Es war ein stiller, intensiver Abend: Bei den 38. Weidener Literaturtagen füllte sich der Franz-Joachim-Behnisch-Saal der Regionalbibliothek bis auf den letzten Platz, als Friedrich Ani aus seinem neuen Buch „Schlupfwinkel: Fantasien über eine fremde Heimat“ las. Erst wenige Tage zuvor hatte der Autor den Münchner Literaturpreis erhalten. Zu diesem Anlass gratulierte ihm auch Bibliotheksleiterin Ruth Neumann.
Ani, bekannt als Drehbuchautor für Fernsehserien wie „Tatort“ oder „München Mord“, zeigte sich in Weiden von einer sehr persönlichen Seite. Im Mittelpunkt seines Buches steht seine eigene Familiengeschichte: Die Mutter wurde aus Schlesien vertrieben und musste sich nach dem Krieg eine neue Existenz aufbauen. Der Vater, ein syrischer Medizinstudent, kam ins Dorf, um Deutsch zu lernen. Zwei Menschen ohne gemeinsame Sprache fanden zueinander und fühlten sich verbunden.
Diese Sprachlosigkeit prägte auch Anis Kindheit. Vieles blieb unausgesprochen, vieles wurde nur angedeutet. Genau hier setzt sein Schreiben an: Literatur als Rückzugsort, als "Schlupfwinkel". In kurzen Passagen seiner Lesung schilderte er eindrücklich familiäre Szenen – etwa die irritierte Reaktion seiner Großmutter auf die Beziehung seiner Eltern. Dabei mischte sich Ernst mit feinem, trockenem Humor.
Im Gespräch mit Moderator Stefan Voit rückte immer wieder das Thema Heimat in den Mittelpunkt. „Heimat ist Sprache“, sagte Ani und relativierte zugleich: Heimat sei auch Zufall. Entscheidend sei weniger der Ort als die Frage, ob Menschen wirklich ankommen. „Wenn ich woanders gewesen wäre, hätte ich eine andere Heimat gehabt.“ Eine ausweichende Antwort, gerade mit Blick auf die Herkunft seiner Eltern.
So wurde der Abend zu mehr als einer Lesung. Er war eine ruhige, nachdenkliche Annäherung an Herkunft und Identität und zeigte einmal mehr, warum Friedrich Ani zu den wichtigen Stimmen der deutschen Gegenwartsliteratur zählt.














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