Weiden in der Oberpfalz
08.02.2019 - 16:13 Uhr

Große Trauergemeinde verabschiedet Hans Robert Thomas

Da hat die Stadt wirklich einen Großen verloren. Hunderte von Trauergästen verabschieden Hans Robert Thomas am Freitag in der Michaelskirche und am Stadtfriedhof.

Weidener und Pirker, Freunde und Verwandte aus vielen Teilen Deutschlands und aus dem Ausland geben Hans Robert Thomas mit viel Musik das letzte Geleit am Stadtfriedhof. Bild: Gabi Schönberger
Weidener und Pirker, Freunde und Verwandte aus vielen Teilen Deutschlands und aus dem Ausland geben Hans Robert Thomas mit viel Musik das letzte Geleit am Stadtfriedhof.

Was Thomas' Verlust in der Stadtgesellschaft für ein Lücke reißt, beklagten nicht unzählige Trauerredner, auf die die Familie angenehmerweise verzichtet hat. Wo fängt man im Nachruf-Reigen an, wo hört man auf? Zu viele Worte können ein Andenken auch zerreden.

Stattdessen stand in guter evangelischer Tradition die Predigt im Mittelpunkt des Abschiedsgottesdienstes für den im 95. Lebensjahr Verstorbenen. Dekan Wenrich Slenczka zitierte das Alte Testament, wo Abraham als "alt und lebenssatt" beschrieben wird. "Lebenssatt": Das heißt, dass jemand die Möglichkeiten angenommen hat, die sich ihm boten und die er selber geschaffen hat. Hans Robert Thomas war so einer. Mittelpunkt einer großen Familie, zupackender Geschäftsmann, Kunstliebhaber und Musiker.

"Diese Art von Größe kann einen selbst und andere auch erdrücken", beugte Slenczka jeder Art von Verklärung vor. Aber Thomas habe es auch nicht immer einfach gehabt. Der Dekan erinnerte an die bleibende Kriegsverletzung und das streng pietistische Elternhaus. Über all dem lag das freundliche Wesen des Mäzens und Hueck-Gesellschafters: "Er zeigte das eindrucksvolle Lächeln dessen, der seinen Heiland gesehen hat." Dieser gläubige Christ hat auch die Michaelskirche geprägt. Die Max-Reger-Orgel, die Lautsprecheranlage, die Kantorei - alles Errungenschaften, die das Gemeindeleben bereichern und ohne Hans Robert Thomas Initiative schwer vorstellbar sind.

Der Verstorbene habe im Sinne Paulus' einen "kindlichen statt einen knechtischen Geist" an den Lebtag gelegt. Dieses Offensein spiegelte auch die fantastische Musik beim Abschied wider. Die Kantorei, Hanns-Friedrich Kaiser an der Orgel und Stephan Breith am Violoncello kehrten das Genie Regers und Bachs heraus, Komponisten, die Thomas schätzte. Und dann war da noch Breits avantgardistisches Violoncello-Solo von Volker David Kirchner aus dem Jahr 1987. Auch für so etwas war Thomas aufgeschlossen. Vielleicht ist ja diese Neugier das Rezept, mit über 90 noch am öffentlichen Leben teilhaben zu können.

Selbst als er fast taub war, besuchte Thomas noch Konzerte, berichtete Slenczka. Weil Thomas Musik liebte, die ihm nach eigener Aussage mit alten Ohren wie ein "welker Blumenstrauß" vorgekommen war. "Im Paradies wird diese Blume nie welken", machte der Prediger Hoffnung, ganz im Sinne des Bach-Chorals "Weicht, ihr Trauergeister". Hans Robert Thomas hätte eine wahre Blütenpracht verdient.

 
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