01.03.2019 - 18:27 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

"Investieren Sie 90 Tage Power"

Der Fördermittel-Experte Kai Schimmelfeder spricht auf Einladung von Oberpfalz-Medien. Er bietet Wege durch den Förderdschungel.

von Helmut KunzProfil

Die Co-Finanzierung notwendiger Unternehmensinvestitionen mit öffentlichen Förderprogrammen führt zu mehr Unternehmenserfolg und Zukunftssicherheit, erklärte Kai Schimmelfeder am Donnerstagabend in seinem Premiumvortrag "Erfolgsfaktor Fördermittel" im Oberpfalz-Medien-Verlagsgebäude. Der Hamburger orientiert sich seit über zwanzig Jahren als Fördermittel-Experte direkt am Unternehmensgeschehen.

"Fördermittel haben eine direkte Auswirkung auf die finanziellen Möglichkeiten eines Unternehmens", sagte der Business-Experte. "Das ist eine Co-Finanzierung. Ich kaufe eine Maschine und finanziere einen Teil davon anders als nur über meine Bank. Dann habe ich weniger Kosten im Unternehmen, und dadurch habe ich dann mehr an Gewinn. Mehr Gewinn bedeutet mehr Liquidität und mehr Zukunftsfähigkeit."

Mehr als 5100 Programme

Das machte er anhand von Beispielen deutlich. Angenommen, die Ausgangsposition sei dieselbe, dann könne die Gewinnspanne vor Steuern bei öffentlich geförderten und nicht geförderten Unternehmen nach zehn Jahren um Millionen auseinanderklaffen. Eine weitere Erkenntnis: Wenn Unternehmenslenker das Thema öffentliche Fördermittel betrachteten, könne durchaus der Gedanke aufkommen, die Europäische Union stecke viel Geld in Fördertöpfe, in die man nur hineinzugreifen brauche. "Doch ganz so einfach ist es dann doch nicht. Was es an Förderung für welche Investition zu beantragen gibt, und wie aus den mehr als 5100 Förderprogrammen auf europäischer Ebene die richtigen Förderungen genutzt werden können, dazu braucht es die richtigen Informationen im Unternehmen." Oft täten sich kleinere und mittlere Unternehmen schwer, eine Förderung zu erlangen. Wichtige Voraussetzungen bei Förderprojekten deshalb: "Immer vor der geplanten Investition den richtigen Antrag mit den richtigen Inhalten stellen."

Investitionen, die durch öffentliche Förderprogramme co-finanziert werden könnten, gebe es sehr unterschiedliche. Schimmelfeder nennt Beispiele: Der Kauf von Maschinen und Geräten, der Kaufpreis bei einem Unternehmenskauf, die Personalkosten bei Innovationsprojekten und Entwicklungen. Aktuell sei das Thema Digitalisierung ein Schwerpunkt bei den Förderprogrammen des Bundes und der Länder. Dazu gehörten auch Cyberkriminalität und Investitionen für den Schutz der Datensicherheit. Auch das Segment der Start-ups könne auf viele öffentliche Förderprogramme zugreifen und so durch eine Co-Finanzierung die risikoreiche Startphase finanziell besser durchleben. Immer mehr Unternehmen setzten Investitionen in Virtual Reality und künstliche Intelligenz auf die Investitionsliste.

Mit den öffentlichen Förderprogrammen werde der Wunsch der deutschen Wirtschaftspolitik - "Deutschland ist weltweit das best strukturierte Förderland" - zum Ausdruck gebracht, dass mehr Unternehmen angehalten würden, mehr in die Zukunft zu investieren. Dass das Thema der öffentlichen Förderung immer ein Thema für die Prioritätenliste der Wirtschafts- und Finanzminister sei, lasse sich an den vielen Gesetzen und Verordnungen erkennen, die mit der Beantragung der Förderprogramme verbunden seien.

100 Unternehmer

An die 100 Unternehmer und Wirtschaftskapitäne zwischen Schwandorf und Liebenstein im Publikum appellierte Schimmelfeder, keine Scheu zu haben, bei öffentlichen Fördermitteln kräftig zuzugreifen. "Es wird deswegen keiner hungern, wenn Sie 300 000 Euro bekommen. Das Geld ist schon da." Der größte Feind und Killer einer besseren und erfolgreicheren Zukunft sei Selbstzweifel. Eine Vielzahl unterschiedlichster Finanzierungshilfen sei besonders auch für kleine und mittlere Unternehmen mit weniger als 250 Mitarbeitern aufgelegt.

Öffentliche Fördermittel schafften Zinsvorteile, Wachstumssprünge, eine verbesserte Bonität, geringere Lohnkosten und höhere Gewinne. Schimmelfeder garnierte seinen Vortrag mit Motivationsbildern aus seinem eigenen Leben. Natürlich koste die Vorbereitung auf den Griff in die Fördertöpfe in der Anfangsphase einen immensen zeitlichen Aufwand. Unternehmertum sei Leidenschaft. Zum Projektablauf: "Investieren Sie 90 Tage Power. Dann geht's ab."

An die Zuhörer verteilte Schimmelfeder kostenlose Starterpakete zum Einloggen. "Ich hoffe, dass uns die Unternehmer, sobald sie ihre Investitionen darstellen können, uns das zuschicken, damit sie ins Handeln kommen", sagte der Berater. Denn: "Wir führen Unternehmen erfolgreich durch den Fördermittel-Dschungel, damit mehr Geschäftschancen umgesetzt werden."

800 Förderprogramme in Bayern:

Vom Digitalbonus bis zum Innovationsgutschein

Allein in Bayern gibt es 280 Zuschuss-Programme allein für den Mittelstand. 800 Förderprogramme sind in der Förderregion Oberpfalz und Franken möglich. Unter anderem können beantragt werden: Beteiligungskapital für kleine und mittlere Unternehmen und Existenzgründer, für Investitionen ins Unternehmen. Ferner der Digitalbonus Bayern, der Hardware, Software und IT-Sicherheit fördert. Das Sonderprogramm „Energieeffizienz und erneuerbare Energien“ zur Energieeinsparung, die EU-Strukturförderung, das Programm „Investitionen in Wachstum und Beschäftigung“, die Gründungsförderung, hier im Speziellen Zuschüsse zu Beratungskosten im Zuge einer Gründung. Innovationsgutscheine, Zuschüsse für kleine Unternehmen und Handwerksbetriebe aus Bayern für externe Entwicklungsleistungen und wissenschaftliche Beratung. Mittelstandsförderung mit zinsgünstigen Förderkrediten, Technologieförderung für technologieorientierte Unternehmensgründungen. Die „Initiative Gründer 50+“ für die Generation der über 50-jährigen Fachkräfte bei der Unternehmensgründung und der Wachstumsfonds Bayern, speziell für Startups, damit mehr Startups Wachstumskapital bekommen.

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