Weiden in der Oberpfalz
07.03.2022 - 15:28 Uhr
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Gas, Heizöl und Sprit immer teurer: Tankstellenchefs für Steuersenkungen

Wie geht es mit den Energiepreisen weiter? In Weiden und dem Landkreis Neustadt will niemand eine Vorhersage wagen. Tankstellenbetreiber schlagen einen Ausweg aus der Preisspirale vor – sie sehen die Politik am Zug.

Die Spritpreise schießen in ganz Deutschland in die Höhe – auch in Weiden, wie hier an der Esso-Tankstelle in der Friedrich-Ebert-Straße. Bild: Gabi Schönberger
Die Spritpreise schießen in ganz Deutschland in die Höhe – auch in Weiden, wie hier an der Esso-Tankstelle in der Friedrich-Ebert-Straße.

Auch in der Stadt Weiden sowie im Landkreis Neustadt steigen die Energiepreise – und wie es weitergeht, dass wissen auch die nicht, in deren Händen der Energieversorgung in der Region letztlich liegt. Das geht aus einer Antwort der Stadtwerke Weiden auf eine Anfrage von Oberpfalz-Medien hervor: "Aufgrund der derzeitigen geopolitischen Entwicklung können auch wir keine konkreten Auskünfte zu einigen Fragen erteilen. Es ist eine schwierige Zeit, die sich stündlich ändern kann."

Doch was bedeutet das konkret für die Kunden der Stadtwerke? Zunächst einmal für Bestandskunden keine Preisanstiege über 20 Prozent, erklärt Sprecherin Birgit Voigt: "Im Sondervertrag der Stadtwerke, welchen die große Mehrheit unserer Haushaltskunden auch nutzen, liegt die durchschnittliche Veränderung des Arbeitspreises darunter. Der Grundpreis ist gänzlich stabil geblieben."

Die Mengen für Bestandskunden hätten die Stadtwerke bereits in ruhigeren Zeiten für mehrere Jahre hinweg am Markt beschafft. Größere Schwankungen könne es dagegen bei der Ersatz- oder Grundversorgung geben. "Der Hintergrund hierfür ist, dass besonders in diesen Tarifen ein sehr großes Marktrisiko abgebildet werden muss."

Schwankungen für Neukunden

Für Kunden, die beispielsweise nach einer Insolvenz des bisherigen Versorgers auf die Stadtwerke als Grundversorger zurückfallen - hier stehen die Stadtwerke gesetzlich in einer Lieferverpflichtung - muss Gas nachbeschafft werden. Mengen und Preise seien in diesem Fall unmöglich vorherzusehen, erklärt Voigt. Da sich beispielsweise der Gaspreis an der Börse zwischen Sommer und Jahresende 2021 mehr als verdreifacht hatte, seien die Bezugskosten entsprechend hoch. Das trifft dann auch die Neukunden.

Gerhard Bergler, Geschäftsführer bei Bergler Mineralöle und damit sowohl Tankstellenbetreiber als auch An- und Verkäufer von Öl, will ebenfalls keine Voraussagen treffen. "Zu diesen Themen können wir nur spekulieren. Es ist derzeit hochdynamisch."

Eine Öl-Knappheit gebe es trotz des Krieges nicht: "Viele Mineralölgesellschaften stellen aus Protest die Geschäfte mit Russland ein und weitere schließen sich täglich noch an. Wie bei allen politischen Ereignissen steigen die Rohstoffpreise enorm. Wir kaufen zu Tagespreisen ein und verkaufen zu Tagespreisen. Daher steigen auch bei uns die Preise." Das lässt sich auch an Berglers Tankstelle in Vohenstrauß ablesen: In den vergangenen fünf Tagen stiegen die Literpreise dort um 13 Cent für Super, für Diesel sogar um 24 Cent. Am Montagmittag kostete der Liter Benzin 2,079 Euro, Diesel war für 2,039 Euro zu haben. Teilweise verändern sich Preise innerhalb weniger Stunden drastisch.

Wie kommt Deutschland, wie kommt Europa aus diesen Preissprüngen wieder heraus? Mittelfristig könne es nur einen Weg geben, sagt Bergler: E-Fuels, also synthetische Kraftstoffe. "Je eher E-Fuels nun eingeführt werden in Deutschland, desto eher könnten wir uns von fossilen Importen aus Schurkenstaaten unabhängiger machen. Das wäre menschenrechtlich und aus Umweltschutzgründen noch dringender."

Das sei aber nicht von heute auf morgen zu machen. "Die nächsten 15 Jahre werden wir noch signifikant fossile Energieträger benötigen. Das ist Fakt."

"Politik könnte viel machen"

Eine kurzfristige Lösung sieht Peter Dobner, Geschäftsführer des Autohauses Dobner in Vohenstrauß mit dazugehöriger Tankstelle: "Der schnellste Weg wäre der, dass man an die Steuern ran geht." Möglich wäre beispielsweise die Rücknahme der Öko-Steuer-Reform. "Die Politik könnte da sehr schnell sehr viel machen", sagt Dobner. "Ein Großteil des Spritpreises liegt in den Steuern - deshalb fahren andere Länder auch teils so spürbar günstiger."

Wie die Zukunft aussieht, das könne und wolle auch er nicht vorhersagen. "Wir haben ja nur unsere eine Tankstelle und kaufen bei einem lokalen Zulieferer ein. Wir hängen da genau so dran wie die Kunden."

Bei denen hätten die hohen Spritpreise bereits zu einer spürbaren Veränderung geführt: "Es wird deutlich weniger gefahren. Außerdem tanken die Leute kaum mehr voll - eher in kleineren Liter-Einheiten oder einfach mal für 20 Euro."

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Weiden in der Oberpfalz10.02.2022
Hintergrund:

Deshalb steigen die Energiepreise

  • Krieg in der Ukraine
  • Corona: Nach dem durch COVID-19 bedingten Einbruch der globalen Konjunktur 2020 führte die Erholung der Weltwirtschaft im Folgejahr zu einem unerwartet hohen Energiebedarf – und entsprechend hohen Preisen.
  • Höhere Gebühren: "2022 werden weitere preistreibende Effekte wirksam", sagt Thorsten Storck, Energieexperte bei Verivox. Unter anderem steige die CO2-Abgabe für fossile Brennstoffe ab Januar von 25 auf 30 Euro pro Tonne. Darüber hinaus werden höhere Netzgebühren fällig. Das zwinge fast alle Gasversorger dazu, ihre Preise nach oben anzupassen.
  • Die Märkte: "Die Heizölpreise folgen im Wesentlichen der Entwicklung der internationalen Rohölpreise. Im Zuge der Corona-Pandemie waren diese auf ein historisches Tief gefallen. Aktuell stehen die Heizölpreise höher als vor der Krise", sagt Energieexperte Storck. (Quelle: DW) (jus)
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