Der arbeitsfreie Sonntag ist kein Thema der Neuzeit. Schon in den 20-er Jahren des letzten Jahrhunderts wurde ein verkaufsoffener Sonntag diskutiert, erklärte Hannes Kreller aus München am Mittwochabend beim „KAB-Kamingespräch“ des Kreisverbandes im Vereinsheim Almrausch. „Am Sonntag wurde schon immer gebohrt.“ Auch 1952 habe man darüber nachgedacht. Jedes Mal nach einem Weltkrieg glaubte man, sieben verkaufsoffene Tage pro Woche der deutschen Wirtschaft schulden zu müssen.
Bereits 1952 habe es in München daraufhin einen Aufstand gegeben. „Es gab einen Sturm der Entrüstung.“ Und heute? Der Druck auf die Geschäfte sei wieder heftig. Eines der wesentlichen Argumente, die ins Feld geworfen würden, sei der Onlinehandel, auf den der Einzelhandel glaube reagieren zu müssen. Alfons Ernstberger warf die Überlegung ein, dass Mehrarbeit krank mache und sich allein deshalb Kranken- und Sozialkassen gegen eine Ausweitung wehren sollten.
Schon vor zwölf Jahren sei eine Allianz für den freien Sonntag auf europäischer Ebene gegründet worden, sagte Kreller. Mit einer Unterschriftenaktion an Ministerpräsident Markus Söder soll jetzt die Bayerische Landesregierung aufgefordert werden, den Schutz des freien Sonntags zu respektieren und sich klar gegen eine Ausweitung der Sonntagsöffnungen zu positionieren.
Auf der Unterschriftenkarte heißt es: „Wir sind über die Ankündigung ihres Wirtschaftsministers, Herrn Aiwanger, die Sonntagsöffnungen auszuweiten und den Sonntagsschutz aufzuweichen, empört und verärgert.“ Verwiesen wurde auf den „Sonntagskontrakt“, den Hubert Aiwanger 2013 unterschrieben habe und in dem er sich als gewähltes Mitglied des Bayerischen Landtags verpflichtete, sich für den Erhalt des gemeinsamen freien Sonntags und die Bewahrung des Ladenschlusses aktiv einzusetzen.
Als ein Risiko für Arbeitnehmer betrachtete Kreller die starke Zunahme von Heimarbeitsplätzen. „Mal sehen, wie sich das weiterentwickelt.“ Jeder könne zwar über seine Arbeitszeit selbst verfügen. „Kann er das aber? Wie groß ist die Drucksituation?“ Die Zukunft des Arbeitsmarkts werde wohl auf eine Ausbeutersituation hinauslaufen.
Während in anderen Bundesländern ein „Wettlauf der Wahnsinnigen“ stattgefunden habe, die Sonntagsarbeit immer mehr in den Vordergrund rückte, hätten die Bayern großes Glück gehabt. Einmal unter Edmund Stoiber, der bei einer Abstimmung durch sein Fernbleiben für eine Pattsituation gesorgt habe. Zum anderen Horst Seehofer, der schon immer dem arbeitsfreien Sonntag die Stange gehalten habe.













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