11.09.2019 - 11:15 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Genesungsbegleiter gesucht

Nach Abschluss einer psychiatrischen Behandlung brauchen Patienten weiterhin vielfältige Unterstützung. Ex-In-Genesungsbegleiter könnten helfen, doch in der nördlichen Oberpfalz gibt es solche nicht

Sie werben für die Qualifizierung als Genesungsbegleiter: Sabine Frischholz vom Szialpsychiatrischen Dienst der Caritas (links) und Inge-Anna Bergmann vom Verein "Irren ist menschlich".
von Siegfried BühnerProfil

Im Mittelpunkt des Psychose-Seminars im September stand das Thema Ex-In-Genesungsbegleiter. Die Moderatorinnen Inge-Anna Bergmann und Sabine Frischholz stellten das Tätigkeitsbild von Ex-In (Experience Involvement)-Genesungsbegleitern für Menschen mit akuten oder überstandenen psychischen Krankheiten vor. Mit dabei waren auch zwei Absolventinnen der Qualifizierungsmaßnahme für diese Tätigkeit.

Sonja Irlbacher hat erst kürzlich diese Maßnahme beendet und berichtete aus ihrer Erfahrung. „Um die Ausbildung als Genesungsbegleiterin zu absolvieren, ist es zwingend erforderlich, eigene Krisenerfahrung zu besitzen“, stellte die ehemalige Maßnahmeteilnehmerin grundsätzlich fest. Nur wer selbst eine solche Krankheit erlebt habe, könne sich in die persönliche Situation von Betroffenen hineinversetzen. „Auch für mich persönlich war diese Ausbildung eine große Bereicherung“, sagte Irlbacher. Schließlich diene die Ausbildung auch dazu, sich selbst besser kennen zu lernen. „Und die Maßnahmeteilnehmer haben sich gegenseitig viel Kraft gegeben“, ergänzte sie. Ergänzende Informationen gab es von Eva-Maria Schlicht, die selbst auch die 14-monatige Ausbildung als Genesungsbegleiterin absolviert hat. „Menschen, die aus der Psychiatrie kommen, brauchen vor allem an Feiertagen und an Wochenenden eine Hilfestellung“ sagte sie. Wichtig sei auch: „Genesungsbegleiter arbeiten nicht therapeutisch.“

Hilfe sei weniger in den Kliniken, sondern vor allem im ambulanten Bereich erforderlich. Widerstand gebe es manchmal von Ärzten im ambulanten Bereich, denn: „Die wollen sich nicht reinreden lassen.“ Allerdings hätten niedergelassene Ärzte meist viel zu wenig Zeit für die Patienten. „Genesungsbegleiter arbeiten in der Mitte zwischen den Profis und den Betroffenen“, erläuterte die Ausbildungsabsolventin. Und sie verwies auch darauf, dass es eine von der Krankenkasse bezahlte „ambulante psychische Pflege“ zum Beispiel vom Bezirkskrankenhaus Wöllershof gebe.

Einzelheiten zur Ausbildung für diese Tätigkeit zeigten die beiden Moderatorinnen der Veranstaltung gemeinsam mit Teilnehmerin Irlbacher auf. Innerhalb von 14 Monaten sind 320 Unterrichtsstunden in monatlichen Drei-Tages-Blöcken zu absolvieren. Ein Grundmodul und ein Aufbaumodul werden ergänzt durch zwei Praktika in psychiatrischen Einrichtungen von 40 beziehungsweise 80 Stunden. Finanziert wird die Ausbildung vom Bezirk Oberpfalz. Wer die Maßnahme erfolgreich absolviert hat, erhält ein Zertifikat. Es befähigt zur Anstellung als Genesungsbegleiter bei einer psychiatrischen Einrichtung oder zu eigenen Hilfsaktivitäten für Menschen mit psychischen Problemen. Aufklärung über psychische Erkrankungen und Antistigma-Arbeit sei besonders wichtig. „Es gibt aber keine Verpflichtung für solche Tätigkeiten“, sagte Moderatorin Frischholz. Kollegin Bergmann bedauerte, dass es in der nördlichen Oberpfalz bisher keine aktiv tätigen Genesungsbegleiter gebe. Die Tätigkeitsinhalte würden von der jeweiligen Einrichtung abhängen, für die jemand arbeitet. Möglich sei auch im Tandem mit einer psychiatrischen Fachkraft zu arbeiten. Einzelheiten der Ausbildung sind auf den Internetseiten www.ex-in-deutschland.info und www.ex-in-by.de zu entnehmen.

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