22.01.2019 - 12:22 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Gegen „Hakenkreuz und Sowjetstern“

1933 verbieten die Nazis das Bündnis. Die Ideale des "Reichsbanner", die freiheitlich-demokratische Grundordnung Deutschlands zu bewahren, überstehen die Zeit. Und sind heute wieder brandaktuell.

OB Seggewiß eröffnet die Ausstellung
von FSBProfil

Visuellen Politik-Unterricht zu vermitteln, zu politischen Schlussfolgerungen anzuregen und den Wert staatsbürgerlicher Rechte und Pflichten zu vergegenwärtigen sind Ziele der Wanderausstellung „Für Freiheit und Republik – Das Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold im Kampf für die Demokratie 1924 bis 1933“. Damit stellen der Kreisverband der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Weiden-Neustadt-Tirschenreuth und der Kreisverband des Deutschen Gewerkschaftsbundes einen bisher wenig beachteten Aspekt in der Geschichte der Weimarer Republik in den Mittelpunkt.

Zur Ausstellungseröffnung im Foyer des Neuen Rathauses begrüßte OB Kurt Seggewiß besonders MdB Uli Grötsch, die Mitglieder des Landtages Stefan Löw, Roland Magerl und Anna Toman, Ex-MdL Werner Schieder mehrere Stadträte und Raul Vitzthum von der GEW. Danach ging er auf die Gründung und die Entwicklung des Bündnisses „Reichsbanner“ zu einer Zeit ein, in der die Bevölkerung Hunger litt und die erst jüngst mit der TV-Serie „Babylon Berlin“ in aller Munde war. Dieser politische, pazifistische Verband, in dem sich bedeutende Persönlichkeiten der Zeitgeschichte zum Schutz der Weimarer Republik und zum Kampf gegen „Hakenkreuz und Sowjetstern“ engagierten, wurde zwar 1933 verboten, besteht jedoch in veränderter Form bis heute. Der Einsatz seiner Mitglieder galt und gelte dem Ziel, die freiheitlich-demokratische Grundordnung Deutschlands zu bewahren und zu stärken. Heute wachse immer mehr bei den Menschen wieder ein Gefühl der sozialen Ungerechtigkeit, weil die Schere zwischen Arm und Reich immer weiter auseinander klaffe und die politische Mitte zu schwach sei, für einen Ausgleich zu sorgen: eine gefährliche Entwicklung, die auch das Entstehen rechter und linker Gruppierungen fördere. Sich dieser Tatsachen bewusst zu werden, sei vielleicht die Botschaft der Ausstellung.

Kreisvorstand Vitzthum, der die Wanderausstellung der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin gesehen hatte, organisierte, dass sie nach Weiden geholt werden konnte. Hier ist sie nun erstmals in Bayern zu besichtigen. Sie erhelle einen eher unbekannten, dunklen Fleck in der Geschichte. Damals sei aus der Mitte eine große Bewegung entstanden, für die Demokratie zu kämpfen und auch zu sterben. Die Lehre daraus bestehe darin, auch jetzt die Feinde unserer Republik demokratisch und mit friedlichen Mitteln zu stellen.

Auf 30 Stelltafeln werden auf Deutsch und Englisch neben Originaltexten und Bildern die Geschichte und Hintergründe des Bündnisses erklärt und einzelne berühmte Politiker ausführlich vorgestellt: die Vorsitzenden Otto Hörsing und Karl Höltermann, Kurt Schumacher, späterer Parteivorsitzender der SPD und einer der Gründerväter der Bundesrepublik, Carl Ulitzka, Priester und Reichstagsabgeordneter des Zentrums, der erste Bundespräsident Theodor Heuss oder Unterstützerinnen wie die katholische Widerständlerin Christine Teusch, die Frauenrechtlerin Marie-Elisabeth Lüders und die Sozialreformerin Marie Juchacz. Am 11. August 1919 trat die von der Nationalversammlung in Weimar verabschiedete Verfassung mit neuen demokratischen Verhältnissen in Kraft. Doch viele Menschen in Deutschland standen der Demokratie skeptisch gegenüber. Dazu trugen die harten Bedingungen des Versailler Friedensvertrages und die wirtschaftliche Unsicherheit bei. So wuchsen die Unzufriedenheit und der Einfluss völkisch-nationaler Kräfte. Gruppierungen und Parteien aus den extremen rechten und linken politischen Lagern bekämpften die Republik mit Morden, Putsch- und Aufstandsversuchen.

Dagegen organisierten sich Veteranen des Ersten Weltkrieges. Nach den schweren politischen Unruhen 1923 wurde am 22. Februar 1924 in Magdeburg das überparteiliche Bündnis „Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold“ gegründet, in dem sich Mitglieder der SPD, der Zentrumspartei und der Deutschen Demokratischen Partei für die Festigung der Republik und die Achtung der Verfassung engagierten. Bis 1932 entwickelte es sich zu einer Massenorganisation mit bis zu drei Millionen Mitgliedern. Zur Vermittlung seiner politischen Werte wollte das „Reichsbanner“ den öffentlich Raum nicht den Extremen überlassen.

Das Gemeinschaftsgefühl und die Verbundenheit mit der Republik wurde durch Aufmärsche, Kundgebungen, die Herausgabe zweier Zeitungen, durch Werbung bei Alltagsgegenständen und durch das Errichten von Denkmälern für republikanische Politiker demonstriert. Nach den nationalsozialistischen Wahlerfolgen 1930 verstärkte das „Reichsbanner“ seinen Einsatz gegen den verstärkten Straßenterror der SA-Einheiten und schloss sich Ende 1931 mit Gewerkschaften, der SPD und Arbeitersportorganisationen zur „Eisernen Front“ zusammen.

Doch mit der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933 war die Niederlage der Republikaner besiegelt. Schon im März wurde das Bündnis verboten, seine Aktivisten systematisch verfolgt, inhaftiert, ins Exil getrieben oder ermordet. Ungeachtet dieser Bedrohung verbanden sich jedoch Männer des Reichsbanners im Verborgenen zum Widerstand gegen die NS-Diktatur. 1953 wurde es als „Bund aktiver Demokraten“ wiedergegründet.

Die zahlreichen Besucher der Ausstellung, die noch bis zum 8. Februar zu sehen ist, zeigten schon an diesem Abend reges Interesse. In Gesprächen untereinander fasste ein Teilnehmer die Ähnlichkeiten der politischen Lage damals und heute, denen es gegenzusteuern gilt, mit dem Titel eines Songs der Gruppe S.T.S. zusammen: „Es fangt scho wieder a“. Die DGB-Frauen enthüllten dabei ein Banner, für demokratische Werte und ein soziales Europa einzustehen.

Vorstand Vitzthum erläutert den Inhalt der erstmals in Bayern gezeigten Ausstellung.
Mandatsträger und Interessierte bei der Eröffnung
Erste Informationsentnahme
Erste Informationsentnahme
Die DGB-Frauen enthüllen ein Banner.
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