Der Fall einer vorgetäuschten Speditionsfirma ist in der Oberpfalz bisher einmalig. Die Betrugsmasche mit einer "Phantomfirma" gab es im Bezirk noch nicht, bestätigt das Polizeipräsidium Oberpfalz auf Nachfrage. Es handelt sich um ein "europaweites Phänomen", die Rede ist von mehreren ähnlich gelagerten Fällen. Wo das geschah und um welche Summen es insgesamt geht, kann die Polizei noch nicht sagen. "Ich kann Ihnen jedoch mitteilen, dass es beispielsweise in Polen mehrere derartige Fälle gegeben hat", erklärt Polizeisprecher Florian Beck.
Eine "Phantomfirma", die sich als Spedition ausgab, hatte in der ersten Jahreshälfte 2022 in vier Fällen Lkw-Ladungen einer Nordoberpfälzer Firma gestohlen. Es handelte sich um mehr als 800 hochwertige Fahrräder. Der Wert liegt bei mehr als 1,6 Millionen Euro. Die verdächtige Spedition existiert nun nicht mehr.
"Die Fälle sind bekannt"
Das geschädigte Unternehmen hatte die Spedition selbst beauftragt. Die ersten Transporte seien zunächst auch ohne Probleme erledigt worden, hieß es in einer Polizeimeldung. Die Spedition bekam schließlich auch einen Auftrag für vier weitere Lkw-Ladungen – die dann verschwanden. Die Firma gibt es mittlerweile nicht mehr, der Kontakt zu ihr ist abgerissen.
Noch gibt es laut Polizei keine Verdächtigen. Die in der Nordoberpfalz aktive "Phantomfirma" soll aber auch an anderen Betrugsfällen in Europa beteiligt gewesen sein. Die Kriminalpolizei Weiden ermittelt.
Der Landesverband Bayerischer Spediteure (LBS) und der Landesverband Bayerischer Transport- und Logistikunternehmen (LBT) sehen derzeit keine Häufung von Fällen mit solchen "Phantomfirmen". Das erklärt LBS-Pressesprecher Ulrich Pfaffenberger für beide Verbände. Aber es gibt sie. Vereinzelt käme diese Betrugsart vor, aber von einem Massenphänomen könne aus Sicht der Verbände keine Rede sein. "Die Fälle sind bekannt", sagt Pfaffenberger, "das spricht sich schnell herum." Vor allem in Recyclingbetrieben käme diese Betrugsmasche vor. "Insbesondere bei Altmetallen, die mit gefälschten Papieren übernommen und dann ins Ausland verfrachtet wurden", erklärt Pfaffenberger.
Oft schwierig zu erkennen
Was tun, um seriöse Speditionen zu erkennen? "Es reicht, bei uns anzurufen und zu fragen", meint der LBS-Pressesprecher. Eine Mitgliedschaft in einem Verband sei ein gewisses Qualitätssiegel. Ein Zeichen, dass diese oder jene Firma geprüft ist. Die Fachverbände würden auch vor illegalen Praktiken warnen.
Die Oberpfälzer Polizei sieht den besten Schutz vor "Phantomfirmen" in langfristigen Geschäftsbeziehungen. Die würden aber wegen des europaweiten Fahrermangels und der Abwicklung der Transporte über Transportbörsen immer schwieriger werden, schränkt die Polizei ein. Betrügerische Firmen zu erkennen, gestalte sich zudem schwierig, weil "Phantomfirmen" oftmals die gleichen Merkmale – Internetauftritt, Gewerbeanmeldung, bereits regulär durchgeführte Transporte, ordnungsgemäß zugelassene Fahrzeuge – aufweisen würden wie seriöse Speditionen.















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