ordnungsgeld. Doch bisher sei das nicht nötig gewesen. Die Bürger zeigten sich einsichtig.

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Die Stadt selbst verwendet für den Winterdienst auf öffentlichen Geh- und Radwegen, für die sie zuständig ist, nur Splitt. Ausnahmen sind auch hier steile Geländestücke oder Eisglätte. Auf den Straßen kommt Feuchtsalz zum Einsatz, seit drei Jahren auch reine Solesprühtechnik. Badhorn: "Damit lässt sich rund 30 Prozent Salz einsparen. Die Streumenge kann sehr gezielt berechnet werden." Rund 350 Tonnen Salz habe die Stadt in dieser Wintersaison bisher verbraucht. "Ein normaler Winter", urteilt Badhorn. Vor allem in den Höhenlagen, wie zum Beispiel Muglhof, seien Einsätze nötig gewesen.

Übrigens: Winterdienst und Räumpflicht regelt jede Kommune für sich. Deshalb gibt es auch im Landkreis Neustadt/WN keine einheitliche Regelung.

Hintergrund:

Räumpflicht in Weiden

  • Werktags gilt in Weiden eine Räum- und Streupflicht von 7 bis 20 Uhr, an Sonn- und Feiertagen von 8 bis 20 Uhr. Das heißt, der Winterdienst muss werktags bis 7 Uhr und sonntags bis 8 Uhr erstmals durchgeführt worden sein. Falls es tagsüber weiterhin schneit, sind diese Arbeiten nach dem Ende des Schneefalls zu wiederholen.
  • Anlieger sind zuständig für den Winterdienst auf Gehwegen bzw. kombinierten Geh- und Radwegen entlang ihres Grundstückes. Falls kein Bürgersteig vorhanden ist, muss ein mindestens ein Meter breiter Streifen entlang des Grundstücks freigehalten werden.
  • Dabei sind die geräumten Schnee- und Eisreste so neben der Fahrbahn zu lagern, dass der Verkehr nicht behindert wird.
  • Abflussrinnen, Hydranten, Kanaleinlaufschächte und Fußgängerüberwege sind freizuhalten.
  • Anlieger an Stichstraßen sowie Vorder- und Hinterlieger haben gemeinsam die genannten Arbeiten durchzuführen.
  • Die Straßenreinigungsverordnung findet sich auch im Internet auf der Homepage der Stadt Weiden unter www.weiden.de
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