Die momentane Huldigung von Arbeitnehmern in Dienstleistungsberufen, sollte auch über die Coronakrise hinaus Bestand behalten, fordert die Katholische Arbeitnehmerbewegung (KAB) zum Tag der Arbeit am 1. Mai auf Diözesanebene. Wie der Weidener Kreisvorsitzende Hermann Stadler betont, werde gerade diese Arbeitsgruppe schlecht bezahlt und gesellschaftlich nicht anerkannt. „Ihre Arbeit wird in der Öffentlichkeit als selbstverständlich hingenommen. In der Krise werden sie plötzlich systemrelevant, dabei halten die Beschäftigten seit Jahrzehnten in den Dienstleistungsberufen unsere Gesellschaft am Leben.“
Für den katholischen Sozialverband zeige sich seit Jahren, dass gesellschaftlich notwendige Dienstleistungen in der Politik immer noch zu wenig wahrgenommen würden. Für seine KAB sei der Staat aber keine Gesellschaft mit beschränkter Haftung auch keine Aktiengesellschaft. Stadler: „Er ist nicht börsenorientiert und muss keinen finanziellen Gewinn machen, sondern dafür sorgen, dass sozialer Friede herrscht in diesem Land. Der Mensch muss im Mittelpunkt unseres Handelns stehen.“
„Zwischen Kostendruck, notwendiger Modernisierung und Unverzichtbarkeit für eine gerechte Gesellschaft hätten es Politik und Wirtschaft versäumt, klare Ziele und Prioritäten zu setzen.“ Das Coronavirus habe jetzt bei genauerer Betrachtung die jahrelangen Verwerfungen auf dem Arbeitsmarkt schlagartig zu Tage treten lassen. „Die Angst und der Aufschrei von Seiten der Arbeitnehmer zu Beginn des Shutdowns war groß, durch die geringe Höhe des Kurzarbeitergeldes, die Angst Mieten nicht mehr bezahlen zu können oder gar das Dach über den Kopf zu verlieren.“
Ihre Löhne und die Kosten für Miete und Daseinsvorsorge hätten auseinanderdifferenziert, macht Stadler deutlich. Dies beweise, dass es faktisch keine realen Lohnzuwächse auf Seiten vieler Arbeitnehmer in den letzten Jahren und Jahrzenten gegeben habe. „Und das trotz einer exzellenten wirtschaftlichen Ausgangslage.“ Diözesansekretär Markus Nickl ergänzt: „Viele Kollegen stehen wirtschaftlich mit dem Rücken zur Wand, für viele Menschen geht es schlicht um die Existenz. Das wirtschaftliche Wachstum ging an den Beschäftigten vorbei.“
Dienstleistungsberufe bräuchten in Zukunft mehr als nur Schulterklopfen oder kurzfristigen Applaus. „Sie sind es, die die Gesellschaft am Laufen halten, dies zeigt sich gerade jetzt in dieser Krise. Der Fokus der Öffentlichkeit richtet sich zurzeit hauptsächlich auf das Pflegepersonal, aber auch ohne Paketboten, Postzusteller, Reinigungskräfte, Küchenpersonal, Lkw-Fahrer und Logistiker ist ein reibungsloses Funktionieren einer Gesellschaft nicht möglich, sie sind systemrelevant und damit wichtig.“
Dabei kämpften gerade diese Berufsgruppen mit Lohndumping. Wer sich mit dem Mindestlohn zufriedengeben müsse, für den werde nur ein Drittel der Rentenbeiträge eines Normalverdieners in die Rentenversicherung einbezahlt. „Heute systemrelevant - morgen vergessen.“
Es habe sich vor allem im Krankenhaussektor gezeigt, dass die Privatisierung großer Teile der Daseinsvorsorge nicht funktioniere, sagt Kreisvorsitzende Daniela Ernstberger. „Das ständige Streben alles der absoluten Wirtschaftlichkeit zu unterwerfen hat zur jetzigen Überforderung der Dienstleistungsberufe beigetragen. Die meisten dieser Tätigkeiten werden von Frauen ausgeführt und dienen zum Großteil der Daseinsvorsorge. In den 2000er Jahren wurde viel Pflegepersonal abgebaut, viele Krankenhäuser privatisiert und Reinigungsaufgaben öffentlich vergeben, was nicht dem Wohl der Menschen dient.“
Die Begehrlichkeiten würden schon wieder wachsen, ärgerte sich Nickl. Arbeitsminister Hubertus Heil sei gerade dabei, das Arbeitszeitgesetz zu lockern, damit noch mehr und länger gearbeitet werden könne. Auch das Öffnen der Läden am Sonntag solle bis zum Jahresende durchgeboxt werden. „Hier scheint man schon wieder auf die jetzt so systemrelevanten und öffentlich beklatschten Berufe in Zukunft keine Rücksicht mehr nehmen zu wollen.“













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