17.09.2019 - 10:38 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Happy End am Omnibus-Steuer

Fünf Jahre lang war sie arbeitslos und hat vergeblich Bewerbungen für Büro- und Empfangstätigkeiten geschrieben. Ein ziemlich ungewöhnlicher Vorschlag des Jobcenters brachte dann den Erfolg für die Weidenerin.

Abosede Priscillia Jersak sitzt am Steuer ihres Omnibusses. Mit dabei (von links) Christina Schönberger, Jobcenter-Geschäftsführer Peter Witt, Sandra Weiß und Omnibusunternehmer Werner Berlinski.
von Siegfried BühnerProfil

„Als das Jobcenter mir den Vorschlag machte, mich zur Busfahrerin ausbilden zu lassen, habe ich erst einmal geschluckt und mir das überhaupt nicht vorstellen können.“ Am Abend sagten dann auch noch die 10- und 14-jährigen Töchter: „Mama das passt nicht zu dir.“ Doch dann kam alles anders für die in Weiden wohnende, alleinerziehende 42-jährige Abosede Priscillia Jersak. Heute sagt sie: „Ich bin sehr glücklich, habe jetzt den besten Job und alles läuft wie ich will.“

Seit Juni dieses Jahres pendelt die Weidenerin nach Grafenwöhr und arbeitet als Busfahrerin beim dortigen Omnibusunternehmen. Chef Werner Berlinski zeigt sich vollkommen zufrieden mit seiner neuen Mitarbeiterin. „Ich habe sie gerne eingestellt, sie fährt Schulbus und Linienverkehr und springt auch einmal ein, wenn andere Fahrer ausfallen. Und wenn sie sich um ihre Töchter kümmern muss, sind wir familienfreundlich und flexibel."

Zwölf große Busse setzt der Unternehmer ein, seine Fahrerin Jersak beherrscht jeden davon. Dass es so weit kam, dazu sagt die Busfahrerin: „Ohne das Jobcenter wäre ich nicht hier, denn ich hatte große Angst davor, die Ausbildung nicht zu schaffen.“ Doch beim Jobcenter wurde ihr immer wieder Mut zugesprochen und auch die Töchter hätten ihre Meinung geändert und die Mutter unterstützt.

Begonnen hatte die Geschichte im Jahre 2004. „Der Liebe wegen kam ich aus Nigeria nach Deutschland“, erzählt Jersak. Doch diese hätte leider nur bis zum Jahr 2013 gehalten. Zu diesem Zeitpunkt meldete sie sich arbeitslos im Jobcenter. Berufstätig war sie vorher nicht, weil sie sich ausschließlich um die beiden Töchter gekümmert hatte. Die Mädchen besuchen heute das Augustinus-Gymnasium in Weiden. Fünf Jahre lang dauerten die Eingliederungsbemühungen für die Arbeitsuchende, doch: „Ich bekam nur Absagen.“ Gearbeitet hätte Jersak gerne als Empfangskraft. Das hatte sie auch schon in ihrer früheren Heimat gelernt.

Der Vorschlag zur Ausbildung als Busfahrerin des Jobcenters kam überraschend. „Busfahrer fehlen auf dem Arbeitsmarkt“, sagt Christine Schönberger, Beauftragte für Chancengleichheit beim Jobcenter Weiden-Neustadt. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Sandra Weiß vom Jobcenter Tirschenreuth hatte sie die Idee, über Bildungsgutscheine die Ausbildung zur „Personenbeförderung“ bei der Tüv-Akademie Süd in Weiden zu finanzieren. Und über den Erfolg dieses Plans freut sich das Jobcenter fast genauso wie die Betroffene.

Geschäftsführer des Jobcenters Weiden-Neustadt Peter Witt: "Gerade unter den arbeitslos gemeldeten Alleinerziehenden gibt es viele Hochmotivierte.“ Gelinge es, für sie die passenden Arbeitsbedingungen herzustellen, könne man auf ein erhebliches Kräftereservoir zugreifen. Aktuell sind im Jobcenter 566 Bedarfsgemeinschaften mit Alleinerziehenden gemeldet. 382 Alleinerziehende gelten als Langzeitleistungsbezieher. Fast jeder Einzelfall müsse gesondert betrachtet werden, um eine individuelle Lösung zu finden, sagt Witt. Diese Aufgabe erfüllen neben den Vermittlungsfachkräften der Jobcenter auch die Beauftragten für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt.

Aktuell und Wissenswert

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.