29.05.2018 - 10:34 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Groundhopper aus Weiden: Auf der Suche nach dem nächsten Spiel

Er bereist die Welt, um Fußballspiele zu sehen, die ihn gar nicht wirklich interessieren. Vielmehr geht's ihm um die Stimmung auf den Rängen. Ein Weidener Groundhopper erzählt von seiner Leidenschaft - und von schlechten Schlafplätzen.

Ein Weidener Groundhopper bereits die Welt, um Fußballspiele anzuschauen. Hier im Kosovo, im Schneechaos auf der Tribüne in Mitrovica.
von Julian Trager Kontakt Profil

Als Tobias und seine Freundin Jessica das Hotelzimmer im Kosovo betreten, wird es gruselig: Die Herdplatte voller Staub, das Bett voller Haare, das Bad unter Wasser, der Tisch beklebt mit ausgespuckten Kaugummis. Schnell weiter, nach Albanien. So erzählt es der 24-jährige Weidener. Er sagt: "Das sind die Schattenseiten." Und meint die unschönen Aspekte seines Hobbys. Aber egal, der Aufenthalt im eisigen Kosovo ist trotzdem ein Erfolg, er bringt ihm einen neuen Länderpunkt. Und darauf kommt es an beim Groundhopping.
Der Kfz-Mechatroniker sammelt Fußballspiele. Dafür bereist er die Welt, immer auf der Suche nach dem nächsten Match, am besten in einem Stadion und Land, in dem er noch nicht war. Bis vor kurzem noch auf der Liste: der Kosovo. Ist nach seiner letzten großen Tour abgehakt. Die führte den 24-Jährigen in den Balkan. Mazedonien, Albanien, Kroatien, Montenegro, Bulgarien - sind jetzt auch abgehakt.

Stadion voller Rauch

Zu Beginn der Reise gleich ein Highlight: Stadtderby in Sofia, ZSKA gegen Lewski. Das ist wie Schalke gegen Dortmund, das bulgarische Ruhrpottderby. Tobias hatte große Erwartungen ans Spiel. Taktik, Tricks und Tore gehören aber eher nicht dazu. "Mich interessiert viel mehr die Stimmung auf den Rängen", sagt der Weidener Groundhopper, der weder mit Nachnamen noch mit Bild in die Zeitung möchte. "Ich schaue lieber drauf, was außenrum passiert, was die Ultras machen." Vielleicht kann er sich was abschauen. Er ist selbst Ultra, zu finden im Fanblock des 1. FC Nürnberg. Vor dem Hintergrund hat das Sofia-Derby seine Erwartungen erfüllt. "Das war ein Spiel", schwärmt der Weidener. Die Fans nebelten das Nationalstadion ein, Rauch schwebte über den Rängen, Dutzende Bengalos brannten. Während viele Menschen deswegen nicht ins Stadion gehen, sagt Tobias: "Das muss man gesehen haben." Das Spiel zählt er zu seinen besten Erlebnissen. Genau wie der Ägypten-Trip. "Ich bin mal extra nach Kairo geflogen, um mir dort ein Testspiel anzuschauen." Beim Hinflug hatte er 20 Stunden Umsteigezeit in Ankara. "Da habe ich noch schnell ein Spiel in der Türkei mitgenommen." Machte zwei neue Länderpunkte. Das absolute Highlight bisher: das Belgrader Stadtderby. "Das war von der Stimmung her auf beiden Fanseiten extrem aufgeladen." Aber geschehen sei damals nichts, zumindest nicht im Stadion. "Wenn was passiert, dann in den Seitenstraßen."

Im Taxi geflüchtet

In Sarajevo sei es einmal beinahe so weit gewesen, und er mittendrin im Geschehen. "Nach einem Spiel gegen Stockholm haben die Leute gedacht, wir sind Schweden - wegen unserer blonden Haare. Da sind wir mit dem Taxi vor 20 bis 30 Leuten geflüchtet." Angst habe er keine gehabt. "Das lernt man mit der Zeit einzuschätzen." Tobias hoppt seit rund vier Jahren, inzwischen seien es 27 Länderpunkte, rund 1000 Spiele. Und unzählige Kilometer.
Das muss doch jede Menge Geld kosten? "Es geht eigentlich", sagt Tobias, "wenn man zu viert oder zu fünft fährt und sich den Benzin teilt." Im Ausland koste der ja sowieso viel weniger. Geschlafen werde dort, wo es billig ist. Zum Beispiel im Auto. Oder, wie einmal in Prag, auf dem Dachboden, "bei offenem Fenster und gefühlt minus zehn Grad", erzählt Tobias. Meistens aber im Hostel - außer seine Freundin ist dabei. So wie auf der Balkan-Reise. "Da haben wir im Kosovo ein Vier-Sterne-Hotel gebucht." Aber das muss ja nicht unbedingt was heißen.

Info:

Das sagt die Freundin

Wer einen Groundhopper als Freund hat, muss mit Abstrichen in der Urlaubsplanung rechnen. Jessica, Freundin von Tobias, kennt das. Der sagt: „Einmal wollte sie nach Ägypten.“ Den Länderpunkt hatte er aber schon – „ein No-Go“. Der 24-Jährige hat ihr andere Ziele vorgeschlagen.
Marokko, Argentinien oder Turkmenistan – alles noch Ziele des Weideners. Das Groundhopping-Fieber hat mittlerweile auch seine Freundin erreicht. „Nachdem ich reingeschnuppert habe, wollte ich so schnell wie möglich zehn Länderpunkte haben“, sagt die 31-jährige Jessica.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp