26.10.2018 - 15:49 Uhr
Weiden in der OberpfalzOberpfalz

Justiz fordert Vertrauen ein

Rainer Lehner folgt auf Gerhard Heindl. Er ist neuer Direktor des Amtsgerichts. Der 57-Jährige nutzt die Amtseinführung für ein Plädoyer für Vertrauen in den Rechtsstaat.

Rainer Lehner (Dritter von links, im Bild mit Ehefrau Gertrud) ist neuer Amtsgerichtsdirektor in Weiden. Zur Feier hatte er sich als persönlichen Gast den ehemaligen Vorsitzenden Richter am Landgericht, Günter Pietrucha (links), eingeladen. Auch erst seit 2018 im Amt: OLG-Präsident Dr. Thomas Dickert (Mitte), Landgerichtspräsident Gerhard Heindl (im Bild mit Ehefrau Doris) sowie die neue OLG-Vizepräsidentin Waltraut Bayerlein (rechts).
von Christine Ascherl Kontakt Profil

Weiden. (ca) Plädieren kann er, das weiß man bei der Weidener Justiz seit 1990. In seiner letzten Position vertrat Lehner als Oberstaatsanwalt die Anklage in Schwurgerichtssachen. Am Freitag tritt er für seinen Berufsstand ein: Kritik an der dritten Gewalt sei legitim und nicht immer unberechtigt. Aber wenn der Justiz „in populistischer Weise“ Ignoranz und Loslösung vom Volk unterstellt werde, dann gefährde dies letztlich den Rechtsstaat. Durch das Amtsgericht ergingen jährlich tausende Verfügungen, Beschlüsse, Urteile. Die Mitarbeiter seien dabei an Recht und Gesetz gebunden. An sonst nichts. „Auch in postfaktischen Zeiten.“

Basis für Rechtsfrieden

Ihre Reden waren sicherlich nicht abgesprochen, aber auch Vorgänger Heindl – inzwischen Landgerichtspräsident – ermunterte die Mitarbeiter zu Stolz auf ihre Tätigkeit: Ihre Arbeit sei Basis für Rechtsfrieden in diesem Land. Gerade Weiden gehöre zudem zu den schnellsten Gerichten Bayerns, was die Dauer der Verfahren betrifft. Heindl erinnerte an die Auflösung der Zweigstelle Vohenstrauß 2016: eine Zäsur nach 200 Jahren Gerichtsgeschichte in Vohenstrauß. Die Schließung sei von den Mitarbeitern vorbildlich abgewickelt worden und am Ende – „trotz des Verlustes“ – eine sinnvolle Entscheidung gewesen. Er verwies auf enorme Aufwendungen für Gebäude und Sicherheit.

Innerhalb eines halben Jahres war der neue Präsident des Oberlandesgerichts Nürnberg, Dr. Thomas Dickert, schon zum vierten Mal in Weiden. Zu seinem eigenen Amtsantritt und zum Abschied von Landgerichtspräsident Walter Leupold, zur Amtseinführung von Landgerichtspräsident Heindl – und jetzt zum Einstand von Amtsgerichtsdirektor Lehner. Ein bisschen war’s wie bei „Dinner für One“. Jedes Mal spielt das Blechbläserensemble der Zollkapelle Nürnberg, das hier schon eine Fangemeinde hat. Präsidialkanzlei und Wachtmeisterei entwickeln Routine im Ausrichten von würdigen Feierstunden mit 100 Gästen.

Und Dickert bewährt sich als Festredner. Er bezeichnete Heindl und Lehner als „herausragende Richterpersönlichkeiten“. Heindl habe ein hervorragendes Talent zur „äußerst effizienten Arbeitsorganisation“, zeichne sich durch ausgeprägte analytische Fähigkeiten und nie nachlassende Arbeitsfreude aus. Auch über Lehner hatte Dickert recherchiert. Der 57-Jährige sei schon in jungen Jahren als „Rückgrat seiner Behörde“ bezeichnet worden, als beachtlicher Leistungsträger, der sich schnellstens in neue Anforderungen einarbeite. Dickert vergaß auch sein „gewinnendes, freundliches Wesen“ nicht.

Ein „Keplerianer“

Die Fußstapfen von Heindl kennt Lehner schon: Er folgt ihm zum zweiten Mal, 2013 als Oberstaatsanwalt, jetzt als Amtsgerichtsdirektor. Lehner (wohnhaft im Landkreis Neustadt) hat in seinen fast 30 Dienstjahren die Weidener Justiz nie verlassen. „Obwohl weder in Weiden geboren, noch in Weiden wohnhaft, bin ich mit Kopf und Herz dieser Stadt verbunden“, sagte Lehner. Hier sei er zur Schule gegangen (Kepler), hier habe er seine Frau kennengelernt, hier trat er seinen Dienst bei der Justiz an. Er war in unterschiedlichsten Bereichen tätig: organisierte Kriminalität bis Betreuung. „Ich habe es noch nie bereut.“

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