13.05.2020 - 11:33 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Jägerverband will Kitztod zusammen mit Landwirten verhindern

Die erste Mahd wird jedes Jahr zur Todesfalle für Tausende von Jungtieren. Hans Dittrich vom Jagdschutz- und Jägerverband Weiden/Neustadt bittet die Landwirte, sich eng mit ihren Jägern vor Ort abzustimmen.

Rehkitze wie diese Zwillinge nahe Weiden werden im Frühjahr gesetzt und sind gefährdet, sobald die Landwirte ihre Wiesen zum ersten Mal im Jahr mähen. Bei Gefahr laufen die kleinen Rehe nämlich instinktiv nicht weg, sondern "drücken sich" an den Boden. Gegen natürliche Feinde ist dies eine erfolgreiche Strategie, einem Mähwerk entgehen die Tiere dadurch aber nicht. Wenn sie Glück haben, werden sie vor der Mahd entdeckt und aus der Wiese getragen.
von Externer BeitragProfil

Allein rund 100.000 Rehkitze werden laut Bayerischer Landesanstalt für Landwirtschaft jährlich bei der ersten Grünlandmahd grausam verstümmelt oder getötet. Denn die Futterernte fällt mit der Brut- und Setzzeit von Rehkitzen, Junghasen und Wiesenbrütern zusammen, die in Wiesen und Grünroggen ihren Nachwuchs sicher wähnen.

Das Problem: Die Jungtiere laufen auch bei großer Gefahr nicht weg, sondern drücken sich instinktiv in ihr Versteck. Maschinen mit großer Arbeitsbreite fahren oft mit hoher Geschwindigkeit über die Felder. Da haben die Tiere keine Chance mehr. Die Jäger rufen Landwirte deshalb zur engen Abstimmung und Zusammenarbeit auf.

„Landwirte und Jäger stehen gemeinsam in der Verantwortung, etwas gegen den Mähtod zu tun. Die einen aus jagdethischer Verpflichtung heraus, die anderen von Gesetzes wegen", klärt Hans Dittrich, Vorsitzender des Jagdschutz- und Jägerverbandes Weiden/Neustadt, einer Kreisgruppe des Landesjagdverbandes (BJV), auf.

„Am wichtigsten ist die gute Abstimmung zwischen dem Landwirt und seinem Jäger. Wir müssen es einfach rechtzeitig wissen, wann gemäht wird, nicht erst eine Stunde vor dem Mähen. Denn nur dann können auch wir rechtzeitig aktiv werden. Schließlich wollen wir doch alle vermeiden, dass Tiere so grausam zu Tode kommen.“

Um die Jungtiere zu retten, sind in den nächsten Wochen wieder Hunderte von Jägern mit ihren Hunden unterwegs, um die Wiesen und Futterfelder nach Kitzen und Junghasen abzusuchen. Auch stellen viele Jäger am Rand der Wiese Scheuchen auf, die die Rehe dann verunsichern sollen.

Kitzrettung aus der Luft

Immer öfter übernimmt heute eine Drohne die Suche nach dem versteckten Nachwuchs. Das ist die sicherste Art, die Kitze zu finden, denn die Drohnen arbeiten mit einer Wärmebildkamera. Mit Hilfe dieser Koordinaten kann der Jäger die Jungtiere in der Wiese schnell finden und bergen. Das kommt auch den Landwirten zugute. Sie können ihre Wiesen ohne Unterbrechung und ohne Zeitverlust mähen, entscheidend im engen Zeitfenster für die Futterernte.

Auch die richtige Mähstrategie hilft, Jungtiere vor dem Mähwerk zu schützen. Beim Grünlandschnitt muss – so verlangt es das neue Artenschutzgesetz – die Wiese grundsätzlich von innen nach außen gemäht werden, damit Rehe, Hasen und Fasane während der Mahd noch die Möglichkeit zur Flucht haben.

 

 

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