Weiden in der Oberpfalz
26.11.2019 - 13:53 Uhr

Glanzpunkt der Kirchenmusik in der Michaeliskirche

Während draußen der Kathreinmarkt zu Ende ging, wurde das Publikum der Michaelskirche mit den ersten Takten des Symphonischen Psalms von Arthur Honeggers König David in die Landschaft des Nahen Ostens, zu biblischen Zeiten, versetzt.

Die Kantorei Weiden unter Leitung von Hanns-Friedrich Kaiser begeistert das Publikum. Bild: exb
Die Kantorei Weiden unter Leitung von Hanns-Friedrich Kaiser begeistert das Publikum.

Das zeitgenössische Oratorium wurde unter der Leitung von Hanns-Friedrich Kaiser mit der Kantorei Weiden, den Solisten und Musikern zu einem Glanzlicht der Kirchenmusik. Die biblische Geschichte Davids wird in diesem Oratorium mit unterschiedlichsten kompositorischen Mitteln gestaltet: Gregorianik, Choräle, romantischer Orchestersatz bis hin zu Anklängen an die Zwölftonmusik wechseln sich, ähnlich Miniaturen, ab. Dieser schwierigen Anforderung wurde das Orchester mehr als gerecht.

Die Präzision der Bläser, von Flöten über die Oboe, Klarinetten und Fagott bis zu den Trompeten und Posaune ließen zudem mit Klangfolgen, die aus der orientalischen Musik vertraut sind, die Städte und biblischen Wüstenlandschaften und besagten Granatapfelwald in der Michaelskirche gegenwärtig erscheinen.

Wenrich Slenczka führte mit ruhiger Souveränität und überzeugendem Duktus durch die Geschichte. Die Sänger der Kantorei gestalteten den Jubel der Israeliten über den Sieg Davids gegen Goliath ebenso nuanciert wie Davids Flehen um Gottes Beistand oder den ekstatischen Tanz vor der Bundeslade. Mit guter Artikulation verließen sie nie den nuancierten feinen lautmalerischen Pinselstrich.

Selten gelingt die Einheit von solistischen Parts, Orchester und Chor in so organischer Weise, wie bei dieser Aufführung. Manuel Warwitz war am gleichen Tag als Tenor für den erkrankten Henning Jensen eingesprungen und füllte den Kirchenraum mit klarer, eleganter Stimme. Berührend die Anrufung des Totenreichs durch die Seherin, Hexe von Endor (Christine Mittermair), tröstlich das Sopransolo des Engels (Franziska Bobe).

Der sehr unterschiedliche Charakter der 27, jeweils sehr kurzen Musikstücke, einzig verbunden durch den Erzähler, stellt sehr hohe Anforderungen an alle Beteiligten. Jeder Part muss auf den Punkt sitzen. Das war Kirchenmusikdirektor Hanns-Friedrich Kaiser als musikalischem Leiter gelungen.

 
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