Wie andere Kollegen aus dem orthopädischen Bereich fühlt sich auch Bernd Urban von der Bayerischen Staatsregierung vergessen. Sanitätshäuser sind im Katalog des Innenministeriums über die Einrichtungen, die vorrangig mit Masken und Schutzkleidung versorgt werden sollen, nicht einmal nachrangig berücksichtigt. Der Geschäftsführer des Sanitätshauses Urban & Kemmler sieht darin ein Riesenproblem. „Wir sind ein systemrelevanter Betrieb und versorgen in vielerlei Hinsicht auch Patienten, die sich mit dem Coronavirus angesteckt haben.“
Das Einsatzspektrum sei breit gefächert. Egal ob es sich um die Wundversorgung im Altenheim handle, um den Patienten am Sauerstoffgerät in der Klinik oder ums Krankenbett, das zum Patienten nachhause geliefert wird, damit er aus der Klinik entlassen werden kann: „Unsere Mitarbeiter haben sehr viel Außenkontakt. Und wir bekommen momentan nur auf Umwegen Schutzkleidung.“ Kosteten Gesichtsmasken früher 29 bis 69 Cent, müssten heute acht Euro pro Stück bezahlt werden.
„Wir haben uns kürzlich hundert Schutzmasken der Kategorie FFP 2,5 besorgt, die tatsächlich schützen. Die reichen uns aber vielleicht maximal eine Woche lang.“ Ferner verfüge seine Firma über weitere 300 grüne OP-Masken. „Aber wir haben keine Schutzkittel.“ Die benötigten seine Mitarbeiter aber dringend, wenn sie Patienten im Krankenhaus betreuen. Bitte er beim Katastrophenschutz um Unterstützung, werde ihm mitgeteilt, dass zunächst nur Ärzte und Kliniken ausgestattet würden.
„Wenn wir keinen Kontakt nach draußen hätten zu den Patienten, dann könnte ich das noch verstehen. Aber wir müssen zum Patienten ins Haus, ins Klinikum und in die Einrichtung.“ Zum Beispiel, wenn einer Person nach der Rückenoperation ein Korsett angepasst werde. „Wir wollen unsere Leute, aber auch den Patienten schützen." Optimal wäre natürlich ein Coronatest für seine Mitarbeiter. Aber auch hier gelte die Devise: „Hinten anstellen.“
Urban beschäftigt in Weiden und in seinen fünf Filialen 90 Personen. Einen Großteil davon in der Verwaltung. Allerdings auch 25 Fachkräfte, die im ständigen Kontakt mit Patienten sind. „Ein Riesenproblem momentan.“ Allein im Geschäft kämen über den Tag verteilt 50 bis 60 Kunden.
Der Verschleiß an Schutzmasken sei groß. "Wir müssen pro Patient eine Maske nehmen. Wir wissen ja nicht, ob er infiziert ist oder nicht." Natürlich versuche man, sich selber zu behelfen. „Wir haben eine eigene Näherei. Aber das sind ja keine echten Schutzmasken.“
Ein weiteres Problem: "Wir liefern Patienten, die zuhause gepflegt werden, Pflegehilfsmittel wie Desinfektionsmittel oder Handschuhe. Aber auch diese Waren bekommen wir nicht mehr." Die Lieferkette sei unterbrochen.
„Ich appelliere an die Bayerische Staatsregierung, dass wir ein systemrelevanter Betrieb sind. Dass man uns aber bei der Verteilung der Schutzmasken nicht berücksichtigt hat." Dabei müsse man die Arbeit, die in einem Sanitätshaus geleistet werde, mit der einer Krankenschwester vergleichen.













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