20.09.2020 - 12:08 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Heuer kein Martini-Ganserl in Weiden am See

Corona macht Partnerschaftstreffen einen Strich durch die Rechnung. Ansonsten kommt Weiden am See aber erstaunlich gut durch die Krise. Und die Partnerschaft lebt trotzdem – im Kleinen.

Die Partnergemeinde Weiden am See ist wirtschaftlich gut durch die Corona-Krise gekommen.
von Helmut KunzProfil

Die Winzer in Weiden am See stecken momentan mitten in der Weinernte. „Das wird noch zwei Wochen andauern“, erklärt Amtsleiter Erwin Reger bei einem Gespräch im Rathaus der Seegemeinde. Leider werde es heuer viel weniger Wein geben als gewöhnlich. „Uns hat der Hagel erwischt“, klagt Bürgermeister Willy Schwartz. Allein in seinem Weingarten, in dem er vier Reihen Veltliner und zwei Reihen Chardonnay anbaue, belaufe sich die Ausfallrate auf 50 bis 60 Prozent. Weswegen er seine Arbeit im Weinberg auch schon abgeschlossen habe. „Ich hab' meine Trauben bereits zu Hause.“

Zum 50. Jubiläum der Partnerschaft

Weiden in der Oberpfalz

Andere Kollegen habe der Hageleinschlag zwar weniger hart getroffen. Aber auch sie verzeichneten heuer Umsatzeinbußen von wenigstens 30 Prozent, betont Oberamtsrat Reger. Es komme immer wieder mal vor, dass das Wetter nicht so recht mitspielt. „Heuer ging das schon im Frühjahr los, als es kräftig in die Frühblütenphase hineingeregnet hatte." Schwartz: „Aber die geernteten Trauben sind schön. Der 2020-er Wein wird sehr gut.“ Durst brauche niemand zu leiden. Größere Probleme mit dem Einsatz von Erntehelfern aus Ungarn, Slowenien und Rumänien aufgrund der verschärften Einreisebestimmungen habe es auch nicht gegeben. Engpässe nur für kurze Zeit. "Die wenigsten von uns sind auf Fremdarbeiter angewiesen. Einige aber schon."

Nach Lockerungen geht's aufwärts

Die See-Marktgemeinde sei wirtschaftlich betrachtet bisher ziemlich gut durch die Corona-Krise gekommen, erzählen die beiden einem Besucher aus Weiden/Oberpfalz: Sozialdezernent Wolfgang Hohlmeier schaut vorbei. Partnerschaftstreffen in größerem Stil sind heuer natürlich Corona-bedingt gestrichen. Die erste Phase des Lockdowns sei sehr schwierig gewesen, räumen Schwartz und Reger ein. „Wir wussten ja nicht, wie es weitergeht.“ Der Lockdown habe von Anfang März bis 15. Mai gedauert. Schwartz (seit 1997 im Amt) erinnert sich: Als dann aber die Maßnahmen gelockert wurden, habe es tüchtig gebrummt am Neusiedler See.

„Was ich jetzt sagen kann: Die Ausfälle sind längst wieder wettgemacht. Wir können auf eine sehr gute Saison zurückblicken, weil die Österreicher im eigenen Land Urlaub gemacht haben.“ Egal ob bei den Übernachtungen oder beim Heurigen: „Wir haben keinerlei Verluste, weil die Saison sehr, sehr stark ist und das Wetter und die Urlauber mitspielen. Unsere Unterkünfte sind ausgebucht. Leider haben wir hier in Weiden am See viel zu wenige Zimmer.“

Wohnmobilstellplatz angeregt

Wolfgang Hohlmeier – er weilte zuletzt 1984 als damaliges Mitglied der Jugendblaskapelle in der Marktgemeinde und verbrachte gerade seinen Urlaub in Podersdorf – regte für See-Weiden an, im Gemeindesprengel Stellplätze für Wohnmobile auszuweisen. Auf diese Weise würden gleich zwei Fliegen mit einer Klappe geschlagen: Die Zimmernot wäre abgefedert. Und es käme ein neues Klientel in die Gemeinde.

Der Tourismus um den See profitiere inzwischen von Corona, sagt Schwartz. „Die Gastronomen sind schon richtig gestresst, brauchen mal Auszeit.“ Auch wenn er erst vor zwei Wochen Bürgermeister Lothar Höher im Rathaus begrüßt habe: Aktuell kämen die Gäste nicht aus Deutschland. „Sondern viele aus dem Inland. Die meisten reisen an aus Salzburg und Tirol.“ Und nicht nur für Kurzaufenthalte, wie es in den Vorjahren immer der Fall gewesen sei: „Viele machen richtig Urlaub hier. Aber wie gesagt: In diesem Jahr hat auch das Wetter mitgespielt.“

„Wie Ihr draußen seht, ist ja auch jetzt noch voller Betrieb", erklärt der Bürgermeister. Natürlich wurden in den Heurigenstuben die Tische auseinandergestellt. Beim Hineingehen gibt es Maskenpflicht. „Daran muss man sich langfristig gewöhnen. Damit werden wir durch den Winter gehen. Aber die Leute akzeptieren das.“ Viele zumindest.

