Weiden in der Oberpfalz
01.12.2025 - 14:38 Uhr
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Haustürwerber für Stromverträge verunsichern Bürger in Weiden und im Landkreis Neustadt/WN

Mitarbeiter von Energieanbietern sorgten bei Bewohnern im Weidener Stadtgebiet und in Vohenstrauß für Verunsicherung. Die Haustürwerber versuchten Kunden zum Wechsel ihres Energieversorgers zu bewegen – offenbar mit falschen Angaben.

Haustürwerber versuchen Kunden im Weidener Stadtgebiet zum Wechsel ihres Energieversorgers zu bewegen. In einigen Fällen machten sie dabei offenbar falsche Angaben. Auch in Schirmitz und Vohenstrauß sollen die Werber unterwegs gewesen sein. Archivbild: Gabi Schönberger
Haustürwerber versuchen Kunden im Weidener Stadtgebiet zum Wechsel ihres Energieversorgers zu bewegen. In einigen Fällen machten sie dabei offenbar falsche Angaben. Auch in Schirmitz und Vohenstrauß sollen die Werber unterwegs gewesen sein.

Als Marianne Schuller (Name von der Redaktion geändert) aus Weiden am 3. November einem vermeintlichen Eon-Mitarbeiter die Haustür öffnete, glaubte sie, der Mann komme wegen eines Tarifwechsels zu ihr. Erst in der Woche zuvor hatte sie einen Brief ihres Energieanbieters über neue Stromtarife erhalten. Der Werber gab sich als Eon-Mitarbeiter aus und machte der 83-jährigen Frau glaubhaft, einen günstigeren Tarif abzuschließen. In Wirklichkeit war er für eine andere Firma im Auftrag von Eon unterwegs und legte für die Seniorin, die weder ein Smartphone noch einen Computer besitzt, eine E-Mail-Adresse an. Über die Internetplattform „Check24“ schloss der Mann in ihrem Namen einen Stromvertrag bei der Firma „Tibber“ ab. „Vermutlich hat er ‚Check24‘ genutzt, um privat eine Provision zu kassieren“, vermutet ein guter Bekannter der Seniorin, der sich wegen des Vorfalls an Oberpfalz-Medien wandte.

Laut Polizei kein Betrug

„Zum Glück hatte der Herr die Zugangsdaten der E-Mail-Adresse aufgeschrieben. Mit diesen konnte ich den Fall aufdecken und den Vertragsabschluss bei ‚Tibber‘ widerrufen“, sagt der 39-jährige Bekannte von Marianne Schuller. Er habe den Vorfall bei der Kriminalpolizei Weiden gemeldet. Strafrechtlich sei das Ganze nicht relevant, teilt die Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberpfalz mit. Die Werbeaktion sei ordnungsgemäß angemeldet und rechtmäßig gewesen. Die Polizei bestätigt einen weiteren derartigen Vorfall:

Am 18. November habe die Polizeiinspektion Weiden einen Anruf von einem Bürger aus Schirmitz erhalten. Er meldete ein vermeintliches Haustürgeschäft, bei dem es um einen Stromanbieterwechsel ging. Der Anrufer vermutete betrügerische Absichten, so die Pressestelle des Präsidiums. Die eingesetzten Beamten hätten den Haustürwerber kontrolliert und festgestellt, dass er tatsächlich für eine Firma arbeitete, die Energie- und Telekommunikationsverträge direkt vertreibt. Diese Firma hatte das Subunternehmen beauftragt, Kunden zu werben.

Der Werber habe laut Polizei auf Verlangen entsprechende Dokumente und Kontaktinformationen vorgelegt. Eine ähnliche Aktion sei zuvor auch in Vohenstrauß durchgeführt worden. Weitere Regionen wie Oberviechtach sollten folgen. Auch diese Werbeaktionen seien angemeldet und nicht betrügerisch gewesen – kein Vorfall sei strafrechtlich relevant.

Dreistes Vorgehen

Wie viele Menschen bereits auf die Masche der Haustürwerber hereingefallen sind, lässt sich nicht verlässlich beziffern. „Allein die Vorgehensweise ist absolut dreist“, empört sich der Bekannte der Seniorin aus Weiden. „Frau Schuller hatte mich – aber viele ältere Menschen haben niemanden, der ihnen in so einem Fall helfen kann.“

Ein Sprecher von Eon betont auf Nachfrage, dem Energieversorger sei das geschilderte Vorgehen beim Tarifabschluss nicht bekannt. Es entspreche weder den Vorgaben des Unternehmens noch werde es geduldet. „Wir werden dem umgehend nachgehen und die Schilderungen mit unserem Vertriebspartner prüfen“, so der Sprecher. Grundsätzlich seien auch Haustürberatungen durch autorisierte Vertriebspartner möglich.

Alle Außendienstmitarbeitenden seien sorgfältig ausgewählt und müssten sich korrekt ausweisen können; Kunden könnten die Identität zudem über den Kundenservice bestätigen lassen. Beratungsgespräche seien stets unverbindliche Angebote und fänden nur auf Wunsch der Kunden statt.

Auch die Stadtwerke Weiden distanzieren sich in einer Pressemitteilung von den Vorfällen im Stadtgebiet und generell von Haustürgeschäften. Weder eigene Mitarbeitende noch beauftragte Dritte seien zu solchen Besuchen unterwegs. Die Stadtwerke warnen davor, auf entsprechende Angebote einzugehen, und verweisen bei Fragen auf ihr Serviceteam.

Im aktuellen Fall ergebe sich kein konkreter Handlungsbedarf, so das Präsidium in Regensburg. Von der Polizei würden im Rahmen der täglichen Streifenfahrten "allerlei Phänomene, darunter auch mögliche Personen, die betrügerische Ziele verfolgen, ins Visier genommen".

Sogenannte „Haustürgeschäfte“ seien ein legitimer Weg, Waren zu kaufen oder zu verkaufen, heißt es auf der Internetseite www.polizei-beratung.de. Dennoch rät die Polizei zur Vorsicht, wenn jemand an der Haus- oder Wohnungstür aufdringlich etwas verkaufen möchte oder auf sofortige Zahlung drängt. Aufforderungen zu Sofortzahlungen bei Beträgen über 50 Euro sind gesetzlich verboten. Es sollte immer möglich sein, auf Rechnung zu kaufen. Vertreter müssen laut Polizei der Aufforderung, das Haus oder die Haustür zu verlassen, sofort nachkommen. Wer mit aufdringlichem Verhalten oder Sofortzahlungsaufforderungen konfrontiert wird, sollte nichts unterschreiben und die Polizei informieren.

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