30.05.2019 - 14:50 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Geschichten rund um den Nofi-Lauf: Mit Baby, als Fuchs und barfuß ins Ziel

Sie kommen direkt vom Schreibtisch, der Verkaufstheke und der Werkbank. Genau 6519 Menschen meistern die Strecke beim Nordoberpfälzer Firmenlauf. Als Fuchs verkleidet, mit Baby im Arm oder barfuß laufen sie über die Ziellinie.

Um die Teilnehmer beim Nofi-Lauf zu motivieren, ließen sich Zuschauer einiges einfallen. Vor dem Ziel konnten sie sich beim Abklatschen Energie holen wie im bekannten Videospiel „Super Mario Land“. Tausende hatten am Mittwoch auf und an der Strecke ihren Spaß.
von Beate-Josefine Luber Kontakt Profil

Der neue Festplatz ist am Mittwoch ein Menschenmagnet. Von überall her kommen sie, über die Autobahn mit Kennzeichen aus der ganzen Region, über die Felder mit Kinderwagen, viele laufen sich auf dem Weg schon mal warm.

Hin und wieder weht ein frischer Wind, es ist bewölkt, doch es kommt kein Tropfen vom Himmel. Für viele ideales Laufwetter. Besonders ein Professor freut sich darüber, dass die Hitze ausgeblieben ist. Denn unter seinem Fuchskostüm wird es ganz schön warm. Clemens Bulitta von der Fakultät für Wirtschaftsingenieurwesen läuft für die OTH Amberg-Weiden. Aber warum im Kostüm? Seine Antwort ist so überraschend wie logisch: „Ich will allen zeigen: ,Sei ein schlauer Fuchs, und studiere an der OTH.‘“ Die Hochschule hat heuer ihr 25-jähriges Jubiläum. Deshalb ist sogar die Präsidentin Andrea Klug im Laufdress erschienen. „Die OTH ist 25 Jahre in Bewegung, das passt doch ganz gut.“

Clemens Bulitta läuft für die OTH als schlauer Fuchs.

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Auch der Nofi-Lauf feiert ja dieses Jahr Geburtstag, genau 10 Jahre ist er alt. Dass er mehr ist als ein Firmenlauf, zeigen die Worte von Bernhard Schwindl. Der Arzt in der Urologie am Klinikum Weiden ist bereits zum 9. Mal dabei. „Nur den ersten hab ich leider verpasst.“ Langweilig nach neun Jahren ist es nicht. „Es ist immer toll, immer ein Erlebnis“, sagt der 58-Jährige. „Man wächst in die Gemeinschaft rein. Mit den Kollegen, aber man schaut auch mal über den Tellerrand und kommt mit anderen in Kontakt.“

Einer stiehlt dem Fuchs fast die Show, doch nicht wegen eines besonderen Kostüms, sondern wegen seiner Beinbekleidung, die sehr minimalistisch ausfällt. Barfüßig trägt er eine Gummisohle, die mit Schuhbändern an seinem Fuß befestigt ist. „Mit den schweren Schuhen haben mir immer die Knie wehgetan“, erklärt Florian Miller aus Mantel. Normalerweise laufe er barfuß, die vier Millimeter dicke Sohle sei Schutz gegen Glasscherben und spitze Steine. Er hätte den Titel für den günstigsten Schuh beim Nofilauf verdient: 15 Euro hat er für die Barfußschuhe bezahlt, Selbstbausatz.

Florian Miller läuft in Barfußschuhen.

Auch die Stadt Weiden ist am Start, unter ihnen auch Bürgermeister Jens Meyer. „Immer im Dienst“, meldet er sich im Laufdress. Er gibt unter viel Gelächter klare Anweisungen: „Wer schneller läuft als ich, wird gekündigt, die Beamten werden degradiert.“ Er laufe mehrmals in der Woche, sei aber eher ein Wellness-Jogger.

Während sich Tausende Teilnehmer sammeln, zeigt sich, dass der neue Festplatz eine gute Wahl war. Trotz der Menschenmassen ist noch viel Platz für Stände und Zuschauer, kein Gedränge. Und da ist er schon, der Startschuss. Ein paar Minuten zuvor starten die Handbiker. Um 18.30 Uhr sausen die ersten Läufer über die Startlinie, die Menschenmasse rückt nach. Mehr als 10 Minuten dauert es, bis der letzte Läufer durch ist.