Andere Lage in Großstädten

Er könne allerdings nur für die Region Neusiedler See sprechen. In den Großstädten gestalte sich die Lage völlig anders. Hotels im Land seien bis zu 80 Prozent nicht belegt. „Das Hotel Sacher in Wien klagt über einen Gästeschwund und entlässt 140 seiner Mitarbeiter.“ Warum? Städte lockten normalerweise ausländische Gäste an. Und die kämen nicht. Überhaupt leide die österreichische Wirtschaft sehr stark unter Corona. Riesigen Firmen drohten Schließungen. Momentan überlebten viele allein wegen der staatlichen Unterstützung und den Kurzarbeiterprogrammen. „Die Frage ist: Wie lange kann sich der Staat das noch leisten?“

Langfristig werde die Krise auch See-Weiden erreichen. „Wir haben sehr viele junge Familien im Ort, weil wir Baugebiete ausgewiesen haben." Die Baupreise seien hoch. Einige hätten sich aus dem Großraum Wien hier am See mit Zweitwohnsitz niedergelassen. Besonders die Arbeitsplätze derer in seiner 2500-Seelengemeinde seien gefährdet, die im Großraum Wien beschäftigt seien. Im Wiener Speckgürtel drohten infolge der Corona-Pandemie viele Arbeitsplätze wegzubrechen.

Auch für die gemeinsame Partnerschaft sei es momentan eine schwierige Zeit. „Es musste ja alles abgesagt werden.“ Kein Bürgerfest. Kein Martini-Ganserl-Essen, kein Kellerschaun für die Partnerstädter im November. Erst am Donnerstag wurde in telefonischer Absprache mit Petra Vorsatz definitiv die geplante offizielle Weinsegnung mit wenigstens einer Kleinstgruppe aus der Max-Reger-Stadt gecancelt. Wie Reger mitteilte, würden die Winzer aber nach der Weinlese für einige Partnerstädter private Weinverkostungen in kleinen Gruppen anbieten. So jedenfalls der aktuelle Stand.

Jubiläumsfilm und CD

Der leitende Beamte machte aber auch deutlich, dass sich im Hintergrund viel bewege in punkto Partnerschaft. Brandneu sei der Jubiläumsfilm, den OTV im letzten Jahr drehte und der jetzt fertiggestellt sei. Auch das Coverfoto für die neue CD der Dorfmusikanten, das er in den Amtsräumen vorstellte, kannte Schwartz noch nicht. Unter Leitung von Kurt Fuhrmann hatte das Ensemble den "Partnerschaftsmarsch", der den Gästen bereits zum 50-jährigen Jubiläum präsentiert wurde, endlich auch auf einen Silberling gepresst. Wo und wann die CD auch in Oberpfalz-Weiden erhältlich sei, stimme er mit Petra Vorsatz ab, sagt Reger.

Wie der Rathausleiter ferner mitteilt, habe die Stadtarchivarin 150 der insgesamt 300 Flaschen "Weidauer Zwillingsbruder", die jedes Jahr zu den Sommerserenaden nach Weiden geschickt werden und wegen Corona nicht verkauft werden konnten, im Rathaus zwischengelagert. Immer wieder begrüße Bürgermeister Schwartz sehr gute Freunde auch aus dem Umfeld der Partnerstadt. Aktuell vor Ort: ein ehemaliger Matrose vom damaligen Patenschiff "Weiden", ein rühriges "Bierfilzl-Club"-Mitglied, das sich unbedingt als freiwilliger Erntehelfer versuchen wollte, sich beim Rebenschneiden aber ungeschickterweise in den Finger geschnitten habe. Auch dies sei gelebte Partnerschaft.

Die Reben sind reif. Einige Winzer klagen aber über Hagelschäden, die bis zu 60 Prozent ihrer Weinlese vernichtet haben.
Sozialdezernent Wolfgang Hohlmeier (rechts) freut sich im Rathaus von Weiden am See über den "Partnerschaftsmarsch", den die Dorfmusikanten unter Leitung von Kurt Fuhrmann eingespielt und auf CD gebannt haben. Links Bürgermeister Willy Schwartz, daneben Oberamtsrat Erwin Reger mit Cover-Bild und Notenmaterial.
Weiden am See steckt mitten in der Weinernte.
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