10.09.2021 - 00:01 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Gut vorbereiten – dann habt ihr gute Chancen!

Bewerbung, Auswahltest, Gespräch mit Entscheidern – der Weg zur Ausbildungsstelle führt meist über ähnliche Stationen. Worauf sollten angehende Azubis hier achten? Die Personalverantwortlichen von Oberpfalz-Medien erklären es im Interview.

Das Personal-Team von Oberpfalz-Medien (von links): Anna Dagner, Werksstudent Philipp Ertl, Sandra Löw, kaufmännischer Leiter Johannes Zettl und Jennifer Ott.
von Michaela Süß Kontakt Profil

Vier junge Leute sind es in diesem Jahr, die neben den Volontärinnen und Volontären aus der Redaktion das Team des Medienhauses verstärken – als Medienkauffrau, Kauffrau für Büromanagement sowie als Mediengestalter Bild und Ton und als Mediengestalter Digital und Print. Sie alle haben schon hinter sich, was den Schulabgängern des kommenden Jahres noch bevorsteht: die Entscheidung für einen Ausbildungsweg treffen, möglichst einige Praktika absolvieren, Bewerbungen schreiben, auf Antwort warten und schließlich im Auswahlprozess eine gute Figur machen, um die Verantwortlichen in der Personalabteilung zu überzeugen.

Unsere Kolleginnen aus der Personalabteilung Anna Danger, Jennifer Ott und Sandra Löw erzählen gemeinsam mit unserem kaufmännischen Leiter Johannes Zettl, wie sich Oberpfalz-Medien für seine Fachkräfte der Zukunft entscheidet und was das Medienhaus ihnen zu bieten hat.

Weit mehr als nur die klassische Zeitung: Oberpfalz-Medien (hier in Person von Azubi Lara Wagner) ist auch jung, modern und multimedial.

ONETZ: Kurz zusammengefasst: Wie verläuft bei Oberpfalz-Medien die Zeitschiene, bis die neuen Azubis an Bord sind?

Anna Dagner: Bei uns geht die Bewerbungsfrist bis zum 31. Oktober. Um allen Bewerbern die gleiche Chance zu geben, sichten wir erst nach diesem Stichtag die Unterlagen und vereinbaren dann möglichst zeitnah Kennenlerngespräche. Vor Corona haben wir dazu mehrere junge Leute gleichzeitig eingeladen, die dann zum Beispiel auch in der Gruppe ein gemeinsames Projekt erarbeiten sollten – in Pandemie-Zeiten mussten wir uns da leider auf Einzelgespräche beschränken. Praktische Übungen wie zum Beispiel das Konzeptionieren einer Anzeige oder das Reinschnuppern in die Produktion bei den Medientechnologen Druck integrieren wir so gut wie möglich in den Bewerbungsprozess. Und danach ist es unser Ziel, möglichst vor Weihnachten die Entscheidung zu treffen, wer im kommenden Jahr einen der Ausbildungsplätze bekommt.

ONETZ: Was erwarten Unternehmen heutzutage von Bewerbern?

Johannes Zettl: Die Arbeitswelt ändert sich und Strukturen werden zunehmend dynamischer. Daher sollten angehende Azubis offen sein für Veränderungen. Grundsätzlich erwarten wir natürlich Interesse am Beruf und an unserem Unternehmen. Wir wollen den Eindruck haben: Die Leute brennen für das, was sie tun.

Azubis bei Oberpfalz-Medien sollen engagiert und selbstbewusst sein – sie sollen sich auch trauen, mal Kritik zu äußern.

Anna Dagner

Anna Dagner

ONETZ: Und was noch?

Anna Dagner: Eine offene und kommunikative Art ist ein weiterer Aspekt, den wir an unseren Auszubildenden schätzen. Die jungen Leute sollen ihre eigenen Ideen mit ins Unternehmen einbringen und Teil des Teams werden. Hier setzen wir auch in unserem Ausbildungskonzept einen Schwerpunkt: Azubis bei Oberpfalz-Medien sollen engagiert und selbstbewusst sein – sie sollen sich auch trauen, mal Kritik zu äußern.

ONETZ: Welche Schwerpunkte setzen Sie im Bewerbungsgespräch?

