Die Philatelie ist und bleibt eine der großen deutschen Sammelleidenschaften. Hinter diesem großen Wort, das außerhalb eingeweihter Kreise kaum jemand wirklich verstehen wird, verbirgt sich ein Klassiker: das Briefmarkensammeln. “Wer das ernsthaft machen will, kommt am Service- und Versandzentrum der Post in Weiden kaum vorbei”, sagt Sieglinde Ostermeier, die Leiterin des Kundenservices vor Ort.
Vor nunmehr 20 Jahren verließ das erste Paket die Hallen im Gewerbegebiet Brandweiher, wo die Versandzentren Weiden, Frankfurt und Berlin zusammengelegt worden waren – inzwischen sind es täglich 30.000, bearbeitet von 450 Mitarbeitern. Einen „Meilenstein für Philatelisten“ nennt Ostermeier das beim Jubiläumsfest im „Mekka der Philatelie“.
Briefmarken- und Münzensammler
“Jede Briefmarke, die in Deutschland verschickt wird, kommt aus diesen Hallen in Weiden.” Seien es zu Beginn nur die Sammler gewesen, bedient das Versandzentrum inzwischen jeden, der eine Briefmarke braucht: Privatleute, Geschäftskunden und die Shops der Deutschen Post selbst. Und es bedient noch eine zweite Leidenschaft: die der Münzensammler.
Doch im Zentrum stehen hier nach wie vor die Philatelisten – Menschen, die ein Hobby, nein, eine Leidenschaft teilen, die so vielseitig wie dynamisch ist. “Einige sammeln Briefmarken mit bestimmten Stempeln, andere wollen entwertete Marken, andere nur die, die in einem Zehner-Abzug nur in einer Ecke kleben, andere die aus der Mitte.” Fast jeder einzelne Sammler habe seine eigene Nische. “Jeder definiert seinen eigenen Sammel-Erfolg.”
Um all diese Bedürfnisse bedienen zu können, stehe man in Kommunikation mit den Kunden aus dem gesamten Bundesgebiet. Die meisten Sammler haben ein Abo mit den Weidenern abgeschlossen. “Die Zufriedenheit liegt bei 98 Prozent” sagt Ostermeier. Die Abos sind so individuell wie die Leidenschaften: “Einige wollen monatlich die neuen Marken, andere viertel-, wieder andere halbjährlich. Es gibt sogar die, die ein Doppel-Abo haben, die sowohl Münzen als auch Briefmarken sammeln.”
Die Blüten, die die Sammel-Leidenschaft treibt, überraschen auch eine Veteranin wie Sieglinde Ostermeier doch immer wieder. “Es gibt Leute, die suchen sich die verrücktesten Themen. Wir haben jemanden, der bei uns immer wieder die Marken mit Zahnärzten bestellt – Zahnärzte! Teilweise sind das noch Exemplare aus der Zeit des Ersten Weltkrieges.”
Guter Zweck
Doch die Philatelie ist nicht nur Selbstzweck – sie ist auch ein Weg, Gutes zu tun. “Es gibt die sogenannten Zuschlagsmarken”, erklärt Ostermeier. “Die kosten zwar mehr, aber die Differenz geht an wohltätige Zwecke – beispielsweise an Wohlfahrtsverbände oder in die Jugendhilfe.”
So vielfältig die Sammlungen, so vielfältig seien auch die Sammler selbst, sagt Ostermeier: “Natürlich reden wir hier von einem eher klassischen Hobby. Dennoch: Es gibt eine ganze Menge Jugendarbeit.” Die werde vor allem auf Messen gemacht, wo junge Sammler über modernere Themen gewonnen werden. “Das wären beispielsweise Autos – die kommen bei der Jugend recht gut an.” Sorgen um die Zukunft der Philatelie macht sich Ostermeier nicht. “Nein, die Verbände leisten gute Arbeit – auch und gerade für den Nachwuchs.”
Das ist die Philatelie
- Definition: systematisches Sammeln von Postwertzeichen und Erforschung postgeschichtlicher Dokumente
- Klassische Philatelie: Beschäftigung mit den Marken bestimmter Staaten oder Zeiträume
- Motivsammlungen: Sammeln von Briefmarken aus aller Welt mit bestimmten Motiven wie Autos oder Zahnärzten
- Szene in Deutschland: Laut des Bundes Deutscher Philatelisten bis zu zwei Millionen Sammler, davon 30.000 in 900 Vereinen organisiert




















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