10.09.2018 - 12:38 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Gotteshaus mit reicher Geschichte

Die frühere Simultankirche St. Michael steht beim "Tag des offenen Denkmals" in Weiden besonders im Blickpunkt. Der Ansturm bei der Turmbesteigung ist kaum zu bewältigen.

Der Andrang zur Turmbesteigung ist riesengroß. Leider kann der Türmer nicht alle Interessenten nach oben mitnehmen.
von Helmut KunzProfil

„Entdecken, was uns verbindet“ lautete das Motto beim „Tag des offenen Denkmals“. Am Sonntag stand in Weiden die Michaelskirche im Mittelpunkt. Zahlreiche Interessenten unternahmen bereits am frühen Nachmittag gemeinsam mit Mesner Christian Stahl eine Entdeckungsreise durch die Geschichte des Gotteshauses. Eineinhalb Stunden später verwandelte sich der Kirchendiener in den Türmer.

Nachdem St. Michael in der Zeit nach dem Dreißigjährigen Krieg bis ins Jahr 1900 eine Simultankirche war, also von katholischen und evangelischen Gläubigen gemeinsam genutzt wurde, war die Verbindung zum Motto hergestellt. Die Kirche verband Konfessionen. Erst als die Josefskirche erbaut wurde, ging St. Michael in den alleinigen Besitz der evangelischen Kirchengemeinde über.

„Die Kirche wurde nie so erbaut, wie sie sich heute präsentiert“, begann Stahl seine Ausführungen. Erstmals erwähnt worden sei sie 1341. Auf einer Skizze zeigte der „Kirchner“ wie St. Michael ursprünglich ausgesehen hat: Gotisch, mit zwei Türmen. „Wie heute die Herz-Jesu-Kirche.“ Das Gotteshaus sei auf heiligem Grund erbaut worden. Den Besuchern, die im hinteren Teil der Kirche saßen, gab Stahl zu verstehen, dass sie auf dem ehemaligen Friedhof säßen. Denn rund um die ursprüngliche Kirche habe sich der Gottesacker befunden, der später auf Verordnung der Stadt hin vor die Mauern verlegt wurde, ins Gebiet des damaligen Siechenweihers an der heutigen Sparkasse. 1399 sei die erste Kirche einem Stadtbrand zum Opfer gefallen und wurde wieder aufgebaut. 1421 allerdings nur noch mit einem Turm, der einem Merian-Stich nach 70 Meter hoch gewesen war.

„Dort war auch der Türmer untergebracht. Allerdings war der Turmaufbau brüchig, weil die Statik auf dem alten Turm aufbaute.“ Stahl weiter: Man habe zwar gewarnt, aber die Stadtväter hätten alle Warnungen ignoriert. So sei der Turm 1759 eingestürzt und habe neben dem Türmer und seinen beiden Gehilfen auch Teile des Kirchenschiffs unter seinen Steinmassen begraben. Dem Zeitgeist folgend seien Kirche und Turm wieder aufgemauert worden.

Über 300 Jahre hatte der Turm gehalten und Kriege überstanden. Dann wurde die Kirche im barocken Baustil wieder errichtet. Wie Stahl erklärte, sei der Turm stabiler gebaut worden. Seine Mauern seien bis zu 2,50 Meter dick. Sie hätten Wehrcharakter.

Bereits fünf Jahre nach Martin Luthers Thesenanschlag in Wittenberg sei die neue Lehre nach Weiden gekommen. Die Bürgerschaft habe hinter dem neuen Gedankengut gestanden. Veränderte Herrschaftsverhältnisse hätten 1620 die Gegenreformation eingeleitet. Nach 1648 sei St. Michael Simultankirche geworden. Stahl beleuchtete auch die Stadtgeschichte, die Verbindung nach Waldsassen und Parkstein sowie das Schloss im Vesten Haus. Kurze Zeit sei die Kirche auch Basilika gewesen. „Hier wurden Priester geweiht.“

Aufgrund der Industrialisierung - Gustav-von-Schör hatte die Eisenbahn nach Weiden gebracht - seien immer mehr Bürger aus den umliegenden Orten in die Stadt gezogen. Somit habe sich das konfessionelle Verhältnis zugunsten der Katholiken in Weiden verändert. "Heute sind nur noch ein Siebtel evangelisch."

Dichtes Gedränge gab es nach dem Vortrag, als Stahl – jetzt im Türmergewand – zur Turmbesteigung lud. Leider konnten nicht alle Anwesenden daran teilnehmen. Die Gäste erfuhren viel über die Geschichte des Turms, seiner Uhren und Glocken. Am Ende bot sich bei Traumwetter ein toller Ausblick über die Innenstadt.

Info:

Der Andrang bei der Turmführung in der Weidener Michaelskirche war beim "Tag des offenen Denkmals" enorm. Rund 60 Interessierte wollten den Blick aus 57 Metern Höhe auf die Altstadt genießen. Aus Sicherheitsgründen ist die Zahl der Teilnehmer jedoch begrenzt, sodass einige an diesem Tag nicht mit auf den Turm steigen konnten. Am 22. September gibt es nun erneut Gelegenheit dazu. Um 10.30 Uhr und 14.30 Uhr bietet Türmer Michael Stahl wieder Turmführungen an. Er empfiehlt dazu die vorherige Anmeldung im Pfarramt St. Michael, Telefonnummer 0961/4701577, oder direkt beim Türmer. Stahl bietet übrigens auch individuelle Führungen für Gruppen an. Infos unter www.tuermer-weiden.de

Der Nachmittag war zweigeteilt. Zunächst informiert Mesner Christian Stahl die Besucher über die Geschichte der Kirche.

Den zweiten Teil bildete die Turmführung.

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