19.04.2019 - 17:36 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

"Hier gibt es viele regionale Champions"

Der Münsterländer Stephan Thesing lebt seit 20 Jahren in Weiden. In unserer Rubrik "Zugroast" schwärmt er von seiner neuen Heimat. Nur der erste Eindruck von der Oberpfalz war nicht der Beste.

Stephan Thesing lebt seit 1999 in der Oberpfalz.
von Julian Trager Kontakt Profil

ONETZ: Der Oberpfälzer ist ein Grantler und Sturkopf. Stimmt's?

Stephan Thesing: Sturköpfe und Grantler gibt es überall, das hat überhaupt nichts mit der Oberpfalz zu tun. Solche Leute sind gleichmäßig über die Republik verteilt. Ich suche mir sie einfach nicht als Gesprächspartner.

ONETZ: Mit welchen Vorurteilen und Erwartungen sind Sie in die Oberpfalz gekommen? Und wie lautet jetzt Ihr Fazit?

Stephan Thesing: Ich war 15 Jahre Personalmanager bei der Otto-Gruppe, deswegen bin ich in die Oberpfalz gekommen. Meine Erwartung war, dass Bayern spannend wird. In meinem ersten Jahr haben mich viele kleine Dinge überrascht, zum Beispiel ein Open-Air-Jazz-Konzert am Alten Rathaus. Vorurteile hatte ich nicht. Nur, als ich 1992 zum ersten Mal in der Oberpfalz war, dachte ich mir: Hoffentlich hält der Zug an und fährt nicht durch. Das war damals, jetzt ist es ganz anders. Ich finde die Oberpalz wunderschön. Die Landschaft und die Bebauung passen schön zusammen. Daneben gibt es hier viele regionalen Champions, die super professionell sind und in jeder Großstadt gesucht werden. Mein Friseur in Wernberg ist ein Künstler, mein Korn hole ich von der Gailertsreuther Mühle in Floß, mein Gemüse im Beutnerhof in Etzenricht.

ONETZ: Spielen Sie oft mit dem Gedanken, in Ihre alte Heimat zurückzukehren? Wie oft fahren Sie tatsächlich zurück?

Stephan Thesing: Nein, ich spiele nicht mit dem Gedanken, zurückzugehen. Ich lebe hier mit meiner 13-jährigen Tochter und wir besuchen Oma und Opa an der holländischen Grenze an Feiertagen und in den Sommerferien.

ONETZ: Was erzählen Sie dort von Ihrer neuen Heimat? Was würden Sie Ihren Verwandten oder Freunden zuerst zeigen, wenn die zu Besuch in die Oberpfalz kommen?

Stephan Thesing: Dass die Landschaft wunderschön ist. Ich gehe aus der Haustür raus und kann spazieren, endlos und es bleibt schön. Was ich Besuchern zeige: Die Silberhütte im Winter, Skilanglaufen an der tschechischen Grenze, das ist fantastisch – Natur und Ruhe erleben. Auch ein ganz wunderbarer Ort: das Museumscafé und die Gedenkstätte in Flossenbürg. Das, was die Menschen dort geleistet haben, ist nicht kopierbar. Das ist eine wunderbare Symbiose aus tollen Menschen und einem schweren Thema.

ONETZ: Verstehen Sie Ihre Oberpfälzer Kollegen, wenn Sie mit ihnen nach Feierabend ein Bier trinken?

Stephan Thesing: Ja, ich verstehe sie bestens. Wenn ich mit Menschen ein Bier trinken gehe, versuchen beide Seiten, dass man sich versteht. Und das klappt prima.

ONETZ: Fühlen Sie sich bereits als Oberpfälzer?

Stephan Thesing: Nein, ich fühle mich nicht als Oberpfälzer. Aber ich fühle mich hier bei den Menschen wunderbar aufgehoben.

Alle Teile der Serie

Serie Zugroast:

In der Kolumne „Zugroast“ stellen wir jede Woche Menschen vor, die aus Hamburg, dem Ruhrpott oder Kasachstan in die Oberpfalz gezogen sind – und hier eine neue Heimat gefunden haben.

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