Sandra Löw: Wir schauen uns die Persönlichkeit der Bewerber an, ihr Auftreten und ihr Wesen. Sind sie schüchtern, spielen sie vielleicht nur eine Rolle oder sind sie ganz natürlich und sie selbst? Sicher zählt der erste Eindruck – aber etwas Nervosität ist natürlich auch ganz normal. Und meistens gibt sich das im Laufe des Gesprächs. Auf jeden Fall möchten wir merken, dass sich die Bewerber im Vorfeld darüber informiert haben, welche Anforderungen ihr Berufsbild stellt. Auch sollten sie zumindest eine grobe Vorstellung von unserem Unternehmen haben: Vielleicht waren sie ja auch schon mal auf der Homepage, haben sich da umgeschaut und sich einige Fakten eingeprägt.

ONETZ: Wie geht es dann weiter?

Anna Dagner: Die Eindrücke aus den Gesprächen diskutieren wir anschließend im Team. Wir versuchen, das bei den Azubis mit zwei, maximal drei Personen von Unternehmensseite zu machen – so ist die Atmosphäre für die Bewerber weniger angespannt.

Das Verhalten von Bewerbern im Gespräch interessiert uns: Bekommen wir den Eindruck, dass uns da jemand eine Rolle vorspielt? Übrigens: Nervosität ist ganz normal.


ONETZ: Worauf achten Personaler jenseits der Zeugnisnoten?

Jennifer Ott: Neben dem Auftreten und der Art, wie sich jemand gibt, zählt für uns auch der optische Eindruck, den die Bewerber uns vermitteln: Passt die Kleidung zum Beispiel zum Unternehmen und zum angestrebten Beruf? Hinweise gibt es da ja zum Beispiel auf der Firmen-Homepage oder auch auf dem Instagram-Profil. Klar, für einen angehenden Medientechnologen Druck wäre vielleicht ein Anzug etwas zu viel – aber ein gepflegtes Äußeres sollte es schon sein. Auch das Verhalten von Bewerbern im Gespräch interessiert uns: Wie gut ist der Bewerber vorbereitet oder bekommen wir den Eindruck, dass uns da jemand eine Rolle vorspielt? Übrigens: Nervosität ist ganz normal. Wir schauen uns natürlich auch die Bewerbung selbst an: Ist sie fehlerfrei oder nur eine Kopie einer Standard-Vorlage? Bei bestimmten Berufe-Seiten im Netz merken Personaler das sofort. Außerdem sollte auch der Charaktertyp zur ausgeschriebenen Ausbildungsstelle passen.

ONETZ: Was hat sich im Vergleich zu früher bei Vorstellungsgesprächen verändert?

Anna Dagner: Heute sind die Gespräche viel interaktiver, die Bewerber dürfen und sollen sich einbringen. Früher wurde meistens nur ein Test gemacht und ein klassisches Vorstellungsgespräch geführt. Wir legen heute viel mehr Wert auf die Persönlichkeit der Bewerber, nicht nur auf die Schulnoten. Ein wichtiger Faktor dabei ist, wie teamfähig jemand ist und wie die Bewerber in der Gruppe agieren. Dies findet man aber nicht mit einer klassischen Gruppendiskussion zu einer politischen Fragestellung heraus, sondern mit Themen, die angehende Azubis auch interessieren. Im besten Fall entsteht dadurch sogar ein Impuls, den das Unternehmen für die Ansprache dieser Zielgruppe wieder verwenden kann. Auch die Atmosphäre beim Vorstellungsgespräch sollte offen und locker sein – wir möchten Bewerber ja so kennenlernen, wie sie sind. Unternehmen müssen generell heutzutage die Bewerber auch von sich überzeugen und entsprechende Benefits bieten. Wir nennen das den Wandel vom Arbeitgeber- zum Arbeitnehmer-Markt – heute gibt es weniger Stellen und die angehenden Azubis können sich aussuchen, zu welchem Unternehmen sie kommen möchten.

ONETZ: Wie sollte gutes Onboarding aussehen?

