13.11.2018 - 15:35 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Fußgängerzone in Weiden feiert Geburtstag

65-jähriges Bestehen feiert Deutschlands älteste Fußgängerzone - die Treppenstraße in Kassel - in diesem November. Ganz so alt ist die Fußgängerzone in Weiden zwar nicht. Dafür hat sie eine bewegte Geschichte.

von Jutta Porsche Kontakt Profil

Offiziell eröffnet wurde die Weidener Fußgängerzone mit einem Fest für alle Bürger am 24. November 1984 - also vor 34 Jahren. Die Idee zur Altstadtumgestaltung reicht allerdings über zehn Jahre weiter zurück. Bereits 1972 beauftragte die Stadt Weiden das Institut für Städtebau, Landesplanung und Raumordnung an der TU München mit Untersuchungen zur Sanierung der Altstadt und zur Stadtentwicklung. Oberbürgermeister war damals Hans Bauer (SPD).

Bis zur Realisation der Fußgängerzone sollten etliche Jahre ins Land ziehen. Umgesetzt wurde die Idee in mehreren Etappen: Oberer und Unterer Markt wurden zunächst als verkehrsberuhigter Bereich ausgewiesen, die nördlichen Altstadtgassen dagegen als Fußgängerbereich. Im November 1984 erfolgte dann die Ausweisung der Altstadt als reiner Fußgängerbereich, so dass nur noch Lieferanten während festgelegter Zeiten und Anlieger mit Ausnahmegenehmigungen Weidens "gute Stube" befahren durften. Bauers Nachfolger, Oberbürgermeister Hans Schröpf (CSU), feierte dieses Ereignis im Herbst 1984 mit den Weidener Bürgern.

"Dieses Projekt hat die Bürger in den letzten Jahren am nachhaltigsten beschäftigt", zitiert "Der neue Tag" das damalige Stadtoberhaupt im Bericht über die Eröffnungsfeier. Noch nie habe er so viele Zuschriften und gute Ratschläge erhalten, so Schröpf. Dabei sei es während der Planung und Umsetzung manchmal sehr stürmisch zugegangen. Denn sowohl für Stadträte als auch für Geschäftsführer, Autofahrer und Fußgänger galt: Jeder hatte eine andere Meinung.

Im Jahr darauf, also 1985, sollten dann die südlichen Seitenstraßen in die Fußgängerzone mit einbezogen werden. Doch auch damit war das Ende der Umgestaltung in der Innenstadt noch nicht erreicht. Im Mai 1987 brachte die SPD die Forderung auf, die Max-Reger-Straße ebenfalls zur Fußgängerzone umzuwandeln. Wieder sollten etliche Jahre ins Land ziehen bis diese Idee Wirklichkeit wurde. Am 8. Mai 1995 war es so weit.

Und der Wandel hat kein Ende. Mit dem Wegfall von Karstadt vor zehn Jahren verlor die Einkaufsstadt Weiden einen wichtigen Magneten, der die Attraktivität der Innenstadt entscheidend mit prägte. Nach langen Jahren des Leerstands ist die Lösung dieses Problems nun in greifbare Nähe gerückt: durch das neue Nordoberpfalz-Center (NOC). Die Eröffnung ist für März 2019 vorgesehen. Damit dürfte die Weidener City einen neuen Attraktivitätsschub erhalten. Ein wichtiger Aspekt im digitalen Zeitalter, in dem immer mehr Händler die Konkurrenz durch das Internet hautnah zu spüren bekommen.

Auch eine veränderte Verkehrsführung in der Luitpoldstraße ist mit der Eröffnung des NOC verbunden. Notwendig geworden ist dies durch das neue zum Einkaufscenter gehörige Parkhaus.

Aktuell lässt sich die Weidener Fußgängerzone in drei Schwerpunktbereiche gliedern: 1. Der Untere Markt, dominiert von Gastronomie und mit dem Bekleidungshaus Wöhrl als Einkaufsmagneten. 2. Der Obere Markt und die Seitengassen mit vielen inhabergeführten Geschäften. 3. Die Max-Reger-Straße mit vorwiegend Filialisten bekannter Handelsketten, die in zahlreichen Städten zu finden sind. Neu hinzu kommt im Frühjahr das NOC mit einem Branchenmix, den die Betreiber bisher noch nicht bekannt gegeben haben und von dem sich nicht nur die Stadträte neue Akzente im Einzelhandel erhoffen.

