Dieser Beitrag ist Teil einer Serie von Artikeln im Jubiläumsjahr von Oberpfalz-Medien. Viele davon sind in einer Beilage unserer Tageszeitungen am 30. Mai 2026 erschienen.
80 Jahre Der neue Tag, 30 Jahre Onetz, 15 Jahre Druckzentrum und 10 Jahre Dachmarke Oberpfalz-Medien: Im laufenden Jahr gibt es für Oberpfalz-Medien Grund genug innezuhalten und zu feiern. Im Interview für diese Jubiläumsbeilage blicken Gesellschafterinnen und Geschäftsführung aber vor allem nach vorne. Eine Standortbestimmung.
ONETZ: Welche Themen werden für unsere Region in den nächsten zehn Jahren entscheidend sein – und warum?
Johannes Zettl: Aus meiner Sicht werden drei Themen ganz zentral sein: Wirtschaftskraft sichern, Fachkräfte halten und gewinnen und unsere Region als lebenswerten Standort erlebbar machen. Die Oberpfalz steht vor einem spürbaren demografischen Wandel – wir werden älter, vielfältiger und die Konkurrenz um Talente wird härter. Gleichzeitig verändern Digitalisierung und Automatisierung viele Geschäftsmodelle, gerade im Mittelstand. Unsere Rolle sehe ich darin, diese Entwicklung aktiv zu begleiten: mit unseren Medienangeboten, mit Reichweite und journalistischer Einordnung, aber auch mit Logistik- und Kommunikationslösungen für Unternehmen. Wir verbinden Menschen, Institutionen und Unternehmen in der Region – ob durch Nachrichten, digitale Plattformen oder die zuverlässige Zustellung von Produkten bis in die Fläche. Wir verstehen uns als „regionaler Kümmerer“ und wollen zu einer Art „Infrastruktur für Information und Versorgung“ werden: Wir informieren, wir vernetzen und wir bringen Dinge von A nach B – sowohl im B2C- als auch im B2B-Bereich.
Viola Vogelsang-Reichl: Ich erlebe im Austausch mit Politik, Wirtschaft und den Menschen der Region, dass die Oberpfalz in den kommenden Jahren vor allem zwei Dinge braucht: Zuversicht und sichtbare Erfolgsbeispiele. Wir müssen zeigen, dass die Oberpfalz ein Standort ist, an dem man gut leben, lernen, arbeiten und gründen kann. Dazu leisten wir als Oberpfalz-Medien gerne unseren Beitrag, indem wir Plattformen für Austausch und Dialog schaffen: von Berichterstattung über regionale Initiativen bis hin zu Events, bei denen Wirtschaft, Politik, Bildung, Bürgerinnen und Bürger zusammenkommen. Wir rufen daher auch einen Wirtschaftspreis ins Leben. Wenn wir es schaffen, die vielen engagierten Menschen und Unternehmen sichtbar zu machen, stärken wir das Wir-Gefühl – und genau das braucht eine Region, die gesund wachsen will.
ONETZ: Wie sehen Sie, Frau Vogelsang-Reichl, Frau Dr. Shanahan-Kleikamp, Frau Pistor, Ihre Aufgabe als Gesellschafterinnen: nur abzubilden oder aktiv zu gestalten?
Viola Vogelsang-Reichl: Nur zu verwalten würde unserer Verantwortung gegenüber den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, der Region und der Unternehmensgeschichte nicht gerecht. Wir verstehen uns ganz bewusst als gestaltende Gesellschafterinnen. Ich selbst bin seit Jahren aktiv in der Geschäftsführung. Durch meine beruflichen Wurzeln als Redakteurin und mein Engagement in verschiedenen Netzwerken kenne ich sowohl die Perspektive der Leserinnen und Leser und der regionalen Akteure als auch die journalistische Verantwortung. Für mich heißt gestalten auch, die Unabhängigkeit unseres Hauses zu bewahren und unsere Rolle als verlässliche Stimme der Region zu stärken.
Dr. Stefanie Shanahan-Kleikamp: Ich erlebe diese Rolle seit Anfang des Jahres sehr konkret in der operativen Arbeit. Mit dem Aufbau eines zentralen Marketings, für das wir uns sehr bewusst entschieden haben, schaffen wir eine Einheit, die unsere Marken klar positioniert, Innovation strukturiert verankert und die Kundinnen und Kunden konsequent in den Mittelpunkt stellt. Gestalten heißt für mich: neue Formate testen, Feedback aus dem Markt einholen, im Zweifel auch mal einen Prototypen wieder verwerfen – und aus all dem eine lernende Organisation machen. Wir sind ein Familienunternehmen, aber wir wollen in Tempo und Professionalität auf Augenhöhe mit den Besten im Markt agieren.
Sabine Pistor: Ich ergänze das gerne um die strategische Perspektive. Als Gesellschafterinnen tragen wir Verantwortung für die langfristige Entwicklung des Unternehmens. Unsere Aufgabe ist es, der Geschäftsführung den strategischen Rahmen und die finanzielle Stabilität zu geben, um mutig voranzugehen. Das bedeutet, Entscheidungen zu hinterfragen, Impulse zu geben und gleichzeitig Stabilität zu sichern. Wir schauen uns zum Beispiel sehr genau an, welche Investitionen in Technologie, Personal und Strukturen notwendig sind, damit wir unsere Rolle als regionaler Kümmerer auch in zehn oder zwanzig Jahren noch glaubwürdig erfüllen können. Diese Balance aus Kontinuität und Weiterentwicklung ist für mich der Kern unserer Rolle – und eine große Chance, das Unternehmen nachhaltig zu prägen.