Sandra Löw: Bestenfalls beginnt das Onboarding – also das „An-Bord-Nehmen“ – der Neuen direkt ab dem Zeitpunkt der Zusage für die Ausbildungsstelle. Wir legen Wert darauf, den Kontakt zu den künftigen Kollegen bei Oberpfalz-Medien durch Mails oder regelmäßige Telefongespräche aufrecht zu erhalten und wichtige Infos schon vorab weiterzugeben. Dazu gehören zum Beispiel Details zum Ablauf des ersten Arbeitstages und der Onboarding-Woche: Wann muss ich wo hinkommen, wen kann ich bei Fragen ansprechen und was passiert dann weiter während der nächsten Tage? Wir wollen es den Azubis so leicht und angenehm wie möglich machen. Da gibt’s zum Beispiel ein kleines Willkommensgeschenk, eine Büromaterial-Kiste mit Freundebuch, die Azubis aus den anderen Lehrjahren sind dabei und mittags essen wir miteinander. Auch gemeinsame Projekte, Azubi-Paten und die Azubi-Beauftragten in den Abteilungen machen es für die Neuen leichter, im Team anzukommen. Klar bekommen sie auch einen Überblick über das Unternehmen und die verschiedenen Unternehmensbereiche. Und ein kontinuierlicher Austausch zwischen Ausbilder und Azubis, zum Beispiel durch regelmäßige Erwartungs- und Feedback-Gespräche, ist natürlich selbstverständlich.

ONETZ: Welche Erinnerungen haben Sie an Ihr erstes Bewerbungsgespräch?

Jennifer Ott: Früher hatten Unternehmen die „freie Wahl“ aus einer großen Anzahl an Bewerbern und man musste sich als junger Mensch schon ganz schön anstrengen, um eine Azubi-Stelle zu bekommen. Meistens saß man dann auch gleich fünf, sechs Herren höheren Alters gegenüber. Ich persönlich erinnere mich zum Beispiel daran, wie ich für ein Assessment Center mit gut 150 weiteren Bewerbern in einer Turnhalle gesessen bin für einen Test. Dieses Bild hat sich mir nachhaltig eingebrannt.

Ich wurde einmal bei einem Vorstellungsgespräch gefragt "Welches Auto wären Sie denn gerne?". Die Frage empfand ich damals recht herausfordernd.

Johannes Zettl

Johannes Zettl

ONETZ: Was gibt' sonst noch zu erzählen?

Johannes Zettl: Ich wurde einmal bei einem Vorstellungsgespräch gefragt "Welches Auto wären Sie denn gerne?". Die Frage empfand ich damals recht herausfordernd. Im Nachhinein erfuhr ich, dass es um meine Eigeneinschätzung ging. Hätte ich ganz spontan gesagt ‚"ein Ferrari", dann wäre wahrscheinlich die Antwort gewesen "Der ist für uns zu teuer". Aber an diesem Beispiel sieht man sehr gut: Gegen unerwartete Fragen hilft am besten eine gute Vorbereitung.

ONETZ: Grundsätzlich: Nehmen Qualität und Quantität bei den Bewerbungen eher ab oder zu?

Anna Dagner: Die Quantität ist bei den Bewerbungen tatsächlich abnehmend, denn immer mehr potenzielle Azubis entscheiden sich für ein Studium. Der Bewerbermarkt entwickelt sich mehr und mehr in ein Werben um Azubis – noch vor einigen Jahren war es genau andersherum. Auch die Qualität der Bewerbungen nimmt tendenziell ab. Man kann das zwar nicht pauschal sagen, aber manchmal hat man den Eindruck, dass sich einige Bewerber nicht mehr allzu viel Mühe geben und dass die Firmen um die Azubis buhlen und nicht umgekehrt. Das gilt für den gesamten Arbeitsmarkt, nicht nur für unser Unternehmen.

Ist Instagram zum Beispiel noch etwas für die Zielgruppe 25+, geht es mit TikTok schon ab etwa 12, 13 Jahren los. Gerade diese Plattform wird im Recruiting aber immer interessanter.

Sandra Löw

Sandra Löw

ONETZ: Wo liegen für Personalverantwortliche heute die aktuellen Herausforderungen?

