03.07.2019 - 10:33 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Jugendliche ohne Ausbildung sollen Glück finden

Kaum zu glauben aber wahr: Die Zahl der berufsschulpflichtigen Jugendlichen ohne Ausbildung nimmt seit Jahren nicht ab. Die Europaberufsschule will dies nicht hinnehmen.

Abteilungsleiter Manfred Wichmann von der Europaberufsschule Weiden zeigt beim Koordinierungsgespräch über Jugendliche ohne Ausbildung Bilder aus dem Projekt Seifenkiste.
von Siegfried BühnerProfil

„Die Wirtschaft floriert, aber wir haben nach wie vor rund Hundert Jugendliche ohne Ausbildung“, stellte Europaberufsschulleiter Josef Weilhammer fest. Damit es zukünftig besser gelingen kann, diesen Personenkreis doch noch in Ausbildung oder das Berufsleben einzugliedern, hatte Weilhammer zu einem Koordinierungsgespräch eingeladen. Vertreter von Bildungsträgern, Kommunen, IHK und HWK kamen trafen sich, um mit Berufsschullehrern das Thema zu erörtern.

Mit Beispielen machte Weilhammer das Thema anschaulich. „Viele haben sich schon längst selbst aufgegeben“, berichtete der Schulleiter. Angesprochen auf ihre Note fünf oder sechs in Deutsch würde man zur Antwort bekommen: „Das habe ich doch schon immer gehabt.“ Manche seien durchaus sehr intelligent, aber „das Selbstwertgefühl fehlt ihnen komplett und Misserfolgserlebnisse stecken in den Köpfen“. Der Leiter der Abteilung Integration an der Europaberufsschule Manfred Wichmann zeigte die drei Säulen auf, auf denen die Arbeit mit dieser Gruppe berufsschulpflichtiger Jugendlicher ohne Ausbildungsplatz (Joas) derzeit basiert. Gut die Hälfte kommt einmal in der Woche zum Berufsschulunterricht mit überwiegend allgemeinbildenden Fächern. „Was diese Jugendlichen sonst machen, wissen wir meistens nicht“, sagte Wichmann. Derzeit würden Planungen des Gesetzgebers laufen, Vollzeitklassen verbindlich vorzuschreiben. Freiwillig in Vollzeitklassen befindet sich die andere Hälfte der Joas. Eine davon ist im Metallbereich angesiedelt, die andere kaufmännisch ausgerichtet. Allgemeinbildende Fächer stehen neben den berufsbildenden Inhalten. Ein externer Mittelschulabschluss bis hin zum Quali ist möglich.

Berufsschulpflicht ist nach einjähriger Teilnahme an der Vollzeitklasse abgegolten. Mit Projekten, wie zum Beispiel dem Bau einer Seifenkiste für das Weidener Seifenkistenrennen, wird versucht Theorie „nebenbei aktiv“ zu vermitteln, berichtete Wichmann. Nachgedacht werde an der Berufsschule darüber, wie man die Betreuung der Vollzeitklassen weiter verbessern könne. Dringend erforderlich seien zusätzliche Betriebe, die Praktikumsplätze für diese Jugendlichen anbieten. „Man sollte auch über eine kleine finanzielle Unterstützung und sei es nur ein Taschengeld nachdenken“, meinte Wichmann. An IHK und HWK richtete er die Bitte, durch Zertifizierung von Teilqualifikationen den Jugendlichen zu Erfolgserlebnissen zu verhelfen. Auch sei die sozialpsychologische Betreuung durch eine Vollzeitkraft nicht ausreichend. Zu rechnen sei allerdings mit einer zweiten Sozialpädagogin im kommenden Jahr. „Wir wollen nicht aus allen Schülern am Ende Ärzte machen, aber ihnen zeigen, wo sie ihr kleines Glück finden“, sagte Weilhammer.

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