Und die Zuschauer haben nicht viel Zeit, sich vom Jubeln auszuruhen. Denn der erste Handbiker kommt schon wieder im Ziel an. Stefan Kessler von der Firma Rollactiv rollt nach knapp 16 Minuten ins Ziel. Beim Nofi-Lauf stimmt der Spruch: Die letzten werden die ersten sein. Denn Kessler war vergangenes Jahr in Neustadt tatsächlich der letzte im Ziel, weil sein Handbike auf der Strecke eine Panne hatte. „Die Strecke war dieses Jahr für uns genial“, schwärmt er. „Breite Straßen, keine engen Kurven, gut abgesichert. Letztes Jahr sind mir die Leute in die Fahrbahn gelaufen.“ Eigentlich wäre der Handbiker noch schneller gewesen. „Doch wir mussten ihn auf Höhe Salzbrücke ausbremsen“, erklärt Ludwig Kreutzer, der im Führungsfahrzeug saß. Der Grund: Die Polizei hatte noch keine Freigabe gegeben, der letzte hatte noch nicht die Startlinie überquert, als der Handbiker bereits ins Ziel rauschen wollte. „Wir haben etwas unterschätzt, wie schnell die Handbiker sind.“ Bergab kam Kessler auf 42 Stundenkilometer.

Nicht ganz so schnell, aber immerhin der schnellste Läufer war Maximilian Zeus vom Salzhaus Altenstadt. Er hat erneut seinen Titel verteidigt. Abermals zweiter ist Andreas Hecht von der Polizei Weiden. „Maximilian ist einfach jünger und besser“, erklärt er dem Moderator Thomas Bärthlein. Doch das ist jetzt schon sicher: Nächstes Jahr in Tirschenreuth wird er wieder versuchen, ihn einzuholen.

Der Startschuss fällt. Knapp 7000 läufen gehen an Start beim 10. Nordoberpfälzer Firmenlauf. Der schnellste ist bereits nach 3 Sekunden ganz vorne: Maximilian Zeus (vorne rechts im weißen Trikot).

Der Dritte kommt in besonderer Kluft: Mit schwarzem Hut und kurzer Handwerkerhose. Andreas Maier von Riedl Holzbau in Waldthurn läuft standesgemäß als Zimmerer. „Das wurde schon warm unter dem Hut, aber ich dachte es regnet“, erklärt er. Als vierte Siegerin und erste Frau sprintet Kaba Desso Bontu ins Ziel: „Das war richtig schön und gut. Ich bedanke mich bei den vielen Zuschauern“, sagt die 27-Jährige, die jedoch am liebsten Langstrecken läuft.

Und dann dauert es noch eine Stunde, bis die letzten eintrudeln. Die einen sprintend, die anderen gemütlich spazierend, die einen lassen sich auf den Boden fallen, die anderen verbeugen sich lachend nach der Ziellinie. Andreas Reiter aus Grafenwöhr läuft die letzten Meter sogar mit Baby. Der kleine Maximilian sollte unbedingt über die Ziellinie. „Letztes Jahr ist er acht Stunden nach dem Zieleinlauf auf die Welt gekommen“, erklärt der Vater. Jetzt warten sie auf die Mama, die auch mitläuft. Der Nofi-Lauf hat also echt guten Nachwuchs.

Der kleine Maximilian ist ein echtes Nofi-Kind. Vergangenes Jahr kurz nach dem Start geboren ist er heute schon mitten drin.
Rotes Kreuz im Einsatz:

Mit 95 Sanitätern, 5 Notärzten und 23 Fahrzeugen war das BRK vor Ort, erklärt Einsatzleiter Bernhard Kick. „Wir waren gut aufgestellt.“ Drei Bewusstlose habe es gegeben, die in die Klinik eingeliefert werden mussten. Doch wie wurden die transportiert, wenn doch alle Straßen gesperrt waren? „Dafür haben wir ein Quad mit Notarztbesetzung, das klein und wendig ist“, erklärt Kick. Es gab 29 weitere Patienten, unter anderem mit Platzwunden, Erschöpfungszuständen oder Krampfanfällen.

Super Stimmung bei den Zuschauern an der Strecke.
Kiloweise essen:

Die Kliniken Nordoberpfalz haben sich um die Verpflegung der über 6000 Teilnehmer gekümmert. Eine Mammutaufgabe? „Das ist Routine für unsere Küche“, erklärt Karl Wittmann, Leiter der Wirtschaftsabteilung im Klinikum. Soviel haben die Kliniken an Essen und Trinken verteilt, zählt Wittmann aus dem Kopf auf: 2000 Kisten alkoholfreie Getränke, 1000 Kisten Pils, 1000 Kisten Radler, 2500 Becher Nudelsalat, 2500 Liter Chili, 8000 Semmeln. Gegen Mittag haben die Mitarbeiter das Essen ganz frisch vorbereitet und dann angeliefert. „Die Küche fertigt jeden Tag 2000 Mahlzeiten für das Klinikum Weiden, und ein paar Schulen und Kindergärten.“

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