21.05.2019 - 14:48 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Gymnasium oder Realschule: Dort wollen die Schüler hin

Immer weniger Schüler melden sich an Realschulen und Gymnasien in Weiden an. Nur das "Augustinus" hat Zuwachs. Dafür boomt die Neustädter Realschule kräftig. Die Schulleiter erklären das ganz unterschiedlich: Sanierung, Fachabi, Influencer.

Das „Augustinus“ darf sich als einziges Gymnasium in Weiden über steigende Anmeldezahlen freuen.
von Beate-Josefine Luber Kontakt Profil

„Aus dem Umkreis von Neustadt fehlen uns die Damen“, sagt Reinhard Hauer, Leiter des Elly-Heuss-Gymnasiums. 51 Anmeldungen hat er für kommendes Schuljahr, 11 weniger als letztes. Gründe dafür hätten die Kollegen aus den Gymnasien bereits intern diskutiert. Seine Erklärung: Die fehlenden Kinder sind abgewandert zur Realschule. „Die nehmen auch Schüler auf mit Notendurchschnitt 1,0 oder 1,33.“ Also eigentlich Kinder, die ganz klar gymnasial geeignet sind. Das sei vor allem typisch für die ländliche Region. „Je mehr Land desto weniger Übertritt ans Gymnasium“, meint Hauer.

Die Gründe: Realschulen werben damit, dass das Abi auch hier möglich sei. „Das stimmt aus gymnasialer Sicht nicht. Nur am Gymnasium gibt es den Anspruch auf Allgemein- und Persönlichkeitsbildung.“ Auch Eltern wollten Lernstress vermeiden. Doch der Weg zum Abitur über die Realschule sei stressig: Bei der FOS gebe es Aufnahmehürden. „Das ist aber in den ländlichen Bereichen Nordbayerns schlechter vermitteln als im Speckkreis von München, wo die Übertrittsquote in manchen Orten bei 100 Prozent liegt.“ In Städten wie Regensburg und München sei es undenkbar, dass ein Kind mit gymnasialer Eignung nicht übertritt.

Auch das Kepler-Gymnasium hat mit 86 Anmeldungen 10 weniger als im vorigen Schuljahr. „Wir finden es ganz gut, da wir kleinere Klassen bilden können“, sagt Leiterin Sigrid Bloch. Die Gründe: „Die Influencer sind es wohl. Die sagen, ich gehe an Schule X und dann gehen noch einige mit.“ Warum die Influencer dann nicht ans Kepler gehen, kann sie auch nicht erklären.

Auch sie findet es schade, wenn Gymnasialgeeignete an die Realschule gehen. „Nicht wegen meiner Anmeldezahlen. Es ist schade wegen der Kinder: Man sollte ihnen den Königsweg zum Abitur ermöglichen.“ Der Weg über die Realschule und FOS sei kein einfacher Weg. Auch den Vorteil gegenüber G8 gebe es nicht mehr. Über die Realschule zum Abitur zu kommen bereite Hürden, über die man bei der Beratung nicht spreche: Der Übertritt zur FOS, die 13. Jahrgangsstufe, die zweite Fremdsprache. „Wir begleiten unsere Schüler in einem Haus vom Kindheit bis zum Erwachsenwerden. So können wir viel besser fördern.“

Das Augustinus-Gymnasium hat als einziges in Weiden steigende Anmeldezahlen, und zwar gehörig. 106 hätten sich angemeldet, etwa 20 mehr als im Vorjahr, frohlockt Leiter Ulrich Winter. Im humanistischen Zweig mit Latein als erster Fremdsprache gebe es diesmal 30 Anmeldungen, 14 mehr als im Vorjahr. „Das ist ein besonderes Bildungsangebot, das wir anbieten.“ Aber die Zahlen könnten nächstes Schuljahr wieder ganz anders aussehen, wendet er ein.

Auch das Gymnasium Neustadt verzeichnet leichten Zuwachs. Mit 62 Anmeldungen kommen etwa 5 Leute mehr als im Jahr davor. Anton Hochberger freut besonders: Im musischen Zweig gibt es eine Anmeldung mehr als vorher.

Am Gymnasium Eschenbach meldeten sich 100 Schüler und damit 13 mehr als im Vorjahr an. Das sei eine normale Schwankung, so Schulleiter Peter Schobert. Geburtenjahrgänge seien mal stärker, mal schwächer.

Info:

So sieht es an den Realschulen aus

Während Neustadt starken Zuwachs verzeichnet, sieht es in Weiden düster aus. An der Lobkowitz-Realschule haben sich 149 Schüler angemeldet, 18 mehr als im Vorjahr. „Das hat sich bei der Infoveranstaltung im Februar schon abgezeichnet. Die Aula war proppenvoll“, sagt Leiterin Irene Sebald. Sie bestätigt: „Ja, wir haben Schüler mit Gymnasialeignung. Es spricht sich rum, dass man nicht nur über das Gymnasium das Abitur machen kann.“ Schüler, die den Weg über die Realschule wählten, seien eher praxisorientiert. Immer mehr würden aber auch ans Augustinus-Gymnasium abtreten, das nach dem mittleren Schulabschluss eine Einführungsklasse Abitur anbiete. Viele wählten auch ein duales Studium. „Diese Schüler haben eine eher bodenständige Art. Sie sagen: ,Ich möchte studieren, aber auch mein eigenes Geld verdienen.’“

Große Einbrüche gibt es demgegenüber an den Realschulen in Weiden. Die Sophie-Scholl-Realschule hat mit 64 Anmeldungen 20 weniger als im Vorjahr. Heuer gibt es also nur drei Klassen statt vier. Ist es der prognostizierte Schülerrückgang, die dichte und gute Schullandschaft? Leiterin Susanne Genser stellt folgendes fest: „Bei uns fehlt der Landkreis.“

In der Hans-Scholl-Realschule gibt es dieses Jahr 60 neue Schüler, vergangenes Schuljahr waren es 75. Schulleiter Michael Meier kann über die Grund nur mutmaßen. Ist es die Baustellensituation? Neustadts Realschule sei fertig renoviert. „Bei uns wird immer noch diskutiert, was wird. Viele Eltern sagen mir, sie sind unsicher, ob die Schule jetzt abgerissen oder saniert wird.“ Ein Bericht in Oberpfalz-Medien über eine Baustellenmaßnahme eine Woche vor der Anmeldung sei auch nicht förderlich gewesen. „Als ich das gelesen haben, wusste ich schon, das kostet mir Schüler.“ Zudem würden den Schülern die Fahrkosten bezahlt bekommen, wenn sie nach zur Realschule nach Neustadt gehen, auch wenn nicht im Einzugsgebiet liegen. Ihnen stünde die Wahl zu, weil die Schule in Weiden getrenntgeschlechtlich sei.

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