06.07.2020 - 15:29 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Heiß auf Badespaß: Ansturm auf Pools in Weiden

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In diesem Jahr heißt es coronabedingt: Urlaub im eigenen Garten. Da fehlt zum Sommerspaß oft nur noch der eigene Pool. Doch der ist im Moment schwer zu bekommen. Der Ansturm ist groß.

Alle Sortimente ausverkauft: Martina Schatz kann ihren Kunden in der Erlebniswelt nur noch einen Vorführ-Pool vorstellen.
von Helmut KunzProfil

Das Geschäft mit den Garten-Pools boomt. Das hat zweierlei Gründe: zum einen die sehr heißen Sommer der vergangenen Jahre und die derzeitige Corona-Pandemie, die einen unbeschwerten Besuch in den öffentlichen Freibädern fraglich macht. Wer sich allerdings jetzt erst für eine Erfrischung an heißen Tagen im eigenen Garten entscheiden will, ist viel zu spät. „Deutschlandweit sind Pools momentan vergriffen“, erklärt die Hauptabteilungsleiterin Erlebniswelt Garten, bei der Firma Knorr in Weiden, Martina Schatz.

Der Markt sei ausverkauft. Egal ob Frame-Quick-up-Pools oder Stahlwandbecken. „Man bekommt momentan so gut wie überhaupt nichts mehr. Auch Selbstbaubecken mit Schalungssteinen können erst wieder frühestens ab September ausgeliefert werden. Auch hier ist die diesjährige Badesaison schon so gut wie gelaufen.“

Ende September verfügbar

Ähnliche Lieferzeiten gebe es auch bei den hochwertigeren „Einstückbecken“ oder Keramikbecken. Auch diese sind erst wieder ab Ende September verfügbar. Hier wird das Becken bauseits mittels Kran in die Baugrube transportiert. Diese Becken sind nicht selten ausgestattet mit bereits integrierten Treppen, Sitz-und Liegeflächen, Massagedüsen und vielem mehr.

Trotz der hohen Nachfrage blieben die Preise gegenüber dem Saisonbeginn stabil. „Ich spreche hier für den stationären Handel. Im Online-Bereich hat sich die Preisspirale bei manchen Anbietern schon etwas nach oben entwickelt.“

Täglicher Wasserwechsel

Sollte der dringende Wunsch bestehen, heuer noch im eigenen Garten baden zu gehen, dann bleibt vielen wohl nur der einfache Plansch- und Gartenpool. Leider findet bei diesen Modellen keine Filtration statt. In stehenden Gewässern bilden sich bereits schon nach einem Tag Bakterien und Keime. Deshalb sollte hier ein täglicher Wasserwechsel vollzogen werden.

Preisgünstige Pools sind oft nur mit sogenannten Kartuschenfiltern oder sehr kleinen Sandfilteranlagen ausgestattet. Schmutzpartikel, Algen, Bakterien und Keime werden hier nur bedingt herausgefiltert. Außerdem kann man hier durch die langen Filtrationszeiten – das Wasser sollte zwei bis dreimal täglich umgewälzt werden – nur in einem bestimmten Zeitfenster ins Wasser.

Für 2020 wird es vermutlich knapp werden, sich den Traum vom eigenen Pool zu verwirklichen.

Martina Schatz

Stabil ist der Stahlwand-Pool, den man als Aufstell-, teilversenktes oder Einbaubecken wählen kann. Diese gibt es in verschiedenen Formen und Größen.

Auch im Landkreis Neustadt herrscht der Pool-Boom:

Pressath

Viele möchten sich den Traum vom eigenen Pool im Garten realisieren. So sprechen vor allem mehr Lebensqualität, Wertsteigerung der eigenen Immobilie sowie hygienische Aspekte und Unabhängigkeit für ein Badevergnügen im eigenen Garten.

„Für 2020 wird es vermutlich knapp werden sich den Traum vom eigenen Pool zu verwirklichen.“

Den Pool schnell füllen:

Stadtwerke und Feuerwehr helfen

Einen Pool per Hand mit der Gießkanne zu füllen, oder mit dem Gartenschlauch, wäre dann doch etwas zu zeitaufwändig. Sobald der Pool also installiert ist, sollte man sich sofort darum kümmern, bei den Stadtwerken ein Standrohr auszuleihen. Auf Nachfrage funktioniere das so: Bei den Stadtwerken anrufen, nachfragen, ob ein Standrohr mit Zähler frei sei und es dann für einen bestimmten Tag reservieren. Auch die Feuerwehr präsentiert sich beim Füllen als Freund und Helfer. Denn dort kann man sich die Schläuche kostenlos ausleihen. Aber bitte auch vorher reservieren. Nach erfolgter Wasserfüllung müsse man sie natürlich wieder zurückbringen. Beim Füllbetrieb würden die Spritzenmänner allerdings nicht helfen. Das müsse schon jeder Gartenpool-Betreiber selber leisten. Die Nachfrage sei groß, hieß es aus der Weidener Feuerwehrzentrale. "Schläuche werden jeden Tag geholt." Kostenpunkt der Aktion: Die Stadtwerke verlangten den regulären Wasserpreis. Das Abwasser koste nichts, weil es ja in der Wiese versickere.

Kommentar:

Das neue Klopapier

Wie lächerlich ist es, dass sich auch Erwachsene in quietschgelbe, winzige Planschbecken quetschen – nur für ein bisschen Abkühlung? Aber was will man auch anderes tun im Coronasommer 2020? Einlassbeschränkungen in Freibädern und zu viel Andrang an Badeseen machen es Wasserfans heuer schwer. Dann doch lieber ab in den Baumarkt und ein aufblasbares Stück Kindheit in den eigenen Garten stellen. Doch das ist gar nicht so leicht zu haben. Immer mehr Pools sind ausverkauft. Oder anders gesagt: Pools sind das neue Klopapier. Es ist erstaunlich, welche Produkte sich in der Krise als unentbehrlich erweisen. Während es sich beim Toilettengang immerhin noch um ein überlebenswichtiges Grundbedürfnis handelt, ist der Hype um die Pools eher ein Luxusproblem. Was wohl als nächstes folgt? Iglu-Bausteine im Winter? Privater Weihnachtsmarkt mit Glühwein und gebrannten Mandeln vor der Garage? Genauso unberechenbar wie die Ausbreitung des Coronavirus scheinen auch die Formen des Krisen-Konsums zu sein. Im Planschbecken lässt sich gut über das nächste Must-Have-Produkt nachdenken. Ob das lächerlich aussieht, ist wohl aktuell das kleinere Problem – denn das größere ist, überhaupt noch einen Pool zu bekommen.

Kathrin Moch

Frame-Pools wie dieser werten die Immobilie auf und haben eine Haltbarkeit von mehr als 20 Jahren. Allerdings nur bei entsprechender Pflege.

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