Einzelhandelssprecher haben trotz großem Lob noch einige Wünsche:

Beide haben ihr Geschäft in der Altstadt, beide stehen an der Spitze des Weidener Einzelhandelsverbandes und beide bewerten die Fußgängerzone äußerst positiv. Trotzdem hätten Tobias Sonna und Stefan Gruhle einige Verbesserungswünsche.

Als sehr positive Entscheidung des damaligen Stadtrates wertet Tobias Sonna, Vorsitzender des Einzelhandesverbandes, die Entscheidung für die Einrichtung einer Fußgängerzone. „Das Ganze war ja umstritten“, erinnert er. Doch die Umgestaltung habe eindeutig Verbesserungen gebracht und jetzt lade die Fußgängerzone zum Verweilen ein. Einige Kritikpunkte müsse er trotzdem anmerken: Für Ältere, für Menschen mit Handicap und für Damen mit modischem Schuhwerk sei das Pflaster schon „sehr holprig“. Zumindest ein Streifen mit flacherem Pflaster sollte ihnen den Weg durch die Fußgängerzone erleichtern.

Um die Verweildauer der Menschen in der FuZo zu erhöhen, würde er sich mehr Bänke und Fahrradabstellplätze wünschen. Schön wäre auch ein Lounge-Bereich mit Wlan wie in anderen Städten, wo Passanten ihre Handys aufladen können. Ansonsten betont Sonna: „Wenn ich einen Standort für ein neues Geschäft suchen würde, würde ich für mein Sortiment auf jeden Fall wieder diese Lage wählen.“

„Eindeutig positiv im Vergleich zu früher.“ So fällt auch die Bewertung von Stefan Gruhle, stellvertretender Vorsitzender des Einzelhandelsverbandes, aus. Er ist der Ansicht, dass sich Geschäfte wie Eisen-Knorr oder Lebensmittelmärkte auch ohne den Umbau zur Fußgängerzone auf Dauer nicht in der Innenstadt gehalten hätten. „Für eine Waschmaschine brauche ich ausreichend Ladefläche und muss das Geschäft gut anfahren können.“ Dafür hätten sich kleinere Geschäfte und vor allem am Unteren Markt viel Gastronomie angesiedelt. „Das wäre mit Durchgangsverkehr nicht vorstellbar.“ Parktechnisch wäre es in der Altstadt zwar schwierig, weil manche Kunden die Allee-Tiefgarage nicht gerne nutzen würden. „Aber Parken vor dem Alten Rathaus, das würde heute auch nicht mehr funktionieren.“ In diesem Jahr hätten vor allem die vielen Baustellen in der Innenstadt für Behinderungen gesorgt. Wichtig sei es jetzt noch, eine gute Lösung für die Anbindung des NOC-Parkhauses an die Sedanstraße zu finden. „Wenn dann noch das neue Parkleitsystem kommt, sind wir glücklich.“

Fußgängerzone: Perfekte Bühne:

Die Weidener Altstadt ohne Fußgängerzone? Für Andrea Schild-Janker, Geschäftsführerin von Stadtmarketing Weiden, wäre das ein Alptraum. Warum? „Weil die Fußgängerzone eine hervorragende Bühne für unsere Veranstaltungen, wie beispielsweise ,Weiden träumt’, ist.“ Ohne diesen (fast) verkehrsfreien Bereich wären die Aktionen des Marketing-Vereins wesentlich schwieriger durchzuführen. Unabhängig davon ist Schild-Janker aber auch vom täglichen Nutzen der Fußgängerzone für die Bürger überzeugt: „Sie wertet das gesamte Stadtbild auf. Kaffeetrinken am Unteren Markt wäre zum Beispiel mit Autoverkehr weit weniger schön.“ Überhaupt sollten alle Bürger dankbar sein für die FuZo: „Sie erhöht die Lebensqualität. Es gibt weniger Lärm und mehr Zeit für Begegnung.“ Dank Großparkplatz, Parkdecks und Tiefgarage sei die Fußgängerzone auch gut zu Fuß erreichbar.

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