15.03.2019 - 11:03 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Göttliches Derblecken

Das Augustinus-Gymnasium zeigt "Ratlos im Olymp". Eine Tragikomödie mit Biss.

Langsam schnallen es die Götter im Olymp: Ihre Verhaltensweisen bringen den Glauben der Menschen ins Wanken.
von Helmut KunzProfil

Götter sind auch nur Menschen. Passend zur Jahreszeit derbleckte das Augustinus-Gymnasium am Dienstag und Mittwoch auf amüsante Weise Bildungspolitik, Digitalisierung und den ganzen anderen Wahnsinn, der dahintersteckt. „Ratlos im Olymp“ war ein bisserl wie das Singspiel am Nockherberg. Nur viel besser natürlich.

Die Folie auf der das Ganze spielte, präsentierte – weil mit dem humanistischen Anspruch am Augustinus tief verwurzelt – die griechische Götterwelt und ihr charakteristisches Personal um Zeus und Hera. In Marmor gehauene Figuren, die aber sehr modern aufbereitet waren, mit tollen Spitzen nach oben. Ein Machtspiel aus Intrigen, Verwirrungen und Kämpfen. Und auch der alte Dualismus zwischen Mann und Frau keimte auf.

Die Regisseurin, die hinter den Kulissen stand und das Stück auch geschrieben hat, war Simone Lutz. Sie lobte ihre Darsteller nach der Vorstellung: „Die Lutz ist sehr zufrieden und das sage ich sehr selten.“ Die Geschichte sollte natürlich vor allem eine Botschaft an die Großen und Mächtigen unserer Zeit sein.

Hintergrund der Handlung: Es ging darum, dass die ganze Götterwelt korrumpiert ist. Die Menschheit hat ihren Glauben an die himmlischen Idole verloren. Zum ersten Mal sind die Götter in der Bredouille. Sie müssen wirklich um ihre Existenz bangen und sich darüber Gedanken machen, warum die Menschheit nicht mehr an sie glaubt.

Und irgendwann erkennen sie selber, wie korrumpiert sie sind. Zeus betrügt ständig seine Frau, die Hera. Hades, der Gott der Unterwelt, und Ares, der Kriegsgott, sind gut beschäftigt. Dionysos, der Gott des Weines, hat Alkoholprobleme. Sie müssen sich also alle mal besinnen. Und: Sie brauchen einen Ritus.

Also werden die Nymphen aus allen Ecken der europäischen Welt zusammengetrommelt. Die Basis mischt auf. Iphigenie, die sterbliche junge Frau, Inbegriff des klassischen und humanistischen Ideals, liest ihnen die Leviten. Und langsam kommen sie zur Besinnung. Sehr charmant gemacht. Aber doch eine echte Politikerschelte.

Die Tragikomödie wurde von der Q 11 auf der provisorischen offenen Bühne im Lichthof, ohne Vorhang, engagiert und mit viel Humor aufgeführt. Einstudiert neben dem üblichen, täglichen G-8-Stress. Hochachtung vor dieser Truppe.

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