ONETZ: Wie verhindern Sie, dass Innovation nur ein Schlagwort bleibt?
Johannes Zettl: Indem wir Innovation konkret machen und fest in unserer Organisation verankern. Wir haben bereits vor einigen Jahren bewusst die Entscheidung getroffen, Innovation strukturell zu verankern und eine eigene Innovationsmanagerin ins Unternehmen geholt. Diesen Bereich entwickeln wir seither konsequent weiter und stärken ihn gezielt – weil wir überzeugt sind, dass Innovation kein Projekt ist, sondern ein dauerhafter Prozess.
Dr. Shanahan-Kleikamp: Wir schaffen bewusst Formate, in denen neue Ideen entstehen können – und wir öffnen uns dabei auch nach außen. Austauschformate mit unseren Kundinnen und Kunden oder Partnern helfen uns, gemeinsam an Zukunftsthemen zu arbeiten. Wichtig ist uns dabei: Innovation ist kein Selbstzweck. Sie muss immer einen echten Mehrwert schaffen – für unsere Kunden und für die Region.
Johannes Zettl: Und natürlich braucht Innovation die richtige Kultur. Menschen müssen das Gefühl haben, dass sie Dinge ausprobieren dürfen und dass neue Ideen willkommen sind. Themen wie Vertrauen, Qualität und Medienkompetenz spielen dabei eine zentrale Rolle. Wir wollen nicht nur technologisch innovativ sein, sondern auch inhaltlich Verantwortung übernehmen.
ONETZ: Welche Rolle wird Print in der Zukunft des Medienhauses spielen?
Thomas Maul: Für viele Menschen in der Region ist unsere Tageszeitung nach wie vor ein tägliches Ritual und ein wichtiges Stück Heimat. Gleichzeitig beobachten wir eine Veränderung der Mediennutzung: Viele Menschen informieren sich heute tagsüber über Apps, Websites und Newsletter und abends vielleicht noch einmal vertiefend in der Print-Ausgabe. Print bleibt ein wichtiges Standbein, aber nicht als nostalgisches Relikt, sondern als qualitativ hochwertiges Produkt, das wir konsequent weiterentwickeln, beispielsweise in Form von Spezialausgaben, Magazinen oder Angeboten für bestimmte Zielgruppen. Die Werte unserer Gründer – Verlässlichkeit, Unabhängigkeit und Nähe – sind nach wie vor gültig. Die Kanäle, über die wir sie transportieren, werden jedoch vielfältiger.
Viola Vogelsang-Reichl: Viele Menschen verbinden mit der Zeitung ein Stück Orientierung im Alltag. Dieses Vertrauen ist für uns wichtig, Print wird weiter eine bedeutende Rolle spielen. Wir wollen aus den starken Print-Marken NT, AZ und SRZ auch digitale Erlebnisse entwickeln, die genauso glaubwürdig und nahbar sind. Print und Digital sind für uns kein Entweder-oder, sondern ein sinnvolles Sowohl-als-auch.
ONETZ: Wann hatten Sie zuletzt Zweifel, ob Ihr Kurs der richtige ist?
Johannes Zettl: Ich würde es nicht als Zweifel bezeichnen, sondern als bewusste und regelmäßige Reflexion. Wir hinterfragen unseren Kurs kontinuierlich – gerade weil sich das Umfeld so schnell verändert. Diese Reflexion ist kein Zeichen von Unsicherheit, sondern von Professionalität: Wir wollen sicherstellen, dass unser Kurs langfristig trägt – für unsere Kundinnen und Kunden, unsere Partner und unsere rund 2000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Sabine Pistor: Wir hinterfragen vor diesem Hintergrund natürlich regelmäßig: Investieren wir genug – oder investieren wir zu viel? Haben wir das richtige Tempo in der Transformation? Gerade bei größeren Projekten oder neuen Geschäftsmodellen ist das eine sehr relevante Frage. Diese Entscheidungen treffen wir aber immer entlang klarer strategischer Leitplanken: Stärkt das unser Rolle in der Region? Erhöht es die Relevanz für unsere Kundinnen und Kunden? Macht es uns robuster für die Zukunft? Wenn wir diese Fragen guten Gewissens mit „Ja“ beantworten können, dann gehört ein gewisses Maß an Risiko einfach dazu.
ONETZ: Was war die schwierigste Entscheidung in der digitalen Transformation: Technologie, Kultur oder Geschäftsmodell?
Johannes Zettl: Die größte Herausforderung liegt für mich eindeutig in der Kultur. Transformation bedeutet Veränderung – und die muss von den Menschen getragen werden. Unser Anspruch ist es, diesen Prozess so zu gestalten, dass möglichst viele ihn mitgehen und aktiv mitgestalten können.
Dr. Stefanie Shanahan-Kleikamp: Gleichzeitig zwingt uns die Transformation dazu, unser Geschäftsmodell immer wieder neu zu denken. Wir müssen uns fragen: Welche Leistungen sind künftig relevant? Wo schaffen wir echten Mehrwert?
Thomas Maul: Das Tolle ist, dass viele gute Ideen direkt aus dem Unternehmen selbst kommen. Diese Dynamik bewusst zu fördern und in konkrete Angebote umzusetzen, ist für mich eine der wichtigsten Aufgaben.













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