17.05.2019 - 17:21 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Jugendliche stürmen Wahllokale in Weiden

Auf den ersten Blick geht es um nichts. Trotzdem ist die Beteiligung bei der Jugendwahl zur Europawahl an acht Weidener Schulen gewaltig. Schüler und Veranstalter erklären, warum.

Weil die meisten Schüler klassenweise zur Abstimmung erscheinen, herrscht in den Wahllokalen zeitweise reger Betrieb.
von Tobias GräfProfil

Michelle Braun (17), Vanessa Müller (18) und Katharina Faltlhauser (17) haben in der Mensa des Augustinus-Gymnasiums hinter einem langen Tisch Platz genommen. Vor ihnen sind Wählerverzeichnis, Dokumentationsbögen und die Wahlurne platziert, im Raum dahinter stehen sechs Wahlkabinen. Die drei Elftklässlerinnen haben sich freiwillig als Wahlhelferinnen für die Jugendwahl zur Europawahl gemeldet und beaufsichtigen die Abstimmung ihrer Mitschüler.

Kaum Wahlverweigerer

Über mangelnde Beschäftigung können sich die jungen Frauen nicht beklagen: Die Beteiligung an den Jugendwahlen ist traditionell hoch, üblicherweise nehmen nahezu alle Schüler an der Abstimmung teil. Ziel ist, Minderjährige mit demokratischen Abläufen vertraut zu machen und ihnen etwaige Unsicherheiten zu nehmen. Die scheint es nicht zu geben: Bei der vergangenen Landtagswahl setzten über 80 Prozent der Schüler ihr Kreuz. Meist bleibt nur fern, wer krank ist oder am Wahltag eine wichtige Prüfung schreibt.

Die Jugendwahl findet immer neun Tage vor dem regulären Wahltermin statt und wird 2019 an acht weiterführenden Weidener Schulen praktiziert. Die Abstimmung ist symbolisch und läuft unter den gleichen Bedingungen ab wie bei der Erwachsenenwahl. Insgesamt sind knapp 3000 Schüler ab der achten Klasse (14 Jahre und älter) berechtigt, ihr Kreuz zu setzen.

Im Abstimmungszeitraum zwischen 8 und 13 Uhr strömen die Schüler klassenweise an die Urnen, vor den Kabinen herrscht schlagartig großer Andrang. "Die Wahl ist freiwillig, niemand wird zu etwas gezwungen. Genau wie bei der richtigen Abstimmung", erklärt Nina-Berrit Tannebaum, Lehrerin für Bio und Chemie am Augustinus-Gymnasium. Liegt die Ursache für die außerordentlich hohe Beteiligung womoglich daran, dass die Wahl während dem Unterricht stattfindet? "Ja, das ist sicherlich auch ein Grund. Aber das klingt so negativ, in erster Linie sollen die Jugendlichen mit demokratischen Prozessen in Berührung kommen, und das ist wirklich wichtig." Dafür nehme sie auch gerne eine "kurze Unterbrechung im Unterricht" in Kauf, sagt die Pädagogin.

Botschaft für Politiker

Weil Stadtjugendring (SJR) und Jugendforum die Wahl gemeinsam ausrichten, befindet sich die Wahlzentrale im Jugendzentrum. Dort laufen nach Abstimmungsende die Ergebnisse der acht Wahllokale bei Kathi Glaser, Florian Graf und Theresa Weidhas ein. Die Drei übernehmen die Auswertung und geben anschließend das Ergebnis bekannt. Glaser: "Das läuft dann überwiegend über soziale Medien, vor allem auf Facebook und auf der Weidener Jugendwahlseite."

Das demokratische Bewusstsein ist bei den Schülern ausgeprägt. So erklärt FOS-Schülerin Melanie Janz, warum sie bereits zum zweiten Mal an der Jugendwahl teilnimmt: "Ich finde es interessant zu sehen, wie die Jugend wählt." Die 17-Jährige weiß, dass die Wahl nur symbolisch ist, "aber das Ergebnis sagt viel über die Einstellung der Jungen aus. Man kann sehen, wie abgestimmt wird, wenn wir volljährig sind". Sie versteht ihre Wahlbeteiligung als eine Botschaft an die Politiker, das Ergebnis der Jugendwahl zu beachten. Wenn Melanie Janz 18 ist, will sie weiterhin zur Wahl gehen: "Wenn ich die Chance habe, wähle ich auch. Es geht um mich und meine Generation. Es ist wichtig, mitzugestalten."

Als Anreiz bekommen alle Wahlhelfer ein sogenanntes "Erfrischungsgeld" in Höhe von 25 Euro. Jacqueline Band, Helferin an der FOS, will das Geld sparen.
Unter Aufsicht von Theresa Falt vom Jugendzentrum sind die Wahlhelferinnen Michelle Braun, Vanessa Müller und Katharina Faltlhauser am Augustinus-Gymnasium für die Abstimmung zuständig.
Die Abläufe der Jugendwahl sind mit jenen der regulären Abstimmung nächsten Sonntag vollkommen identisch.
Weil es bei der Europawahl nur ein Kreuz ist, das gesetzt werden muss, sei die Auswertung "diesmal deutlich leichter" als bei der Landtagswahl, sagt Kathi Glaser vom Stadtjugendring. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Florian Graf wertet sie in der Wahlzentrale die Ergebnisse aus.
Wahlergebnisse:

Klarer Sieg für die Grünen

Die Grünen gehen mit 24,8 Prozent als klare Sieger aus der Jugendwahl hervor. Die CSU liegt mit 17,4 Prozent auf Platz zwei, gefolgt von der SPD (10,2 Prozent), und den Liberalen (6,3 Prozent). Immerhin 6,1 Prozent der Weidener Schüler wählte die AfD auf Platz fünf. Danach folgen die Linke (5,7 Prozent) sowie, knapp dahinter, die Satirepartei Die Partei (5,7 Prozent). Die Freien Wähler (4,4), die Tierschutzpartei (4,3) und die Piraten (1,9) belegen die Ränge acht bis zehn.

Am Urnengang beteiligt waren die Sophie-Scholl-Realschule, die Wirtschaftsschule Gustl-Lang, die Gustav-von-Schlör FOS und BOS, die Pestalozzi-Mittelschule und die Europa-Berufsschule sowie das Elly-Heuss-, Augustinus- und Kepler-Gymnasium. Die Ergebnisse der einzelnen Schulen werden in der Auswertung zusammengefasst.

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