10.03.2020 - 17:54 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Helmut Hülsmann ist tot: Ehemaliger Chef von Hueck Folien

Die Region trauert um Dr. Helmut Hülsmannn. Er starb am Sonntag in seiner Villa am Fichtenbühl. Mit 94 Jahren schlief er friedlich ein. Seine Frau Gertraud seine Kinder begleiteten ihn in den letzten Stunden.

Helmut Hülsmann wäre am 27. September 95 Jahre alt geworden.
von Friedrich Peterhans Kontakt Profil

Dass dieses Leben in der Oberpfalz eindrucksvolle Spuren hinterlassen hat, ist dem Zufall und dem Ersten Weltkrieg geschuldet. Helmut Hülsmann leitete 40 Jahre, von 1951 bis 1991, zusammen mit Hans-Robert Thomas die Geschicke von Hueck Folien. Das Unternehmen wurde in dieser Zeit zum Synonym für seinen Standort: Pirkmühle.

Ruhrkrise als Initialzündung

Aufgebaut hat es Hülsmanns Vater Richard im Auftrag seines Cousins Eduard Hueck. Der hatte das Geld, aber ein Problem: Das Ruhrgebiet, aus dem die Familie stammt, war Anfang der 1920er Jahre von den Franzosen besetzt. Das führte zu Energieknappheit. Also hatte Hueck die Idee, für seinen Industriebetrieb dorthin zu gehen, wo es Energie gibt. Die Wahl fiel auf Wasserkraft. Die war über die Naab in Pirkmühle reichlich vorhanden. Nun brauchte es einen Standortleiter. Den fand Hueck im Weltkriegsheimkehrer Richard Hülsmann, der nicht studieren wollte, gleichwohl aber voller Tatkraft steckte.

Dieser Richard Hülsmann zog mit der Familie in die Oberpfalz. Sein Sohn Helmut hat indes noch als Geburtsort Solingen im Ausweis stehen. "Er war er aber ein echter Weidener. Hier ist er aufgewachsen. In Solingen wurde er eigentlich nur geboren, weil Großmutter ihr erstes Kind nicht in der fremden Oberpfalz zur Welt bringen wollte. Es gab damals noch kein modernes Klinikum", erklärt Helmuts ältester Sohn Stephan. Helmut trat 1951 in die Firma ein und baute sie beständig aus. Der promovierte Maschinenbauingenieur legte Wert darauf, immer technisch vorn dran zu sein: die dünnsten Folien, der schärfste Druck, die meisten Farben, die breitesten Walzen - das war sein Ehrgeiz. "Wenn zu Hause mal ein Joghurtdeckel vom Becher abging, untersuchte ihn Vater beim Abendessen schon mal mit der Lupe", erinnert sich Stephan Hülsmann.

Hohe Auszeichnungen

Diese Ambition führte zu Tochterwerken in Oberösterreich, den USA und Belgien. So bot das Unternehmen zeitweise bis zu 1000 Menschen Arbeit. Das brachte Hülsmann das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse und am Bande sowie die Staatsmedaille um besondere Verdienste für die bayerische Wirtschaft ein. Bei allem Unternehmertum: Hülsmann war kein bloßer Zahlenmensch. 1960/61 hob er den Förderkreis für Kammermusik mit aus der Taufe, der heute Weltstars der Klassik nach Weiden bringt. Ferner gehört er zu den Gründern des Freundeskreises der Evangelischen Akademie Tutzing. 24 Jahre brachte er sich im Kirchenvorstand von St. Michael ein. In diese Zeit fiel unter anderem die Renovierung des Evangelischen Vereinshauses. Ferner gründete er den Orgelbauverein, der der Michaelskirche die Max-Reger-Orgel bescherte.

Noch viel mehr als Mäzen war Helmut Hülsmann aber Vater. "Er hat uns Kindern alles ermöglicht", sagen Sohn Stephan und Tochter Barbara unisono. Stephan, Barbara und ihre Geschwister Thomas und Beate kamen zwischen 1952 und 1963 zur Welt. Zwei leben heute in München, eines bei Schweinfurt, eines bei Regensburg. Mit ihnen trauern zwölf Enkel und sechs Urenkel.

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