10.01.2019 - 20:24 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Haftstrafen für Schleuser

47 Migranten müssen leiden. Doch die beiden Schleuser, die dafür nun zu Haftstrafen verurteilt werden, sind keine dicken Fische im lukrativen Geschäft.

von Autor RNSProfil

Holprige Fahrten auf einem, nur mit Planen gedeckten Lkw, Kälte, Durst – und stets die Angst vor einem Unfall oder der Polizei. Dies hatten vor knapp zwei Jahren 16 und wenig später 31 Migranten bei zwei Schleusungen zu erdulden, weswegen die bulgarischen Fahrer jetzt vor dem Schöffengericht standen. Wegen banden- und gewerbsmäßigem Einschleusen von Ausländern verurteilte Richter Hubert Windisch die beiden Cousins zu drei beziehungsweise zweieinhalb Jahren Freiheitsstrafe.

Im Prozess stellte sich heraus, dass die 38 und 29 Jahre alten Männer nur „kleine Rädchen im Getriebe“ des Schleusergeschäfts waren. Über die „Balkanroute“ kommen immer noch im Abstand von wenigen Tagen Menschen, die von Temeschvar (Rumänien) über Serbien,Ungarn und Tschechien nach Deutschland geschmuggelt werden, berichtete ein Ermittlungsbeamter der Bundespolizei im Zeugenstand. Die Fahrer des Renault- Planenwagens hatten ihre „Fracht“, Menschen aus dem Irak, Afghanen und eine Marokkanerin, nahe Waidhaus auf der Autobahn aussteigen lassen. Über 1060 Kilometer hatte die beschwerliche Reise gedauert. Viele Kleinkinder der „Passagiere“ waren mit Tabletten ruhig gestellt worden. Mehrere der Geschleusten sagten aus, dass sie die Schleuserfahrer nicht wiedererkennen würden und auch nicht wüssten, wie viel Geld geflossen sei. Das Geld habe stets „der Vater“ oder „ein Onkel“ bezahlt.

Für den jüngeren der Angeklagten – er hatte eine untergeordnete Rolle gespielt, indem er die Handys der Migranten verwahrt hatte und als Beifahrer fungiert hatte – forderte Staatsanwältin Sandra Dechant zwei Jahre und neun Monate, für den Älteren dreieinviertel Jahre Gefängnis. Die Verteidiger Stephan Schütz (Weiden) und Uwe Paschertz (München) wiesen auf die Geständnisse ihrer Mandanten hin. Auch hätten diese schwierige Lebensverhältnisse in ihrer Heimat zu meistern und seien um den Lohn für ihre Schleuserfahrten betrogen worden. Schütz und Paschertz setzten sich mit ihren Anträgen auf jeweils ein Vierteljahr weniger als Dechant gefordert hatte, durch.

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