03.01.2020 - 12:01 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Geigenbauerin Judith Bauer zeigt uns ihre Werkstatt

Ein alter Geldschrank, das Porträt eines Vorfahren im Büro, unzählige Geigen – und dazwischen: Judith Bauer. Die weitgereiste Weidenerin ist Geigenbauerin. Seit einem Jahr betreibt sie eine Werkstatt in der Regensburger Straße.

von Redaktion ONETZProfil

Video: Geigenlehrer Janusz Skutella bei Judith Bauer

Mit 14 Jahren hatte Judith Bauer keine Lust mehr aufs Gymnasium. Inspiriert durch ihren damaligen Geigenlehrer Janusz Skutella, beschloss sie, ein Praktikum in der Werkstatt eines Geigenbauers in Regensburg zu machen. "Ab da war meine Liebe für den Instrumentenbau geweckt", erinnert sie sich. "Die Klänge, das händische feine Arbeiten, das hat mich überzeugt." Das "Kepler" verließ sie dann trotzdem mit Abitur, vor allem, weil es die Eltern so wollten. Doch ab diesem Zeitpunkt habe es nichts mehr gegeben, was sie hielt.

Im Nachtzug Nach Cremona

Noch am Tag ihrer letzten Abiturprüfung setzte sich die damals 19-Jährige in den Nachtzug nach Cremona. Sie wollte Geigenbau in der renommiertesten und geschichtsträchtigsten Stadt dieses Handwerks studieren, an der Scuola Internazionale di Liuteria. Tatsächlich bestand sie den Aufnahmetest. Die folgenden Jahre fünf Jahre verbrachte Judith Bauer in Italien. "Als junge Frau in Italien habe ich mein Leben genossen", erklärt sie. "Auch die italienische Sprache habe ich so schnell gelernt, ich hatte aber auch beste Voraussetzungen: Meine Mutter ist Italienisch-Lehrerin." Vor allem erinnert sie sich an die Architektur und das Lebensgefühl der Stadt. "Man konnte die Inspiration der alten Meister wie Stradivari nachvollziehen" Danach zog es sie an die Werkstätten mehrerer Meister weiter durch Italien und nach Frankreich. Zuletzt hospitierte sie in der Werkstatt von Geigenbauer Christian Bayon in Lissabon.

Die Doktorin der Klänge

Hier eröffnete sie 2002 dann ihr eigenes Studio. Eine "Apotheke für die Seele" nannte eine portugiesische Zeitung ihre kleine Firma in der Rua Rodrigo da Fonseca und ihre Inhaberin Judith Bauer eine "Doktorin der Klänge". Über die folgenden 16 Jahre erarbeitete sie sich einen Ruf in der portugiesischen Szene: Sie kümmerte sich um die Instrumente mehrerer Orchester und Musikschulen, unter anderem des "Orquestra Metropolitana de Lisboa". Für einen Instrumentenneubau nahm sie sich 250 bis 300 Arbeitsstunden Zeit. In Portugal lernte sie 2011, bei einem Fallschirmspringkurs, auch ihren Mann kennen. Er ist selbst beim Militär in Portugal Fallschirmjäger und leitete den Kurs. Mit ihm hat sie heute zwei Kinder.

Zurück in die Heimat

2018, nach 18 Jahren in Portugal und insgesamt 23 im Ausland, entschied sich Judith Bauer mit ihrer Familie, zurück nach Weiden zu ziehen. "Die Entscheidung hat die ganze Familie zusammen getroffen", sagt sie. "Mein Mann pendelt nun zwischen Weiden und Portugal. Er ist so oft wie möglich hier." Als Grund für ihren Entschluss nennt sie die "reale Kälte" in Portugal, verglichen zur metaphorischen Wärme in der Oberpfalz. "Die Fließen, die typisch für Portugal sind, bleiben immer kalt. Ich habe noch nie so viel gefroren wie dort", stellt sie fest. "In Weiden dagegen sind die Menschen offen und freundlich. Da ist einem, auch wenn es kalt ist, warm ums Herz. Zwar haben mich die Menschen in anderen Ländern immer offen und herzlich aufgenommen, aber nach 23 Jahren im Ausland hat das Heimweh doch überhand genommen."

Geigen statt Schmierstoffe

Bauers Kinder waren sofort begeistert von der Idee, näher an ihrer Oma zu wohnen. Sie haben die Großmutter davor nur selten gesehen. In Weiden angekommen, hat Judith Bauers Mutter ihr bei allem tatkräftig geholfen. Auch die Räume ihres Ateliers in den ehemaligen Büroräumen der Schmierstofffabrik Röhrl hat sie Bauer vermittelt. "Die haben mir einen riesigen massiven Stahlschließschrank hinterlassen. Den krieg' ich hier nicht mehr raus, der ist mir zu schwer", meint die Weidenerin. "Jetzt bewahre ich da meine teuersten Stücke auf." Auch sonst ist ihre Werkstatt voller Erinnerungsstücke wie das Zugticket ihrer ersten Fahrt nach Cremona und ein Bild eines ihrer Ahnen aus dem 17. Jahrhundert. "Alles für mich wichtige außer meiner ersten Geige ist hier, die habe ich meinen Eltern geschenkt. Nebenan habe ich einen Raum zum Spielen für die Kinder, wenn sie von der Schule kommen. Ich bin glücklich hier. Als wir hergezogen sind, haben wir uns ein Jahr ,Testphase‘ gegeben. Diese ist nun seit einiger Zeit vorbei, und ich habe es immer noch nicht bereut, zurück zu kommen."

Voller Klang und Stabilität

Kunden kommen inzwischen aus ganz Bayern zu ihr. Auch ihr früherer Geigenlehrer Janusz Skutella gehört zum Kundenstamm. "Ich bin beeindruckt und stolz, was aus meiner Schülerin geworden ist", bestätigt er. "Ich würde keinem anderen mehr meine Instrumente anvertrauen." Und sie arbeitet weiter an ihrem erklärten Ziel. Gegenüber Skutella beschreibt sie es so: "Ihnen als Musiker einen warmen, vollen Klang zu bieten, der dennoch fokussiert und stark genug ist, um Ihnen in jedem musikalischen Kontext Stabilität zu bieten.´"

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