Bei einer Jubilarehrung der Industriegewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE), Bezirksverband Nordostbayern, blickte Nathalie Frohwein vom Landesbezirk Bayern auf die letzten Dekaden der Gewerkschaftsgeschichte zurück. „Gemeinsam sind wir durch Höhen und Tiefen gegangen. Widerstände und Blockaden konnten uns nicht von unserem Ziel abbringen.“
In der Max-Reger-Halle verwies die Gewerkschaftsfunktionärin besonders auf die guten Tarifabschlüsse der letzten Jahrzehnte, die den Beschäftigten einen wohlverdienten Anteil am wachsenden Wohlstand der Gesellschaft beschert hätten. In diesem Zusammenhang sprach sie sich vor dem Hintergrund, dass immer mehr Arbeitgeber aus der Tarifbindung flüchteten, für eine Stärkung der Tarifbindung in Deutschland aus. „Wir brauchen dazu eine starke Allianz.“
In Zeiten des gesellschaftlichen und technologischen Wandels sowie der politischen Unsicherheit brauche es neue Ideen und den Mut, neue Wege zu gehen. Andererseits brauche die Gesellschaft aber auch ein Werte- und Traditionsbewusstsein. „Wir sorgen dafür, dass es in den Betrieben gerecht und menschlich zugeht und dass Arbeit nicht krank macht.“
Die IG BCE kämpfe dafür, dass ihre Mitglieder nicht Opfer unhaltbarerer Zustände würden, sondern Gestalter ihrer Arbeitswelt. „Mitbestimmung ist dank uns allen zu einem nicht mehr wegzudenkenden Faktor in unserem Leben geworden.“ Die Demokratie lebe von Debatten, dem Miteinander und einer klaren Werteorientierung.
„Wir sind stark, weil wir viele sind. Wir repräsentieren Hunderttausende von Beschäftigten aus einigen der zentralen Industriebranchen in Deutschland." Die Mitglieder hätten ein Recht, ihre Arbeitswelt mitzugestalten und die Gesellschaft wieder ein Stück menschlicher und gerechter zu machen. „Wir kämpfen für den Fortschritt.“
Doch leider sei auch festzustellen, dass sich in der Gesellschaft eine Tendenz der Respektlosigkeit breitmache, dass der Schlagabtausch von Argumenten ersetzt werde durch kaltes Zetern und Hetzen. „Dass aus sozialem Gedankengut asoziales, rassistisches Gedankengut wird.“ Mit großer Sorge verfolge sie den Weg einer gefährlichen Fremdenfeindlichkeit, sagte die Referentin. Nicht nur in Deutschland.
Eine gefährliche Tendenz als Ausdruck einer tiefen Verunsicherung. „Unser gemeinsames Europa steckt in einer schlimmen politischen Krise.“ Flüchtlingsströme forderten Mut und Engagement. „Viele Errungenschaften der Nachkriegszeit, die für junge Menschen wie mich nie hinterfragt wurden, weil sie ja schon immer da waren, erscheinen heute gar nicht mehr als so selbstverständlich.“ Aber: „In Krisenzeiten hilft kein Jammern.“
Bundestagsabgeordneter Uli Grötsch (SPD) forderte die Gewerkschafter auf, bei der kommenden Europawahl demokratisch zu wählen. Sein Dank galt der Beharrlichkeit der Jubilare.
Bis zu 70 Jahre dabei
Für 70 Jahre Treue wurden Lilly Schuerer und Herbert Zimmermann geehrt. Für 60 Jahre Georg Forster, Paul Gollwitzer, Peter Reichenberger, Werner Rupp und Heide Wolfram. Für 50 Jahre Albert Rauch, Ludwig Petersilge, Berta Neumann, Rudolf Lindner, Anna Lehner, Oswald Köstler, Gert Köhler, Niko Brikic, Rita Brost, Gerhard Buettner, Reinhard Burger, Johann Burkhard, Josef Ditz, Josef Drachsler und Lidiya Jene.
Für 40 Jahre Wolfgang Zitzler, Johann Schwarz, Ernst Stark, Karl Heinz Tröger, Marga Übelacker, Roswitha Weiß, Michael Ziegler, Johann Meier, Jakob Mutzbauer, Monika Poetzl, Otto Pöllmann, Erwin Raab, Manfred Peter, Wolfgang Hartich, Harald Reber, Michael Hauch, Alfred Heinl, Thomas Beer, Heidrun Benedikt, Gerlinde Brandner, Magdalena Bruckner, Salih Cinar, Alfred Eckert, Ursula Ermer, Klaus-Jürgen Feder, Karl Fischer, Herbert Geiler, Johann Bauderer und Peter Bauer. Für 25 Jahre Jürgen Albert, Kornelia Amann-Zeis, Monika Franzke und Stefan Franzke.




















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