16.02.2020 - 16:37 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Vom Hippieleben auf Hawaii ins bayerische Abenteuer

Manuela Spaur aus Weiden hat mit 51 Jahren bereits viel erlebt. Zurück aus Kalifornien, wo sie mit einem Cherokee verheiratet war, hat die Weidenerin jüngst im "Fichtelgebirgskrimi" als Rockerbraut mitgewirkt.

Die 51-jährige Weidenerin hat viele Fotobücher aus ihrem Leben in Kalifornien mitgebracht. "Alles andere habe ich verschenkt. Ich kam nur mit ein paar Kisten ganz persönlicher Sachen zurück", sagt sie.
von Ulla Britta BaumerProfil

Manuela Spaur, Immobilienwirtin bei den Vereinigten Sparkassen Eschenbach, Neustadt/WN und Vohenstrauß, hat sich zum Ausgleich ihres Berufsalltags ein aufregendes Hobby ausgesucht. Die 51-jährige Frau aus Weiden fährt eine Harley Davidson 1200 Custom. Die chromblitzende Höllenmaschine, die eher selten von einer Frau bedient wird, hat ihr nun zu einer Filmrolle in der Polizeikomödie "Der Fichtelgebirgskrimi - Siebenstern" verholfen. Eine Kollegin gab ihr den Tipp, sich als Komparsin zu bewerben, da die Caster speziell Motorradfahrer suchen. "Ich habe mich gemeldet und die haben mich genommen", erzählt sie stolz. Die Rockerbraut bekam sogar eine richtige Rolle. Sie durfte als Sozius ihrer Maschine den Rockerboss Billy (gespielt von Oliver Troska) fahren.

Das Abenteuer "Filmstar" hat ihr viel Spaß gemacht.. Dabei ist Manuela Spaurs ganzes Leben ein einziges Abenteuer. Den Führerschein für Motorrad machte sie in Kalifornien, wo die Münchenerin 25 Jahre mit einem Cherokee verheiratet war. Sie erzählt gern von dem damals 28-jährigen Kalifornier Scott Summers aus dem Stamm der Cherokee, der in einem Münchener Kindergarten als Sozialpädagoge gearbeitet hat. Damals 25 Jahre alt, konnte die AOK-Inspektorin dem Zauber der Indianerromantik nicht widerstehen. Die junge Frau, die gern auf Abenteuer aus war, verliebte sich in den Cherokee. Sie gab ihren Beamtenstatus auf und ging mit Scott nach Kalifornien.

Manuela und Scott heirateten in der Wüste vor einem bestellten Prediger, eine Spontanidee. Die beiden führten ein Hippieleben wie aus dem Bilderbuch. "Ich nahm jeden Job an, sogar Putzfrau für 99 Klos", erzählt sie. Später jobbte sie als Bäckerin und Verkäuferin, wurde Kellnerin und versuchte sich erfolgreich als Batik-Modedesignerin. Scott arbeitete als Sozialpädagoge mit Kindern drogensüchtiger Eltern.

Mehr als abenteuerlich war Manuelas Wohnumfeld in Long Beach, Südkalifornien. "Man konnte nicht allein ins nächste Stadtviertel. Das war von Verbrecherbanden besetzt", sagt sie. Die Angst um ihren kleinen Sohn, dem sie den indianischen Namen Tahigwa ("der Friedvolle") gab, ließ sie zur Waffe greifen. Den Umgang damit lernte sie draußen vor der Haustür. So einfach war das. Manuela Spaur berichtet von Waffen in jedem Zimmer, das sei normal gewesen. Als ihr Kind durch eine Nachbarin in Gefahr geriet, siedelte die junge Familie nach Hawaii um. Wieder musste die Münchnerin von vorn beginnen. Ihr Mann kaufte eine Bruchbude im Dschungel von Hawaii. Die Familie lebte spartanisch, ohne Toilette, Strom und Wasser. "Trinkwasser holten wir aus dem Feuerwehr-Hydranten am Straßenrand", erinnert sie sich. Manuela musste sich gegen haarige, faustgroße Spinnen in ihrer Kleiderkiste und giftigen Tausendfüßlern unter ihren Füßen behaupten.

"Wir lebten aus dem Rucksack, ganz ohne Luxus", schwärmt sie dennoch heute noch davon. Sie lernte Wellenreiten, machte den Motorradführerschein, belegte Kurse in Kickboxen, Tekwando und Krav Maga zur Selbstverteidigung. Denn sicher sei man nie gewesen. Als Tahigwa in den Kindergarten ging, machte sie ihre Ausbildung zur Immobilienwirtin. Von der indianischen Herkunft ihres Mannes, erzählt sie, habe sie leider kaum etwas mitbekommen. "Es wurde nicht darüber gesprochen, Indianer wurden diskriminiert." 2005 kam die Scheidung.

Manuela lernte ihren jetzigen Mann, Jeff Spaur, kennen und kaufte wieder ein Haus, diesmal auf den Klippen der Vulkaninsel Big Island. 2009 zog sie wieder nach Bayern, Jeff Spaur und Tahigwa kamen mit. Ihr Sohn machte im Augustins-Gymnasium Weiden seinen Schulabschluss und ging zurück nach Kalifornien zum Vater, der nun eine Rinderfarm betreibt. Bei Tahigwa seien die indianischen Wurzeln sehr intensiv, sagt sie stolz. Ihr jetzt 22-jähriger Sohn ist Jäger, hat mit zehn Jahren den Tauchschein gemacht, geht mit dem Speer Tiefseefischen und liebt die Natur.

Zur neuen "alten" Heimat sagt sie, in Deutschland sei die Lebensqualität nicht zu toppen. Sie erzählt von der Armut und den miserablen Arbeitsbedingungen Kaliforniens. "Wird man krank oder möchte Urlaub, gibt es keinen Lohn. Mütter, die bei ihrer Babys bleiben, sind ihren Job los." Seit sie die schwefelhaltige Luft auf dem Vulkan Big Island einatmen hat müssen, schätzt Manuela Spaur Strom, Wasser und saubere Luft im Überfluss sehr. Ihre Abenteuergeschichte Kalifornien beendet sie mit einer Anekdote über ihre "Wiedereingliederung". Sie habe in Amerika die deutsche Sprache verlernt, gesteht sie lachend. "Aber der Dialekt ist mir geblieben. Damit konnte ich mich in der ersten Zeit in Weiden durchschmuggeln ohne groß aufzufallen."

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