Sandra Löw: Was Arbeitgebern derzeit stark fehlt, sind die Ausbildungsmessen vor Ort und die Möglichkeit, jungen Leute viele Praktika zu ermöglichen. Das ist aktuell pandemiebedingt eher schwierig. Wir müssen uns mehr und mehr überlegen, auf welchen Kanälen wir die potenziellen Azubis erreichen. Das Problem dabei: Für die Entscheider sind diese Kanäle im persönlichen Erleben gar nicht mehr so relevant. Ist Instagram zum Beispiel noch etwas für die Zielgruppe 25+, geht es mit TikTok schon ab etwa 12, 13 Jahren los. Gerade diese Plattform wird im Recruiting aber immer interessanter. Wir wollen den künftigen Azubis vermitteln "Es macht Spaß, bei uns zu arbeiten!". Kanäle wie Facebook oder die Tageszeitung dienen eher dazu, dass Eltern oder Verwandte die potenziellen Azubis auf unser Unternehmen oder eine interessante Stelle aufmerksam machen können. Übrigens: Eine tolle Adresse, um sich zu informieren, ist auch unser Portal www.ausbildung-oberpfalz.de

ONETZ: Apropos Spaß: Warum ist es so schön, bei Oberpfalz-Medien zu arbeiten?

Johannes Zettl: Wir haben viele langjährig erfahrene Kollegen ebenso wie junge Mitarbeiter. Daneben haben wir ein klassisches Zeitungsprodukt, das jeder kennt, aber sind darüber hinaus auch ein modernes und innovatives Medienhaus. Wir sind viel mehr als Zeitung – und das alles aus einer Hand. Für Oberpfalz-Medien spricht außerdem, dass wir ein regionaler Arbeitgeber mit gutem Ruf sind, der es schätzt, wenn seine Mitarbeiter sich mit ihren Ideen einbringen. Unser Tipp an angehende Azubis: Bereitet euch gut vor, dann habt ihr gute Chancen. Wir freuen uns auf euch – denn ein gutes Produkt braucht gute Mitarbeiter!

"Bassd scho" für Nathalie Frouz und Lara Wagner (von links) : An der Dialekt-Kampagne der Oberpfalz-Medien zum 75-jährigen Jubiläum 2021 haben auch die Azubis einen wesentlichen Anteil – vor der Kamera ebenso wie bei der Konzeption.
Die besten Tipps:

Darauf solltest Du bei der Bewerbung unbedingt achten!

• Achte auf das richtige Maß an Selbstvertrauen – nicht zu wenig, nicht zu viel.

• Nimm dir Zeit für die Bewerbung.

• Informiere dich vorab über Stelle und Unternehmen.

• Lass die Bewerbung gegebenenfalls Korrekturlesen.

• Verwende keine vorgefertigten Vorlagen aus dem Internet.

• Gestalte alles individuell, auch das Anschreiben.

• Frage dich: Gefallen mir der Job und die Tätigkeiten? Informiere dich vorher – zum Beispiel durch ein Praktikum.

• Beim Vorstellungsgespräch: Sei du selbst – es bringt nichts, sich zu verstellen.

• Nutze, sofern angeboten, die Möglichkeit zur Online-Bewerbung. So kannst Du vermeiden, dass die papierhafte Bewerbung in einem schlechten Zustand ankommt.

• Übrigens: Personaler mögen pdf-Dokumente, das wirkt professionell.

Die größten Fehler:

Das sollte Dir im Bewerbungsprozess nicht passieren!

• Sei kein “Ober-Checker” (im Sinne von, ihr müsst mich eh’ nehmen) oder desinteressiert (der “Meine Eltern haben mich zum Vorstellungsgespräch gezwungen”-Typ).

• Versäume keine angeforderte Rückantwort und sei für die Personaler erreichbar.

• Schicke kein Bewerbungsanschreiben voller Fehler (Rechtschreibfehler, ans falsche Unternehmen adressiert, falscher Ansprechpartner etc.).

• Sei nicht zu aufdringlich (Bewerbung erst gestern verschickt und heute schon fünf Mal angerufen und nachgefragt, wie der Stand ist). Interesse zeigen ist gut, aber nicht zu offensiv.

• Erscheine nicht zu spät, übernächtigt und ungepflegt zum Vorstellungsgespräch.

Noch Fragen? Die Azubis bei Oberpfalz-Medien (wie hier Lukas Büchner) sind oft auch mit von der Partie, wenn das Unternehmen sich in der Öffentlichkeit präsentiert.

 

 

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