Weiden in der Oberpfalz
23.01.2026 - 08:04 Uhr

Indie-Folk im Treppenhaus bei der "Sünde" in Weiden mit Pollyanna

Mit Gitarre, Mikrofon und viel Gefühl gastiert Pollyanna im alten Ring-Kino. In der Konzertreihe „Klein & Kunst“ beweist die französische Singer/Songwriterin, dass es für gute Musik keine große Bühne braucht.

Pollyanna bei "Klein & Kunst". Bild: Kunz
Pollyanna bei "Klein & Kunst".

Im Treppenhaus der "Sünde" im alten Ring-Kino wurde es immer dann still, wenn die Singer/Songwriterin Pollyanna ihre Gitarre anhob. Es sei denn, sie erklärte dem Publikum gerade ihren folgenden Song. Die Französin brauchte keine große Bühne, keinen Scheinwerferzauber. Nur ihr Mikrophon und ihre Klampfe.

Die Musikerin sang ihre Lieder so, als habe sie sie gerade erst niedergeschrieben. Das war auch einer der Gründe, wieso ihr Konzert zur "Klein & Kunst"-Reihe passte. Am Donnerstagabend zeigte sich nämlich einmal mehr, wie nah Musik und Zuhörer sich kommen können, wenn man sie nur lässt.

Allein auf der Bühne

Pollyanna ist das Indie-Folk-Projekt der Sängerin Isabelle Casier. Allein auf der Bühne, ganz in Schwarz gekleidet, erzählte sie mit ruhiger Stimme von kleinen Beobachtungen und großen Gefühlen. Ihre Songs handeln von Reisen, vom Anderssein, von Erinnerungen, die bleiben und von Momenten, die man leicht übersehen kann. Mal nachdenklich, mal mit feinem Humor. Etwa dann, wenn sie Rocker liebevoll aufs Korn nimmt oder Alltagssehnsüchte besingt.

Das Publikum saß auf den Treppenstufen und rund um die kleine Spielfläche. Man war nah dran, spürte jedes leise Lächeln zwischen den Zeilen. Casier schreibt auf Englisch, doch ihre Texte tragen spürbar eine französische Handschrift: Sie sind poetisch, ein wenig gesellschaftskritisch. Dass sie früher als Journalistin gearbeitet hat, merkt man ihren Liedern an. Sie schaut genau hin, beobachtet Menschen und Situationen und formt daraus Geschichten.

Die besondere Atmosphäre

Auch Stücke aus ihren drei Alben "Spring", "Man Time" und "The Mainland" fanden ihren Platz. Traurige Lieder, nachdenkliche, und immer wieder solche, die trotz Melancholie etwas Leichtes behalten. Etwa ein Song, der von ihrer Mutter beeinflusst ist, die nachmittags Vögel durchs Fenster beobachtet oder ein anderer über den Lockdown und ein Liebespaar, das sich jeden Tag zur gleichen Uhrzeit traf, bis sich eines Tages alles verschob.

Die Konzertreihe "Klein & Kunst" lebt von dieser besonderen Atmosphäre, die Stefan Voit seit Jahren und zuletzt jetzt in der "Sünde" pflegt. Es geht nicht um die großen Events. Die überlässt er anderen. Ihm geht es um Abende, die nachwirken.

 
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