26.03.2020 - 14:35 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Glas-Zange aus Weiden meldet vorläufige Insolvenz an

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"Indirekt wegen Corona", musste Dieter Zange vergangenen Donnerstag vorläufige Insolvenz beim Amtsgericht Weiden beantragen. Er führt den renommierten Glashersteller in vierter Generation und will mit allen 84 Mitarbeitern weitermachen.

Beim Stichwort Glaser gilt die Firma Zange mit als erste Adresse in Weiden. Seit letzter Woche hat das Traditionsunternehmen schwere Schlagseite.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

"Indirekt wegen Corona", musste Dieter Zange vergangenen Donnerstag vorläufige Insolvenz beim Amtsgericht Weiden beantragen. Er führt den gleichnamigen Glashersteller in vierter Generation und will mit allen 84 Mitarbeitern weitermachen.

"Ich kam noch mit guter Laune in die Firma, dann traf mich um 10 Uhr eine E-Mail wie der Blitz aus heiterem Himmel", blickt der Inhaber eine Woche zurück. Der Inhalt der Hiobsbotschaft: Ein deutscher Finanzdienstleister, mit dem Zange lange zusammengearbeitet habe, habe ihm mitgeteilt, dass er wegen der Risiken der Coronakrise Warenfinanzierungen nicht mehr weiterführen könne. Im konkreten Fall gehe es um 400 000 Euro.

Die fehlen dem Mittelständler aus dem Industriegebiet Pfreimter Weiher nun an Liquidität. "20 000 Euro staatliche Hilfen bringen da nicht viel, der Staat müsste Unternehmen direkt unterstützen", appelliert Zange an die Politik. Die Auftragslisten seien voll, es scheitere an der Ware. "Die Mitarbeiter bekommen das Insolvenzausfallgeld in voller Höhe, ich will sie auch alle behalten", versichert Zange. Dabei könnte ihm das Virus sogar in die Hände spielen. Bis vor zwei Monaten herrschte Fachkräftemangel. Die Erfahrung lehrt, dass Mitarbeiter kränkelnder Firmen in solchen Situationen schnell den Job gewechselt haben. Das dürfte auf absehbare Zeit passé sein.

"Die Kunden halten zu uns", macht sich Zange Mut. Sie sitzen vor allem in Nordbayern und sollen pünktlich beliefert werden. Ob dies so bleibt? In Corona-Zeiten ist das nicht gewiss. Dennoch: Der Mittelständler ist auf dem Markt gut etabliert.

Insolvenzverwalter Harald Schwartz aus Amberg vermag noch nicht anzudeuten, wie es weitergeht. "Wir sind noch bei der Analyse." Er habe eine Bank gefunden, die Kredit für das Insolvenzausfallgeld der Mitarbeiter gibt. Das darf längstens drei Monate bezahlt werden. "Spätestens im Juni müssen wir also wissen, wohin die Reise geht."

Grundsätzlich gibt es drei Möglichkeiten: schlimmstenfalls die Zerschlagung des Unternehmens, einen Insolvenzplan für die Gläubiger in Abstimmung mit dem Gericht oder die sogenannte übertragende Sanierung. Letztere Lösung ist die häufigste. Auch Schwartz liebäugelt damit. De facto würde dies wohl auf eine Übernahme hinauslaufen, sofern sich ein Investor findet. Der würde Immobilien, Ware und Maschinen übernehmen, die bestehende GmbH & Co. KG würde liquidiert, könnte aber unter dem Namen Glas-Zange weitermachen.

Die Wurzeln des Unternehmens reichen zeitlich bis 1904 und räumlich bis St. Petersburg zurück. Zange ist Spezialist für hochwertige Isoliergläser, die unter anderem in der Rosenthal-Zentrale in Selb und im Flughafen Stuttgart verbaut sind.

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